
Liebe und Verbindlichkeit (2. Thess 2,16-17)
Hallo Du,
wer liebt, möchte einem anderen etwas von sich geben.
Im Geben öffnet dieser Mensch sein gut behütetes Herz und seine empfindsame Seele
und macht sich damit verletzlich. Er wagt sich mit Ehrlichkeit aus seinem sicheren
Schneckenhaus. Er bietet sich an und hofft insgeheim Interesse und Entgegenkommen.
Wie wird ihm begegnet? Mit Vorsicht und Distanz oder interessiert, erfreut und freundlich?
Wird er als willkommene Anregung und Ergänzung gesehen, oder als Belastung und Bedrohung?
Wird seine Offenheit mit Vertrauen honoriert oder zum eigenen Vorteil missbraucht? Wird er
bewertet oder akzeptiert, wie er ist?
Wer liebt ist blind für Feindschaft, Bösartigkeit und Gemeinheit. Er möchte ganz naiv Gutes
schenken, auf andere zugehen, ihnen Möglichkeiten eröffnen. Er rechnet nicht mit Misstrauen,
Ablehnung und Ausnutzung. So denkt und fühlt er nicht. Das ist ihm fremd. Er geht davon aus,
dass andere seine Öffnung und sein Angebot verstehen.
Eine normale mitmenschliche Reaktion wäre, empfindsam auf ihn einzugehen, sich gegenseitig
kennenzulernen und vertrauensvoll auszutauschen. Eine unnormale Reaktion wäre, Öffnung
und Liebe als Schwäche zu bewerten und die Naivität als Möglichkeit zur eignen Vorteilnahme
zu missbrauchen. Das verriete jegliche Mitmenschlichkeit.
Der Wettbewerb in der Welt und die Gier der Menschen kennen jedoch keine Grenzen.
Vorteilnahme beherrscht viele Herzen und Gier viele Kopfe. Sie entstehen aus Gefühlen der
Leere, Verlassenheit, Ablehnung und Unvollkommenheit. Sie sind Anzeichen für Krankheit,
Not und erfahrender Lieblosigkeit, für erlebte Ablehnung und Gleichgültigkeit, für Erniedrigung ,
Abwertung und Isolation. Bösartigkeit entsteht aus beherrschenden Altlasten.
Da fast jeder Mensch im Laufe seines Lebens unangenehme Erfahrungen sammelt, ergibt sich
die Frage, ob Menschen sich überhaupt selbstlos und liebevoll begegnen können.
Sie können. Sie können lernen und dazulernen. Sie können verändert werden und sich von
anderen Werten leiten lassen. Sie können lernen zu vertrauen, anzunehmen und Gutes zu
wollen. Sie können lernen, sich in eine Gemeinschaft rücksichtsvoll einzufügen und darin
angenommen und wertgeschätzt zu werden. Sie können lernen, sich auf ein verlässliches
Vorbild einzulassen und es nachzuahmen. So werden sie nach und nach verändert. So
werden sie allmählich selbst zu liebevollen Menschen. Niemand muss so bleiben wie er ist!
Die empfindsame Seele lechzt nach Verbindlichkeit, nach dauerhafter Sicherheit, nach
Geborgenheit, Halt und Orientierung, nach festem Verbunden sein. Sie braucht ein
liebvolles und vorbehaltloses Gewürdigt werden, um wachsen zu können, um sich entfalten
und geben zu können, um sich anderen zu öffnen und zu zeigen.
Deshalb gehen Liebe und Verbindlichkeit, Vertrauen und Hingabe, Verantwortlichkeit und
Treue zusammen. Sie sind das Fundament einer dauerhaften und verlässlichen Beziehung.
Sie sind Grundlage von Offenheit, Ehrlichkeit und Freundschaft, von Zuversicht und
uneigennütziger Sexualität.
Verliebtheit macht blind für die Schwächen des/der Geliebten, weil sie den anderen so nimmt,
wie er ist und das Gute an ihm und in ihm erkennt. Das ist für beide die Chance für einen
guten Neuanfang, zur vorteilhaften Veränderung und inneren Erneuerung.
Gott ist immer der Gleiche. seine Liebe und Treue sind verlässlich. Seine Zuwendung ist
unwiderruflich verbindlich, weil er uns durch und durch kennt und wir seine Geschöpfe sind.
Unser Herr Jesus Christus aber und Gott, unser Vater, der uns seine Liebe geschenkt und in
seiner Barmherzigkeit [mit Jesus] einen Trost und eine Hoffnung für alle Zeiten gegeben hat,
er ermutige euch und gebe euch Kraft, Gutes zu tun in Wort und Tat. (2. Thess 2,16-17; HfA)

