Jeder Mensch braucht Führung (Röm 10,8-10)
Gottes Wort ist dir ganz nahe; es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Das ist nämlich das
Wort vom Glauben, das wir verkünden.
Denn wenn du mit deinem Mund bekennst: "Jesus ist der Herr!", und wenn du von ganzem
Herzen glaubst, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, dann wirst du gerettet werden.
Wer also von Herzen glaubt, wird von Gott angenommen; und wer seinen Glauben auch bekennt,
der findet Rettung. (Röm 10,8-10; HfA)
Führung: Was ist das?
Führung bzw. das Verb 'führen' bedeuten: 'leiten', 'die Richtung bestimmen' bzw. 'in Bewegung
setzen'.
Wer führt, leitet an und geleitet, fragt und orientiert, ermutigt, festigt und bestätigt. Er/Sie hat
den Überblick, den Durchblick, die Einsicht und die Kompetenz und deswegen liegt die Führung
zum gemeinsamen beschlossenen Ziel bei ihm/Ihr. Die Führenden motivieren und unterstützen
die Geführten. Sie können sich an ihn anlehnen. Geführte sind die, die sich führen lassen, die den
Führenden vertrauen und annehmen können, was sie ihnen raten.
Zwischen den Geführten und den Führenden gibt es sozusagen ein Bündnis, das auf
gegenseitiger Achtung und auf Liebe, Vertrauen und Mitverantwortung beruht. Beide Seiten
stehen in einer besonderen Verantwortung für die jeweiligen Bündnispartner.
Eine Führung ohne freiwillige Gefolgschaft ist nicht möglich. Eine Gefolgschaft (Anhänglichkeit,
Nachfolge) für unehrenwerte Führer und Führerinnen wird nicht dauerhaft sein.
Führen und Geführt werden
Zu führen, ist ein verantwortliches Leiten, ein, anderen kompetent und umsichtig dienen. Um
eine solche Rolle verantwortlich und erfolgreich wahrzunehmen, braucht man hohe soziale und
emotionale oder fachliche oder geistliche Kompetenz, die nur wenige haben. Dazu gehören u.a.:
In Bezug auf sich selbst: Selbstvertrauen, Rückgrat, Eigenverantwortung und Selbstdisziplin sowie
in hohem Maße Verantwortungsbereitschaft, Gerechtigkeitssinn, Gewissenhaftigkeit, Fleiß und
Engagement, Erfahrung und Wissen, Flexibilität und Konsequenz, Großmut und Durchsetzungs-
vermögen, Zielorientiertheit und Vorbildfunktion.
Im Umgang mit anderen: Geduld, Achtung, Toleranz und Respekt, Menschenkenntnis,
Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft und Kompromissfähigkeit, Kritikfähigkeit und
Zivilcourage und Durchsetzungsvermögen.
In Bezug auf die Zusammenarbeit: Teamfähigkeit, Kooperationsbereitschaft,
Motivationsvermögen sowie Konfliktfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit.
Die Bibel sagt dazu: Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel gefordert, und wem viel
anvertraut wurde, von dem wird umso mehr verlangt. (Lk 12,48;NGÜ)
An Führende werden hohe Maßstäbe angelegt und sie brauchen für ihre Aufgabe Lebens-
erfahrung und Reife. Dennoch: Führende sind auch nur Menschen, werden von Versuchungen
heimgesucht und sind weder fehlerfrei noch vollkommen, auch wenn einige das manchmal von
sich glauben. Woran sie hauptsächlich gemessen werden ist, ob sie persönliche Beziehungen und
Verbindungen zu den Geführten haben, sich für sie erfolgreich einsetzen, sie nicht bevormunden
und integere Vorbilder sind.
Führung, Dienst am Nächsten, ist nur dann erfolgreich, wenn gemeinsam angestrebte Ziele auch
erreicht werden. Der gemeinsame Erfolg hängt daher von den Führungsqualitäten und Führungs-
kompetenzen der Führenden sowie von dem Verhalten, der Akzeptanz und Folgsamkeit der
Geführten ab.
Der Führungsprozess ist eine „ständige Begleitung“ der Geführten. Ein Vordenken, Rückfragen,
Beraten und Fürsorgen. Er bedarf der Anerkennung und Akzeptanz durch die Geführten. Ein
Vertrauen, Annehmen, Einfügen und Mitverantworten.
Führung ist nur dann Führung, wenn die Führung von den Geführten akzeptiert wird und sich in
ihrem Verhalten und Tun niederschlägt.
Geführt werden
Geführt zu werden, ist eine große Erleichterung und Entlastung. Sie hilft in Unsicherheit,
Unerfahrenheit, Unwissenheit und ohnmächtigem Unvermögen. Man muss sich keine Gedanken
machen, man muss nicht alles selbst wissen und können und sich nicht um alles selbst kümmern.
Man braucht den großen Überblick nicht. Man delegiert und kann sich auf das Wesentliche
konzentrieren, auf seine eigenen Aufgaben und Fähigkeiten.
Entlastung tritt aber nur ein, wenn man den Führenden vertraut und ihre Führungsrolle
akzeptiert. Dazu gehören Gesprächs- und Unterstützungsbereitschaft, Bündnistreue und
Gefolgschaft, Verbindlichkeit und Fügsamkeit, Fleiß und Leistungsbereitschaft, Anerkennung und
Verzichtbereitschaft zum Wohle des Ganzen. Dazu die Bereitschaft, Ideen und Kreativität
einzubringen, Förderungsangebote wahrzunehmen und Hinweise anzunehmen, also, sich ganz in
die Gemeinschaft einzubringen.
Diesem Bündnis zum gegenseitigen Vorteil liegt eine Aufgabenteilung zugrunde, in der
verschiedene Fähigkeiten und Begabungen sich ergänzen und zu einem Ganzen
zusammengefasst sind. Jeder und jede hat darin die Verpflichtung, seinen Teil zu erfüllen. Eine
solche Gemeinschaft wird stark und erfolgreich sein.
Zeitgeist und Selbstbezogenheit
Wir leben aber in einer entgleisten Zeit. Obwohl (oder gerade weil) das Leben immer stärker
strukturiert und in einen festen Zeitplan eingezwängt ist und wir auf Zusammenarbeit und
gegenseitige Ergänzung angewiesen sind, glauben viele zu wissen, was richtig und gerecht ist. Sie
mischen sich in Dinge ein, die sie nicht verstehen. Sie opponieren, rebellieren, protestieren und
revoltieren, weil es modern und in ist. Sie lehnen sich gegen ihr Bündnis auf, weil es sie
mitverpflichtet und scheinbar ihre Freiheit einschränkt. Sie wollen selbstbestimmt, unabhängig
und frei sein und sich nichts mehr sagen lassen. Sie wollen der 'Boss' sein, ohne dafür die
notwendigen Voraussetzungen zu haben. Egoistisch nehmen sie nur sich selbst zum Maßstab
stellen daraus ihre Forderungen auf. Sie agieren selbstgerecht und hochmütig. Sie machen sich
ihr eigenes Recht und haben ihre Gaudi dabei. Die Gemeinschaft und ihre Nächsten sind ihnen
egal.
Ihre Rebellion führt in ihnen zu Unmut, Undank, Unruhe und Verbitterung, zu Aufbegehren,
kräfteraubendem Kampf und ständigem Widerspruch, zu einer sich verselbständigenden
Antihaltung. Sie fühlen sich (ihr Ich) zu kurz gekommen und beschimpfen lautstark ihre
Vorgesetzte und Chefs, ihre Eltern oder Ehepartner, oder die, die selbstlos eine gemeinnützige
Aufgabe übernommen haben und sie sind sich nicht bewusst, dass sie damit die auch für sie
wichtige Gemeinschaft zerstören.
Von einem Bündnis ist dann nichts mehr zu spüren, viel mehr hat man den Eindruck, dass Neid,
Gier und Eifersucht regieren, dass jeder nur die eigenen Interessen vertritt und dass eine
Abstimmung, Einigung und Gemeinsamkeit nicht mehr gesucht werden, um eigene Vorteile zu
erlangen. Wer so denkt und handelt vergisst, dass auch andere Rechte haben und das das eigene
Recht nur bis dahin reicht, wo das gleiche Recht des anderen beginnt.
Gleichberechtigung ist also nicht diskutabel. Sie ist ein Grundpfeiler menschlichen
Zusammenlebens. Die Cleveren sagen: Ja, vor dem Gesetz sind alle gleich, nur die nicht, die den
besseren Rechtsanwalt haben.
Gott aber, der alles durchforscht, weiß, was im Herzen des Menschen vorgeht. (Röm 8,27)
Die übelsten Machenschaften hecken sie aus und brüsten sich: 'Wir sind bereit! Unser Plan ist
schlau erdacht!' Wie unergründlich ist doch, was im Inneren eines Menschen vorgeht, in der Tiefe
seines Herzens! (Ps 64,7)
Kann man Gottes Gebote wegdiskutieren, schönreden, umdeuten oder anders bewerten?
Nein. Sie sind ewig richtig. Sie sind Basis und Leuchtturm, Führung und Ausrichtung. Die beiden
Kernfragen sind: Lasse ich mich von ihnen führen? Und: Was geschieht mit mir, wenn nicht?
Führung durch Gott und sein Wort und seinen Geist
Gott ist der allmächtige Schöpfer des Universums, der Schöpfer der Natur und aller Geschöpfe,
der Bewahrer des Lebens und Lenker jedes einzelnen Wesens. Er ist durch und durch Liebe. Er ist
unser aller himmlischer Vater. Vor ihm sind alle wir ohne Ausnahme gleich und vor ihm besteht
nur, was für alle gleich gut ist.
Da er allmächtig und allwissend ist und da er in allem der Geber ist, sucht er bei uns nicht seinen
Vorteil. Er hat ihn bereits. Ihm Vorteilnahme zu unterstellen oder ihm zu misstrauen ist also
absolut unsinnig.
Und weil er ein Gott ist, den wir leiblich nicht sehen, (aber am Geschehen erkennen können), ist
er als Mensch Jesus in die Welt gekommen und hat an sich selbst die Selbstsucht, Engstirnigkeit
und Gehässigkeit von Menschen kennengelernt. Er weiß, dass das Leben und Zusammenleben
nicht immer leicht ist. Er kennt die Einfalt, Begehrlichkeit und Begrenztheit unseres Sehens. Er
kennt das Gift, das Stolz, Neid, Gier, Überheblichkeit oder Vormachtstreben in uns verbreitet.
Und obwohl (oder gerade weil) er voller Liebe war, ist er gescheitert. Man hat ihm Böses
unterstellt, falsche Zeugen gegen ihn auftreten lassen, ihn missachtet, gefoltert und gedemütigt
und letztlich hingerichtet, obwohl er die Menschen nur aufrütteln und von ihrem lieblosen und
bequemen Denken und Verhalten befreien wollte.
Und weil Menschen sich nicht gern etwas sagen lassen und schon gar nicht ihre eigene
Schlechtigkeit erkennen wollen, (die schieben sie lieber anderen in die Schuhe), musste er als
Unruhestifter beseitigt werden.
Doch Gott hat aus Schlechtem Gutes gemacht. Er verwandelte die Niederlage zu einem Sieg. Er
rückte seinen Sohn wieder ins rechte Licht, indem er ihn von den Toten auferweckte, indem er
das Unrecht der Kreuzigung aufhob und Jesus zu sich erhob, damit er auch heute noch in
unseren Herzen wohnen und uns mit seinem Geist leiten kann.
Gott hat uns Jesus zum Vorbild gemacht, an dem wir uns orientieren können. Er und seine
Lebenseinstellung und Lebensweise können uns Leitbild und Hilfe sein. Im können wir vertrauen,
weil er sein Leben für uns geopfert hat, für unsere Verfehlungen und unser gottfernes und
selbstherrliches Verhalten.
Jesus will uns nichts aufzwingen oder einreden, uns nicht übers Ohr hauen oder missbrauchen.
Er will lediglich, dass das Gute in uns lebt.
Gott hat Jesus zu seinem Sprecher gemacht. Durch Jesus Christus und das, was er sagte und was
in der Bibel festgehalten ist, wissen wir, wie liebevoll und gnädig und väterlich Gott wirklich ist
und was er zu unserem Wohl alles tun kann und tun möchte.
Darüber hinaus hat er uns auch noch seinen göttlichen, heiligen Geist gegeben, der uns sein
Wesen erkennen, seine Worte verstehen und seine Liebe erinnern lässt, der uns sein Wort
erkennen und akzeptieren lässt, der uns in seinem Geist der Liebe empfinden und handeln lässt.
Führung hautnah
Das hört sich alles sehr theologisch, theoretisch und schwierig an, ist es aber nicht. Es geht lediglich um
Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Glauben wir dem, was in der Bibel steht oder glauben wir es nicht.
Vertrauen wir darauf, dass Gott jedem hilft, der ihn bittet oder nicht. Bauen wir darauf, dass er uns mit
unseren Fehlern liebt und trotzdem (bzw. gerade deswegen) und durchs Leben führt und begleitet.
Sucht die Nähe Gottes, dann wird er euch nahe sein! (Jak 4,8;NGÜ)
Wenn wir seine Nähe suchen, zu ihm gehen und bei ihm bleiben, ist er mir zwangsläufig nahe, es
sei denn er würde immer wieder vor mir das Weite suchen und mich meiden wie die Pest. Aber
gerade das tut er nicht. Er freut sich über unser Kommen und Mitteilen und Bitten, weil wir ihm
dann vertrauen, weil er uns dann willkommen ist und wir dann für seine führenden und
orientierenden Worte offen und zugänglich sind.
Wir erlebe seine Führung hautnah, wenn wir uns jeden Tag neu unter sein Wort stellen,
entweder unter eine einzelne Leitverheißung für das ganze Leben oder unter die jeweilige
Tageslosung oder unter einen anderen Leitvers, der uns beim Bibellesen aufgefallen und wichtig
geworden ist.
Wenn wir jeweils heute ganz bewusst danach leben und unser Denken, Verhalten und Tun daran
ausrichte, bemerken wir die Hilfe und Sicherheit, die uns daraus zuteilwerden. Und je häufiger
wir das tun, desto selbstverständlicher und erleichternder wird uns seine Führung.
Wir haben immer jemanden mit uns, den wir fragen können, mit dem wir reden können, der uns
zuverlässig berät, führt und der uns in der Not weiterhilft.
Ordnen wir uns daher Gott und seiner Führung unter, damit wir den Versuchungen des Bösen
täglich widerstehen und der Teufel von uns ablässt, weil er unerwünscht ist. (nach Jak 4,7)
Jeder Mensch wird geführt
Ob wir wollen oder nicht: Jeder Mensch wird geführt, weil er unvollkommen ist, weil er Führung
braucht und sich unbewusst oder bewusst führen lässt, auf welche Art auch immer. Sei es die
Führung durch Erziehung in Familie und Schule oder Arbeitsplatz, durch Werte, Ideale, Idole oder
Wissen, durch Werbung, Propaganda oder Erkenntnis, durch die Beeinflussung von Freunden,
Bekannten oder Arbeitskollegen, durch Gottes Wort oder durch eigenes Wollen und Wünschen.
Alles was wir aufnehmen, beeinflusst uns. Daher ist es wichtig darauf zu achten, was das ist.
Wer will was von mir? Wem kann ich vertrauen? Von wem oder von was lasse ich mich führen?
Wir dürfen und die Führung aussuchen. Wir können schädliches Denken aussperren, indem wir
uns dem Guten zuwenden. Wir können das Böse mit Gottes Hilfe und Führung und Neuaus-
richtung überwinden, wenn wir es wollen und zulassen.
Missbrauch von Führung
Misstrauen gegenüber menschlicher Führung ist angebracht. Deutschland hatte einen Führer,
der machthungrig in Kriege geführt, Vertrauen missbraucht hat und viele Menschen in
Konzentrationslagern heimtückisch umbringen ließ.
Eine ganz andere Art von Missbrauch liegt in einer beherrschenden Übermutter, in einem
erzwingenden Vater oder in manipulierenden Politikern, Geschäftemachern und Verführern.
Eine Führung, die Vertrauen missbraucht, die sich heimtückisch aufzwängt, die einengend
kontrolliert und bevormundend entmündigt, die sich einbildet, alles zu dürfen, zu wissen und zu
können, die immer wieder die Entscheidungsfreiheit der Geführten einschränkt und missachtet,
eine solche Führung dient nur dem eigenen Machterhalt und damit sich selbst. Der Führer oder
die Führerin machen sich selbst zu Gott.
Und wenn jemand noch so viel Macht und Einfluss hätte, aber die Liebe nicht, dessen Tun wäre
alles nichtig. (nach 1. Kor 13)
Lassen wir uns doch immer stärker von der selbstlosen Liebe Jesu und seiner Treue führen, damit
das Gute in uns dauerhaft die Oberhand gewinnt und wir ihm immer ähnlicher werden.
Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott selbst. ... Das Wort
wurde Mensch und lebte unter uns. Wir selbst haben seine göttliche Herrlichkeit gesehen, wie sie
Gott nur seinem einzigen Sohn gibt. In ihm sind Gottes vergebende Liebe und Treue zu uns
gekommen. (Joh 1,1+14;HfA)

