Es gibt einen Anfang vor dem Unterrichtsanfang
Hallo Du, worum geht es im Unterricht?
Es geht primär nicht um eine Vorgabe, eine Erwartung, ein Thema,
nicht um einen Zusammenhang, ein Lernziel oder um eine Note,
sondern es geht immer um Beziehung,
um die Beziehung zwischen zwei Menschen,
um die Beziehung innerhalb einer Gruppe
und um die Beziehung mit Gott.
Der Mensch kann alleine nicht (über)leben!
Es geht um das tägliche Menschsein, um das Menschlich sein,
es geht darum, die Sinne zu bilden, sinn-lich zu sein, sinn-voll zu sein,
es geht darum, immer wieder Beziehungen aufzubauen
und darin das Ziehen abzubauen,
es geht darum, die Verschiedenheit zu akzeptieren,
die eigene Polarität zwischen dem Drang zum Individuum
und dem Hang zur Gruppe und zur Partnerschaft auszugleichen
und sich selbst darin immer wieder zu überwinden,
sich auseinander - zu - setzen und zusammen -zu - setzen.
Es geht darum,
sich sicher zu werden, sich zu öffnen und andere zuzulassen, auf beiden Seiten,
denn im Reich Gottes gibt es keine Vorgesetzten oder Untergebenen,
es gibt nur Menschen,
die sich durch ihre Begabungen, Aufgaben und Rollen unterscheiden.
Jeder braucht jeden,
denn jede Rolle und Aufgabe hat ihren Sinn für den anderen und für sich selbst.
Es geht darum, das Beste von sich der Gemeinschaft zu geben.
Dazu muss ich mich und mein Bestes kennen.
Wer bin Ich?
Was bin ich? Was suche ich? Was habe ich?
Ich be-sinne mich, ich nutze meine Sinne;
ich gehe in mich;
ich bestimme meinen Standort;
ich nehme einen Standpunkt ein;
ich reflektiere meine Lebenssituation,
mein Wesen, mein Verhalten, meinen Charakter und meine Persönlichkeit.
Ich baue Beziehung zu mir auf, prüfe mich und nehme mich an.
Ich vergleiche mein Ist mit einem möglichen Soll
und suche die Weiterentwicklung und Reifung.
Ich setze mir Ziele und richte mich daran auf und aus.
Wie möchte ich sein?
Wer möchte ich sein?
Was möchte ich sein?
Ich möchte meine Kleinheit und Begrenztheit immer wieder überwinden.
Ich möchte immer wieder über mich hinauswachsen.
Ich möchte mich weiter vervollkommnen.
Ich möchte meine Dimensionen kennenlernen und ausschöpfen.
Ich möchte Er - Kenntnisse gewinnen und weitergeben.
Ich möchte meine einseitige Perspektive erweitern.
Ich möchte innerlich rein werden, meine guten Seiten stärken und Jesus nahe sein
und ich glaube, dass ich das alles mit Gottes Hilfe erreichen kann.
Wer bist Du?
Zum Glück gibt es andere Menschen.
Auch wenn Du mir zunächst fremd bist und Deine Andersartigkeit mich ängstigt,
das Andere in Dir zieht mich doch magisch an;
es macht mich neugierig und wissbegierig.
Du interessierst mich.
Was ist anders bei dir?
Wie gehst du damit um?
Was sind deine Schätze?
Was sehe ich in dir?
Was siehst du in mir?
Durch dich sehe ich mich klarer.
Durch dich verstehe ich mich besser.
Durch dich formuliert sich meine Aufgabe.
Du ergänzt mich.
Du hilfst mir durch dein Wesen und Sein weiter.
Du hilfst mir durch deine Zuneigung weiter.
Ich möchte deine Geheimnisse lüften und meine von dir entdecken lassen.
Ich möchte meine Furcht vor dir verlieren und das Besondere in dir finden.
Ich möchte das Verborgene in uns bergen und im Licht erstrahlen lassen.
Wie können Wir sein?
Nachdem ich mich und dich näher kennen gelernt habe,
erkenne ich, dass es mich noch stärker zu dir hinzieht,
um noch mehr zu entdecken und zu verstehen,
um noch mehr zu lernen und in der Gemeinschaft herauszufinden,
denn durch dich lerne ich eine andere Seite an mir kennen.
Wir nähern uns an und teilen uns mit.
Wir fühlen und gehen mit - einander.
Wir gehen aufeinander zu und ein.
Ein - binden, aus-tauschen, aus-gleichen, aus-loten,
ver-gleichen, ver-binden, in Verbindung treten und Verbundenheit schaffen
erhalten mit dir eine völlig neue, praktische Dimension.
Wir helfen uns gegen–seitig und wirken ge-mein-schaft-lich.
Wir verbinden uns im Geist und inspirieren uns. Wir be-geistern uns.
Wir füllen gegenseitig unsere Gefäße, er-füllen, voll-enden, lassen uns fließen,
finden Er-füllung und fließen über.
Wir geben und nehmen an.
Wir übernehmen Fremdes, verbinden uns damit und tragen Verantwortung dafür.
Wir überwinden unser enges Ich, lernen vom Du und werden zum Wir.
Wir werden zum vielseitigen Vorbild.
Wir werden verbunden mit Gott.
Wie schaffe ich das?
Wie kann ich Beziehung mit mir und zu anderen erreichen?
Wie kann ich meinen Fuß auf neues Land setzen,
es einnehmen und mich darin ausbreiten
ohne einem anderen etwas zu nehmen,
ihm aber statt dessen viel zu geben?
Wie kann der andere mich ohne Misstrauen akzeptieren?
Wie können wir in gegenseitiger Achtung miteinander auskommen?
Wie können wir voneinander lernen?
Wie können wir uns anerkennend lieben?
Indem wir erkennen, dass wir alle Lernende sind.
Indem wir erkennen, dass jeder von jedem lernen kann.
Indem wir erkennen, dass wir alle Kinder Gottes sind,
der die Gelegenheiten schafft und die Möglichkeiten möglich macht.
der befähigt, begabt, beflügelt und gelingen lässt.
Indem wir seine kleinen und großen Gelegenheiten wahrnehmen und nutzen.
Indem ich das tue, was ich aus mir heraus tun kann und den Rest Gott überlasse.
Indem ich Folgendes tue:
1. Gott spricht mit mir durch sein Wort.
Ich höre und lese es,
setze mich damit auseinander,
glaube, was es sagt,
vertraue darauf, dass es wirkt,
orientiere mich daran,
verbinde es mit mir,
finde dadurch meine Begabungen,
erkenne meine Aufgaben,
bestimme damit meine Ziele
und baue darauf, dass ich sie erreiche.
2. Ich setze diese Worte in die Tat um und handle danach.
Ich bewege sie nicht nur in meinem Kopf und meinem Herzen,
sondern nehme sie beim Wort.
Ich übergebe mein Leben Jesus
und damit auch mein Wollen und meinen Stolz,
meinen Ehrgeiz und meine Selbstsucht,
meine Besserwisserei und meine Überheblichkeit,
meine Unehrlichkeit und meine sonstigen Schwächen,
damit das Gute in mir überwiegt.
Ich vertraue darauf,
dass diese Worte gut sind,
dass sie wahr sind,
dass sie erreichbar sind.
Ich lasse mich darauf ein,
bekenne mich dazu,
bin ihnen gegenüber treu und gehorsam,
wende sie in meinem Leben an,
tue, was sie besagen,
rechne damit, was sie versprechen
und lasse mich und meine Welt durch sie umwandeln.
3. Ich spreche mit Gott im Gebet.
Ich berichte ihm ständig über mein Befinden.
Dabei bekenne ich mich zu meinem neuen Weg,
bedanke ich mich für das Erreichte,
lobe ich seine Gnade, Güte und Großzügigkeit,
betrachte ich meine Fortschritte und Rückschritte von außen,
bitte ich um weitere Kraft, Veränderung und Erkenntnis,
vertiefe ich meine Beziehung zu ihm,
bestätige ich mein Vertrauen in ihn
und erkläre ich meine Bereitschaft, mit ihm weiterzugehen.
4. Ich begebe mich in eine Gemeinschaft,
in der ich geben, lieben und leben kann.
Meine Veränderungen und meine neuen Erkenntnisse haben nur einen Sinn,
nämlich den, sie in die Gemeinschaft mit Menschen einzubringen
und meine Gemeinschaft mit Gott zu vertiefen.
Meine Vervollkommnung hat nur dann einen Sinn,
wenn ich sie sinnvoll für die Menschen einsetze,
die diesen Weg der Befreiung zum Guten noch vor sich haben.
Wenn ich sie in Liebe und Verständnis annehme,
mich auf sie einlasse, sie bestätige ermutige und unterstütze,
dann werden sie diese Zuwendung in Liebe und Dankbarkeit weitergeben,
dann wird der Kreislauf von achten und ehren,
von geben und annehmen, von lieben und geliebt werden vollendet.
In dieser Gemeinschaft sind wir alle gleich,
Teile eines großen Ganzen,
Mitglieder im Team Gottes,
in dem wir uns für ihn
einsetzen und austauschen,
annehmen und unterstützen,
ergründen, ergänzen und erweitern,
weiterbilden und weiterentwickeln;
in dem wir uns begegnen,
miteinander in Verbindung treten und Verbundenheit schaffen.
Nach diesen Lernschritten bin ich bereit zum Dienst an Menschen,
zum vorbildlichen Beginn eines verantwortlichen Unterrichts,
zum Dienst an Schülerinnen und Schülern.
Dann weiß ich,
was sie wirklich brauchen und wie sie gerne von mir lernen;
wie sie mich als Vorbild anerkennen,
wie sie vertrauensvoll glauben und annehmen, was ich ihnen sage und vorlebe.
Dann weiß ich,
wie ich ihnen entgegengehen und sie rücksichtvoll begleiten kann,
wie ich Impulse von ihnen annehmen und von ihnen lernen kann,
wie ich mich ihnen zur Verfügung stellen kann.
Dann weiß ich,
dass sie schnell ruhig werden, sich sammeln, sich öffnen,
sich sensibilisieren, sich interessieren, sich konzentrieren und sich aktivieren,
dass sie Wissenswertes aufmerksam und furchtlos betrachten und aufnehmen,
dass sie bereit sind,
anzufangen,
Beziehung aufzubauen,
begierig zu lernen,
herauszufinden,
zu verbinden,
zu behalten
und anzuwenden.

