Fürbitte – Für andere Bitten! (Kol 1,9)
Hallo Du,
ich bin nicht vollkommen! Ich brauche immer wieder Hilfe und Unterstützung und
Zuwendung von anderen. Ganz besonders in Phasen von Verunsicherung, Angst, Zweifel,
Niederlage, Krankheit, Trauer, Unwissenheit oder Überforderung. Du auch?
Ich habe gelernt: Stolz kann und will das nicht einsehen. Hochmut behauptet das Gegenteil
und bildet sich in seiner Abgehobenheit ein, unbegrenzt, unabhängig, fehlerlos und ohne
Schwäche zu sein (oder sein zu müssen).
Hilfsbedürftige bitten um Hilfe, um Zuwendung, Rat, Beistand oder Unterstützung.
Deswegen wird sie ihnen gegeben. ‚Hochmütige‘ bitten nicht. Entweder sie fordern und
verlangen oder sie helfen sich selbst, weil ja alle anderen unfähig sind.
Die einen kommen aus ihrem Tief wieder hoch. Die anderen stürzen immer tiefer.
Für sich zu bitten, ist einsichtig, ist weise, ist klug und ist lebensnot-wendig, ist normal.
Wer nicht für sich bittet, dem/der ist nicht zu helfen, der/die will auch keine Hilfe.
Es stimmt: Jede menschliche Hilfe ist immer begrenzt! Sie ist oft nicht angemessen oder
ergebnisorientiert. Sie kann nie umfassend sein. Oft ist sie auch nicht wirklich hilfreich. Oft
genug wird einem dadurch nicht geholfen. Aber: Jeder Hilfeversuch beinhaltet Zuneigung
und Zuwendung! Jede Hilfe ist erwiesene Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Liebe und
die, helfen oft mehr als die Hilfsversuche selbst.
Mir ist unerwartete, unverständliche und großartige Hilfe in großer Not zuteilgeworden.
Nachdem kein Arzt mir wirklich helfen und meine Schmerzen lindern bzw. beseitigen
konnte, war ich verzweifelt. Alles hatte ich versucht. Vergeblich. Nur eines noch nicht:
Das Unwahrscheinliche. Ich hatte mich noch nicht an Gott gewandt. Warum nicht? Der war
mir damals unbekannt und fern. Doch in Aussichtslosigkeit geht man entweder ganz unter
oder man ergreift einen allerletzten Hoffnungsstrohhalm. Im Gefühl des Versinkens betete
ich verzweifelt, flehend, bittend und bettelnd um seine Hilfe. Und ein unfassbares Wunder
geschah. Der unsichtbare Fremde half mir umgehend, konkret und nachhaltig. Nicht
umfassend, aber Schritt für Schritt. Womit? Durch sein Wort und seine Zusagen, durch die
Verbindung mit ihm. Er hat mich und mein Leben umgekrempelt und neu ausgerichtet.
Er hat mir Lebensmut und Lebensfreude zurückgegeben. Er hat sich mir Nichtigem und
Elendem sofort zugewendet. Seine Hilfe und seine Liebe haben mich angenehm überrascht,
aber auch beschämt. Es gibt ihn tatsächlich! Er ist auch für mich da! Er hilft, wenn man ihn
braucht und bittet!
Später habe ich von Freunden erfahren, dass sie schon länger für mich gebetet hatten, dass
sie Gottes Hilfe für mich erbeten hatten. Auch das hat mir seine Hilfe erklärt. Das hat mir
nachträglich auch gefallen. Ich war gar nicht so alleine und verloren, wie ich dachte. Da
waren andere, die zu mir hielten, die sich für mich einsetzten; die mich nicht verloren
gaben; die an den unsichtbaren Gott glaubten und von seiner Zuwendung und Hilfe
überzeugt waren. Ihr Bitten und ihre Fürsprache vor Gott waren Mitauslöser seiner Hilfe.
Ich musste Gott nur noch bekennen, dass ich mit seiner Hilfe einverstanden bin, sie
annehme und gerne geschehen lasse.
Heute, viele Jahre später, habe auch ich eine gefestigte, vertrauensvolle Bindung an Gott,
der sich auch mir mit seiner Liebe und in seinem Wesen in Jesus zeigt, in erbarmender Hilfe,
in weitsichtiger Wegweisung und klarer Orientierung. Und auch ich nutze gerne die Kraft
der Fürbitte für andere, in der meine Liebe - über Jesus - zu ihnen fließt, indem ich mich für
sie einsetze. Ohne ihn geht nicht viel. Seine Möglichkeiten aber gehen weit über unsere
hinaus. Und auch ich baue auf Gottes Zusagen und auf die Erfahrungen der Apostel und
vielen anderen.
Gott ist es, der mich mit Kraft ausrüstet, der mir hilft, auf dem richtigen Weg zu bleiben.
(Ps 18,33)
Deshalb hören wir auch seit dem Tag, an dem wir davon erfahren haben, nicht auf, für euch
zu beten. Wir bitten Gott, dass er euch durch seinen Geist alle nötige Weisheit und Einsicht
schenkt, um seinen Willen in vollem Umfang zu erkennen. (Kol 1,9; NGÜ)
Ich will deinen Namen loben ohne Unterlass und dich preisen und dir danken. Und mein
Gebet wurde erhört, denn du hast mich errettet aus dem Verderben und emporgehoben, als
ich in Not war. Darum will ich dich loben und preisen und Dank sagen im Namen des Herrn.
(Sir 51, 11-12)

