Ein (un)göttliches Gewissen (Ps 16,7 + 2.Kor 1,12 + Phil 2,13)
In uns gibt es ein kritisches Bewusstsein, das unsere Denk- und Handlungsweisen an dem
prüft, was wir für richtig gelernt und angenommen haben, was unsere soziale Werteleitlinie
ist.
Es ist wie ein innerer Kompass oder Navi, die uns helfen, zwischen richtig oder falsch zu
unterscheiden. Man nennt es auch Gewissen. Es drängt uns dazu, bestimmte Dinge zu
unterlassen, andere aber auszuführen.
Man fühlt sich gut, wenn man nach seinem Gewissen handelt. Dann hat man ein reines
Gewissen. Handelt man jedoch dagegen, dann hat man ein subjektiv schlechtes Gefühl;
ein nagendes Gewissen bzw. Gewissensbisse. Dann spürt man eine quälende innere
Spannung. Das innere Harmonie-Gleichgewicht ist gestört.
Das Problem dabei ist, dass unser Gewissen von den Normen und Werten geprägt wird, die
uns Eltern, die Gesellschaft, das Gesetz oder ein Freundeskreis einpflanzen.
In einer liebevollen Familie lernt man Regeln für ein tolerantes, friedliches und hilfsbereites
Sozialverhalten.
Ein Jugendlicher, der zuhause durch zu wenig Zuwendung vernachlässigt wurde, sucht und
findet vielleicht in einer Straßenbande Kontakt, Beachtung, Anerkennung und Gemeinschaft.
Um das zu erhalten ist er bereit, deren Normen als für sich als gut und richtig anzunehmen,
z.B.: Außenstehenden zu misstrauen, gewaltbereit zu sein, sich täglich durch Ladendiebstahl
der Gruppe als würdig zu erweisen und monatlich die eigene Bande durch ‚Kampf‘ gegen
rivalisierende Banden zu verteidigen. Für einen solchen Jugendlichen ist sein Tun und
Verhalten richtig. Aus seinem Blickwinkel verhalten sich andere genauso. Seine weltliche,
ungöttliche Sicht bestätigt ihn.
So wie Eltern, die Gesellschaft, das Gesetz oder der Freundeskreis eigene Verhaltensnormen
festlegen, können auch religiöse Werte, Vorgaben, Gebote und Regeln das Gewissen, das
innere Navi ausrichten. Voraussetzung ist, dass man sie kennt, sich mit ihnen auseinander-
setzt, sie als wertvoll erachtet, sie für richtig hält, sie als eigene Leitsätze anerkennt und auch
danach strebt und lebt. Das ursprüngliche, weltlich geprägte Gewissen lernt dann um und
wird erneuert, wird göttlich, gottbezogen ausgerichtet. Gottes Geist durchdringt es.
Der ursprüngliche Mensch wird zu einem anderen. Liebe, Freude, Frieden, Geduld,
Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung breiten sich in ihm aus
(Gal 5,22). Der neue Mensch erhält eine geweitete Perspektive. Sein Denken und Verhalten
wird ‚christlich‘. Er wird Christus immer ähnlicher. Er entzieht sich der Meinung und den
Forderungen weltlich gesinnter Menschen, die ihn bestimmen wollen. Er wird von ihnen
unabhängig und lebt nach seinen neuen Überzeugungen. Er ist wieder mit sich im Reinen.
Sein Vorteil: Göttliche Werte überragen weltliche und sie bleiben konstant.
Ich preise den Herrn, weil er mich beraten hat! Selbst nachts weist mein Gewissen mich
zurecht. (Ps 16,7; NGÜ)
Nun, wenn wir an unser Verhalten in dieser Welt und besonders euch gegenüber denken,
gibt es etwas, womit wir uns rühmen können: Unser Gewissen bezeugt uns, dass wir immer
aufrichtig und uneigennützig gewesen sind, wie es dem Willen Gottes entspricht. Wir ließen
uns nicht von berechnender Klugheit leiten, sondern von Gottes Gnade. (2.Kor 1,12; NGÜ)
Gott selbst ist ja in euch am Werk und macht euch nicht nur bereit, sondern auch fähig,
das zu tun, was ihm gefällt. (Phil 2,13;NGÜ)

