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Altersweitsicht ist Weisheit (Ps 90,12; Röm 11,33) Text

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Buch: Der Du in mir

 

Haben Sie auch Interesse an

meinem Buch?

 

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes

Tempel seid und der Geist

Gottes in euch wohnt?

(1.Kor 3,16)

In einem abenteuerlichen

Traum erkunde ich mein

Inneres auf der Suche nach

Gott und finde ihn tief in mir.


Der DU in mir

Laudatio Verlag,

Frankfurt am Main

ISBN 9783946590798



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Gersfeld

 

Altersweitsicht ist Weisheit   (Ps 90,12; Röm 11,33)

 

Lehre uns zu bedenken, wie wenig Lebenstage uns bleiben, damit wir ein Herz voll Weisheit

erlangen! (Ps 90,12; NGÜ)

Wie unerschöpflich ist Gottes Reichtum! Wie tief ist seine Weisheit, wie unermesslich sein

Wissen! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!

(Röm 11,33; NGÜ)

 

Hallo Du,

Altersweitsichtigkeit ist für mich nicht nur eine Fehlsichtigkeit. Ich sehe darin auch eine

zunehmende Fähigkeit älterer Menschen.

 

Da ich selbst schon älter bin, weiß ich, wovon ich schreibe. Viele ältere Menschen haben

eine weitere Sicht. Ihr Sehen geschieht nicht mehr eingeengt durch frühere Ängste oder

Meinungen. Sie sind im Ruhestand freier, souveräner und gelassener geworden und haben

nun mehr Zeit, um sich an dem zu erfreuen, was sie umgibt.

 

Ältere Menschen haben eine große Lebenserfahrung. Sie blicken auf ein langes Leben

zurück. Sie sind weise geworden und haben erkannt, dass Not- und Leidenszeiten, dass

Herausforderungen und Bedrängnisse, intensive und stärkende Lernzeiten sind.

Diese Zeiten sorgen für persönliche Weitung und Ergänzung, für neue Einstellungen und

Werte, für Lebensklugheit. Sie bewirken Gelassenheit und Geduld.

 

Paulus schreibt dazu in Römer 5,3-5; NGÜ:

Wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt,

Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden

werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist,

der uns gegeben ist.

 

Ältere Menschen haben gelernt, nicht nur die Oberfläche, das Offensichtliche zu sehen,

sondern auch das Dahinter. Bei Jüngeren erkennen sie nicht nur deren Hemmnisse,

sondern auch deren Ursachen. Sie haben Einsichten in das, was andere noch einsehen

müssen, was Jüngere noch nicht erkannt haben. Ihre Lebenserfahrung hilft ihnen dabei.

Sie macht sie tiefgründiger, umsichtiger und weiser. Durch Erfahrung haben sie gelernt,

was wirklich wichtig ist. Sie haben gelernt, dass Lebensziele wie Spaß haben, Wohlstand

oder Status nicht brüchig und nicht dauerhaft sind, sondern dass beispielsweise Liebe,

Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Verständnis, Treue, Rücksichtnahme,

Besonnenheit und Selbstbeherrschung erfüllender und sinngebender sind. Denn die sind

die Grundlage für alles andere. Ohne Liebe ist alles was wir haben, können und tun nichts

wert.

 

Ältere Menschen werden gebrechlicher und immer hilfsbedürftiger. Sie denken deswegen

auch über ihre Endlichkeit und den Tod nach. In ihrem Umfeld sterben immer mehr

Menschen und sie fragen sich, ob der Tod wirklich das absolute Ende ist.

Sie hinterfragen die Bedeutung und dem Sinn des eigenen Lebens und finden oft keine

befriedigenden Antworten. Ihr Blick richtet sich dann vielleicht auch gen Himmel und

suchen dort nach Antworten, nach Gott, nach der Erkenntnis, ob es weitergeht, ob es ein

übergreifendes, ewiges Leben für sie gibt.

Im Hinterfragen wird ihnen bewusst, wie kostbar die vergangene Lebenszeit war und wie

wertvoll die ihnen noch verbleibende Zeit ist. Sie fragen sich, was sie wirklich in ihrem Leben

erreicht haben welche Bedeutung ihr Leben hatte, was versäumt haben und was noch

erleben oder erreichen wollen. Sie fragen sich auch, welche Spuren sie anderen hinterlassen

werden. Das kann auch enttäuschend sein.

Vielleicht erkennen sie auch die Bedeutung von Familie, die ihrem Leben Sinn gab, der sie

Halt gegeben haben, in der sie Zukunft vorbereitet haben, in der sie immer noch Ruhe und

Geborgenheit finden.

Und viele fragen sich, von wem und wofür sie noch gebraucht werden und wem sie Gutes

tun können. Ihre Liebe möchte weitergegeben werden.

 

In der Lebenssituation von älteren Menschen bekommen die Worte Glaube, Liebe und

Hoffnung eine tiefe Bedeutung:

Sie haben erkannt, dass Glaube wie ein Fenster ist, durch das das noch Unsichtbare sichtbar

wird, dass Glaube auch eine Tür ist, durch die das Sichtbargewordene in die Realität kommt.

Glaube öffnet unseren Geist, den Verstand, für das, was wir für Unmöglich halten und weitet

ihn. Glaube verändert die Wahrnehmung und das Geschehen. Durch das Glaubensfenster

und die Glaubenstür kommt Gott, wirkt Gott in unserem Leben. Glaube bereichert. Glaube

schenkt höherer Einsicht und Erkenntnis. Unser Glaube und das damit verbundene Beten

und Hoffnungen, bewirkt Erhörung; ermöglicht, dass unsere Bitten ohne eigenes Zutun von

Gott wundersam erfüllt werden. Auch diese Erkenntnis beruht auf Lebenserfahrung.

 

Paulus formuliert das in Hebräer 11,1 so: Was ist denn der Glaube? Er ist ein Rechnen mit

der Erfüllung dessen, worauf man hofft, ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer

Dinge. Glaube ist demnach Weitsicht, Voraussicht und Zuversicht.

 

Leider gibt es viele Menschen ohne Glauben, ohne Gottvertrauen, die das alles nicht wissen

und die davon ausgehen, dass ihr Wissen und ihr Können, dass nur ihre Meinungen und

Überzeugungen allgemein richtig und auch für andere gültig sind. Sie setzen ihre ‚Weisheit‘

ein, um Anerkennung zu bekommen oder um einflussreich oder erfolgreich zu sein.

Die Erfahrung aber zeigt, dass sie früher oder später an sich selbst scheitern, denn diese

Einstellung führt immer ins menschliche Abseits.

Anders ist das bei Menschen mit einem Gottesbezug. Seit jeher haben sie erkannt, dass sie,

trotz etwaiger Erfolge, im diesseitigen Leben immer begrenzt und unvollkommen bleiben

und auch, dass Gott Menschen ganz individuell führt, auch, um sie vor eingebildeten,

besserwissenden Menschen zu bewahren.

 

Liebe: Was ist Liebe? Es geht dabei ums Lieben und ums Geliebt werden.

Liebe ist viel mehr als das Gefühl, zu jemandem hingezogen zu sein; viel mehr, als eine auf

körperlicher, geistiger oder seelischer Anziehung beruhende Bindung; viel mehr, als ein

Mögen oder Begehren. Liebe ist eine Grundeinstellung und Haltung. Sie zeigt sich im

Denken, Fühlen, Verhalten und Tun, im ganzen Sein. Sie ist oder sie ist nicht. Wenn sie ist,

dann ist sie umfassend und offen, selbstlos und hingebungsvoll.

Paulus beschreibt uns die Liebe in 1.Kor 13, die Liebe, die Jesus uns vorgelebt hat.

U.a. schreibt er:

Liebe ist geduldig, Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid, sie spielt sich nicht auf, sie ist

nicht eingebildet. Sie verhält sich nicht taktlos, sie sucht nicht den eigenen Vorteil, sie verliert

nicht die Beherrschung, sie trägt keinem etwas nach.

Sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, aber wo die Wahrheit siegt, freut sie sich mit.

Alles erträgt sie, in jeder Lage glaubt sie, immer hofft sie, allem hält sie stand.

 

Demnach ist Liebe das Fundament des Lebens, Das Zentrale. Das Lebenswichtigste.

Liebe ist seelische Nahrung. Liebe ist u.a. Mitmenschlichkeit, Zuwendung und Anteilnahme,

Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft, Achtung und Verantwortung.

Liebe bewirkt in uns Lebensmut und Hoffnung, Vertrauen und Gelassenheit, Sicherheit und

inneren Frieden, Stärke und Hilfsbereitschaft. Ja, Liebe ermöglicht sogar das Unmögliche.

Ohne Liebe können besonders Kinder und alte Menschen nicht auskommen.

Und manche Älteren bedauern, dass sie diese Weisheit nicht schon viel früher hatten, denn

ein Leben ohne gegebene und erhaltener Liebe ist ein trauriges Leben, ein mühevolles,

freudloses und erbärmliches Leben.

 

Diese wahre Liebe wünschen Großeltern ihren Kindern und Enkelkindern. Ihre Altersweit-
sicht möchte, dass ihr Leben gelingt; möchte, dass sie zu dieser Liebe finden; möchte, dass

sie zu Gott finden, der diese Liebe ist und gibt.

Ihre weitsichtigen Liebe sieht die Ihren anders. Sie erkennen auch das Schlechte, bauen aber

auf das Gute in ihnen. Liebend, wohlwollend und ihnen zugewandt vertrauen sie darauf,

dass das Gute sich in deren Zukunft mit Gottes Hilfe voll entfalten wird und dass Liebe sie

durch ihr ganzes Leben führen wird.

Und weil sie den besonderen Wert von Gott, Glaube und Liebe in ihrem eigenen Leben

erkannt haben hoffen sie, dass auch ihre Nachfahren Jesus suchen und finden, ihn

annehmen, auf ihn hören, von ihm lernen und sich an ihm ausrichten. Schließlich wünschen

sie ihnen nur das Beste.

 

Hoffnung: Je älter man wird, desto mehr erkennt man, dass das alles Schöne, Gute und

Wertvolle im Leben keine Zufälle, sondern immer Geschenke Gottes sind, Geschenke, die

aus eigenem Bemühen nie erreichbar wären.

Deshalb ist ihnen Hoffnung, zuversichtlicher Glauben sehr wichtig. Sie leben in positiver

Erwartung dessen, was noch auf sie zukommen wird und sie freuen sich bewusst an dem,

was sie noch können und haben. Sie merken, dass die Kraft nachlässt und dadurch einiges

schwieriger wird.

Gerade deswegen setzen sie aufs Hoffen für ihre Zukunft. Dieses Hoffen ist ein Art

Optimismus, ist Zuversicht in das, was noch kommt.

Sie glauben an die Liebe und Güte und Fürsorge Gottes. Sie bauen darauf, dass er für sie

sorgt und ihnen beisteht, dass er ihnen hilft, besonnen zu sein, ein glaubwürdiges Leben zu

führen, verantwortungsbewusst zu handeln und sich im Glauben, in der Liebe und in der

Geduld zu bewähren. Ihre Weitsicht richtet sich vorwiegend auf Gott. Ihm nahe zu sein, ist

ihr Glück.  Ihm nahe zu sein, gibt ihnen Frieden und lässt sie Schwieriges ertragen.