Selbstständigkeit
Hallo Du,
wenn ich immer wieder an das Denke,
was mich gekränkt und verletzt hat,
was mich umgeworfen hat,
was ich fürchte, befürchte, um was ich bange,
was mich sorgt und ängstigt,
was mich erschreckt und belastet,
was ich an Unangenehmem und Schlimmem ahne,
was mich retten könnte,
dann habe ich ein echtes Problem,
dann bin ich das Problem,
dann nehme ich mich zu wichtig,
dann ruhe ich nicht in mir selbst,
dann stehe ich nicht auf meinem Selbst,
dann bin ich nicht stabil und eigenständig,
dann bin ich nicht bei mir, sondern außer mir,
dann bin ich Abhängig und Unselbstständig.
Wenn ich schon außer mir bin,
dann sollte ich besser mich selbst von außen betrachten,
meine Empfindlichkeit, Verletzlichkeit und Verwundbarkeit
und wie es dazu kommen konnte,
denn daraus kann ich mich, mein wirkliches Selbst erkennen,
meine eigenen Schwächen,
die das zugelassen haben,
die mich unsicher, zweifelnd, feige, abhängig und mutlos gemacht haben,
die ich nicht energisch angegangen bin und abgestellt habe,
die verhindert haben, dass ich selbstbewusst und selbstständig bin.
Warum klammere ich mich so fest an diese Dinge
und verweigere lieber das Leben?
Warum benutze ich diese Dinge als stumme Anklage
gegen die Menschen, die mich verletzt oder gedemütigt haben
und damit letztlich gegen mich selbst?
Was steckt da in mir, was mich hemmt, behindert, daran festbindet,
weshalb ich mich hemme, behindere, daran festbinde, verleugne?
Wer hat mir nur eingeredet und eingestraft,
dass ich unfähig, unleidlich, schlecht und ungeliebt bin,
dass ich nicht gehorsam, aufmerksam und fleißig bin,
dass ich nicht ordentlich und pflichtbewusst bin,
dass ich kein Recht auf eine eigene Meinung,
auf eigene Fehler und auf eigene Erfahrungen,
auf eine eigene Entwicklung und ein eigenes Leben habe?
Wer hat sich da über uns erhoben und uns bewertet,
uns nach seinen falschen Maßstäben beurteilt und verurteilt,
uns ein schlechtes Gewissen eingeredet,
uns verantwortungslos abhängig gemacht und gehalten,
uns lieblos, ohne einfühlsame Geduld und Zuwendung
zu ohnmächtig leidenden, schüchternen Opfern gestempelt,
die kaum selbst agieren können, aber umso heftiger reagieren?
Mit unserem festhalten an Vergangenem,
mit unserem nicht verantworten wollen von Gegenwärtigem,
mit unserem zweifeln und ängstigen vor dem Zukünftigen,
verbleiben wir freiwillig in der Opferrolle,
geben wir anderen weiterhin Macht über uns,
wollen wir nicht über uns selbst und unsere eigene Wahrheit nachdenken,
übernehmen wir indirekt die Schuld unserer Schuldiger,
ihr egoistisches, krankhaftes und falsches Bild von uns
und verfallen in ohnmächtiges Selbstmitleid,
in bequemes Ausweichen und Anklagen,
in bemitleidenswerte Selbstzerstörung,
in Ablehnung gegen alles und jeden.
Ich gebe weiterhin mein Selbst auf,
meine Verantwortung für mich selbst,
für mein denken, fühlen und handeln,
für meine Gesundheit und mein Wohlbefinden,
für meine Fehler und Schwächen,
für meine Begabungen und Stärken,
für meine Fähigkeit, mein Schicksal in eigene Hände zunehmen und zu formen,
für die mutmachende und ermunternde Freude
an der Selbstdisziplin und Selbstüberwindung,
an der Selbstbestätigung und Selbstmotivation,
an der Selbstfindung und dem Selbstbewusstsein,
an dem Selbstvertrauen und der Selbstentfaltung.
Wenn ich bewusst wahrnehme, was wirklich ist,
es als von Gott als so gewollt annehme,
darauf vertraue, dass es gerade so richtig ist,
es nicht verändern will,
es so lassen und mich ganz darauf einlassen kann,
dann vergesse ich mich selbst und bin wirklich da,
dann bin ich ohne Scheu, beherzt und unerschrocken
dann bin ich endlich vertrauensvoll stark, beziehungsfähig und selbstständig.

