Liebe dich selbst, denn ohne das geht es nicht (Lk 10,27)
Leitvers:
Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen,
von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt,
und deinen Nächsten wie dich selbst. (Lk 10,27)
Einstieg
Wie, ich soll mich selbst lieben?
Magst du dich? Gefällst du dir? Bist du mit dir zufrieden?
Hast du Geduld mit dir?
Nimmst du Rücksicht auf dich?
Wie erholst du dich? Gönnst du dir Ruhe und Frieden mit Gott?
Was tust du für dein Seelenheil und deine Erbauung?
Ich erzähle euch einmal von meinem Garten.
Ich habe einen schönen, inneren Garten, in dem ich Ruhe, Geborgenheit
und Erbauung finde. In dem ich mich wohlfühle und den ich täglich
mehrmals aufsuche.
Seitdem ich den habe, mag ich mich, gefalle ich mir, bin ich mit mir
zufrieden, habe ich Geduld mit mir. Und wie jeder Garten, muss auch der
ständig gepflegt werden. Ich muss etwas für ihn, also für mich tun.
Als ich jünger war, wusste ich gar nicht, dass ich, wie jede und jeder
andere auch, so einen Garten habe und brauche. Wozu auch? War doch
die Erforschung der Umwelt und der Mitmenschen spannend und
aufregend genug. Ich musste ja lernen, mich darin und mit denen
zurechtzufinden.
Später dann, bei längerdauernden Erkrankungen, wenn Stille um mich
war, entdeckte ich meinen inneren Seelengarten, doch er war eine reine
Wüstenei.
Ungemütlich, ungepflegt und vernachlässigt. Die Umzäunung war morsch
und von Eindringlingen niedergetreten, die darin ungehemmt ihren Müll
abluden. Das war wirklich kein Ort zum Wohlfühlen. Und zufrieden mit mir
war ich wirklich nicht.
In der Not, mit Gottes Hilfe und mit großem Zeit- und Kraftaufwand von
Körper und Geist gelang nach und nach das Großreinemachen und die
Gartenneugestaltung.
Ein stabiler Zaun aus Selbstbewusstsein umgibt ihn nun, der unliebsame
Fremde abhält. Der Müll wurde entfernt und Wildes beseitigt.
Das erstickende Unkraut wurde ausgerissen, zu hohe Büsche
zurückgeschnitten und alte Gewohnheitsbäume stark gestutzt.
Nun hat er wieder Licht und Weite. Der Nährboden des Glaubens wurde
aufgelockert, biblisch gedüngt und das aussaugende Ungeziefer
vernichtet.
Schließlich wurden neue, zarte Seelenerfreuungspflänzchen gesetzt,
gegossen und gepflegt, damit sie wachsen und gedeihen können.
So ist aus alten und neuen Pflanzen etwas Anmutiges, Schönes,
Einmaliges geworden: Nämlich mein eigener, individueller, innerer Garten,
in dem es grünt und blüht und in dem auch die süßen Früchte der Liebe
wachsen und reifen dürfen.
Mein Garten ist mein Wohlfühl- und Besinnungsbereich.
Er ist die Begegnungsstätte mit mir und mit Gott.
Er ist meine Krafttankstelle.
Er ist der Bereich, in dem Jesus in mir wohnt und in dem ich mich oft und
gerne aufhalte.
Er ist der Bereich, in dem ich fähig werde, andere zu lieben!
Aber, Gärtnerinnen und Gärtner wissen, dass ein Garten immer wieder
gepflegt und gehegt werden muss, am besten täglich. Wer will schon
Jesus in uns ein undurchdringliches und wachstumshinderndes
Dornengestrüpp zumuten.
Also: Ist der Zaunglaube intakt? Hält er eigene Überforderung und
schädliche Fremdbestimmung ab? Muss der Glaubensnährboden mit
Gottes Wort gegossen werden? Gibt es etwas, was Anderes
überwuchert? Welche Wollens-Pflanze nimmt anderen das Licht?
Welches Versuchungsungeziefer ist zu bekämpfen? Welche Früchte des
Geistes sind reif und können geerntet werden? Wen kann ich zum
Erntefest einladen?
Gärtnern ist wie Kindererziehung. Im eigenen Garten zu gärtnern, ist eine
Liebesangelegenheit, ein Ordnen und Bewahren, ein Pflanzen und
Behüten, ein mit den Pflanzen fühlen, an ihrer Anmut Anteil nehmen und
sich ihrer Bedürfnisse erbarmen.
Wer gärtnert, muss sich abgrenzen; muss klare Entscheidungen treffen,
muss konsequent und liebevoll planen und handeln.
Wer gärtnert, trägt bewusst Verantwortung für sich und seinen Garten.
Dieses Verhalten nennt man auch Selbstbeherrschung oder auch
krafterhaltende Selbstliebe. Es ist Voraussetzung dafür, dass
Nächstenliebe möglich ist.
Übrigens: Das Verb ‚lieben‘ ist universell.
Es bezieht auch das ‚sich lieben‘ mit ein.
Wenn mein innerer Galten strahlend schön, wohlgeordnet und anmutig
gestaltet ist, dann bin ich es auch! Dann hilft das auch denen, die mir
begegnen, die bei mir Ausgeglichenheit, Aufmerksamkeit, Zuwendung,
Liebe, Ruhe und Frieden finden.
Wenn mein innerer Garten aber vermüllt, verwildert und vernachlässigt
bleibt, dann bleibe ich es auch. Dann bleibe ich ängstlich und
unausgeglichen, mürrisch und zurückstoßend, gehemmt und ungeduldig,
überfordert und lieblos. Für mich und für andere unerträglich und
schädigend.
Paulus stellt fest:
Wenn ich keine Liebe habe, bin ich nichts. (1.Kor 13,2)
Und ich frage mich, ob Gottes Liebe in mir ist:
Sein Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe
treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht
ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie
rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie
freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft
alles, sie duldet alles. (1.Kor 13, 4-7)
Hoppla, es gibt noch einiges zu tun in meinem inneren Garten. Noch liebe
ich mich nicht ganz so, wie Gott mich liebt. Aber ich bin zuversichtlich:
Ich tue, was ich zu tun vermag und er wird (wie bisher immer) den großen
Rest erledigen, in seinem Garten, in unserem gemeinsamen Garten, wenn
ich, wenn wir ihn bitten.
Lied: 620, Gottes Liebe ist wie die Sonne
Anfangsgebet
Barmherziger Herr Jesus,
auch wenn Gott den Menschen nach seinem Bilde erschuf,
und er uns für sehr gut gelungen hält,
sind wir doch nicht immer mit uns zufrieden,
denn unser Maßstab sind oft unsere Mitmenschen und ihre Meinungen.
Auch sehen wir uns kritischer als du,
denn wir können das Ausmaß deiner Liebe kaum fassen
und oft genug den Sinn deiner Worte nicht verstehen.
Meinst du, ich soll andere genauso lieben, wie ich mich liebe?
Was ist, wenn ich mich gar nicht liebe, mich vielleicht sogar ablehne?
Was ist, wenn ich meine Nächsten verurteile, weil ich mich selbst verurteile?
Meinst du, ich soll mich mehr lieben, damit ich andere lieben kann?
Oder: Ich soll dich mehr lieben, damit ich andere lieben kann?
Meinst du vielleicht, ich soll nicht alle lieben, sondern nur die, die mir nahe sind?
Bei den vielen Fragen ist mir nur Eines bewusst:
Ich möchte auch meinen Nächsten Gutes tun, denn sie sind wie ich.
Manchmal sind sie stark und manchmal auch hilfsbedürftig.
Wir alle sind auf deine Liebe und Führung angewiesen.
Wir alle brauchen dich, dein Vorbild und deine Hilfe.
Jesus, du hast dich immer wieder zurückgezogen,
um eine stille Zeit mit Gott zu haben.
Du hast dich von den Meinungen und Absichten anderer nie beirren lassen.
Du hattest einen positiven Blick auf dich selbst.
Du hast dich selbst noch am Kreuz für deine Feinde eingesetzt.
Dein Gebet war: ‚Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun‘.
Herr, das wissen wir oft auch nicht. Deshalb bitten wir:
Verbinde uns fest mit unserem himmlischen Vater.
Lasse uns seine Gottesliebe zuteilwerden,
denn die, ermöglicht Selbstliebe,
denn die, ermöglicht Nächstenliebe und Feindesliebe!
Reinige uns von falscher Scham und Selbstkritik
und stärke in uns Selbstannahme und Selbstbehauptung.
Befreie uns vom Joch weltlicher Normen,
von eigener Überbewertung, von Hochmut, Stolz und Selbstgerechtigkeit,
und stärke in uns Nachsicht, Einsicht, Geduld und Versöhnung.
Schenke uns Einblicke in deine Sichtweise, in dein Denken, in deine Weisheit.
Befähige uns zu barmherziger Liebe
und verändere uns immer weiter zum Guten,
damit wir fähig sind, unsere Nächsten zu lieben wie dich, wie uns selbst,
von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit unserer Kraft und unserem
ganzen Gemüt.
Amen.
Wer ist mein Nächster?
Nach dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist mein Nächster der,
der mir Anteilnahme, Erbarmen und Mitgefühl schenkt;
der mich trägt und erträgt; der mir gegenüber barmherzig ist,
denn nur der ist dem Hilfsbedürftigen nahe.
Ich bin der Hilfsbedürftige, der Liebe und Verständnis und Zuwendung braucht.
Ich bin aber auch der, der Hilfsbedürftigen Liebe, Verständnis und Zuwendung geben kann.
Fürbittgebet Harald
Vater im Himmel,
du hast uns zu deinem Bilde erschaffen.
Helfe uns, diesem Bild gerecht zu werden, dir zur Ehre.
Stärke in uns das Bewusstsein,
für dich, Licht der Welt und Salz der Erde zu sein;
für dich, das irdische Dunkel mit deinem Licht zu erhellen;
für dich, das Fade, Träge und Herzlose in uns
mit deiner Liebe zu würzen,
mit Freude über deine Zuwendung
und mit Hilfe deines Heiligen Geistes.
Befähige uns, deine Liebe anzunehmen und uns selbst zu lieben,
damit wir stark genug werden, deine Liebe weiterzutragen zu denen,
die noch im Dunkel leben, die noch zu wenig Liebe und Vertrauen haben.
Breite deine Liebe aus in alle Kontinente und Herzen,
damit überall Friede werde,
damit überall Liebe das Verhalten und Handeln der Menschen bestimme,
damit Einheit und Einigkeit uns weltweit miteinander verbinde.
Herr,
lasse uns auch der Natur gegenüber liebevoll und respektvoll werden,
die wir in der Gier nach Wohlstand ausbeuten und verunstalten.
Sie ist nicht nur unsere Heimat, sondern auch die aller Pflanzen und Tiere.
Bremse Machtgier, Gewinnstreben und Lieblosigkeit,
und fördere Aufmerksamkeit, Mut und Verantwortungsbewusstsein
damit sich unser Bitten erfüllt.
Herr, helfe uns immer wieder auf,
aus Niedergeschlagenheit und Verzweiflung,
aus Schmerz, Trauer und Verlust,
aus Gefühlen von Angst, Verlassenheit und Ohnmacht.
Deine Liebe möge uns ermutigen und erquicken.
Deine Liebe führe uns durch schwierige Situationen.
Deine Liebe bestimme unser Denken, Reden, Verhalten und Tun.
Amen.

