Wir haben es dadurch bekommen, dass wir ihn kennen gelernt haben (Phil 3,10)
Hallo Du,
im Zeitalter der Follower, von fremden Freunden bei Facebook, Twitter und Co. denen das
gefällt was ich von mir zeige, frage ich mich, ob sie den/die kennen, die sie ‚liken‘, mögen,
ob die ihnen vertraut sind und ob sie wirklich Interesse haben, mehr von denen
kennenzulernen, die sie per Mausklick mögen. Und ich frage mich auch, ob ich solche
Freunde haben möchte, die mich nicht näher kennen, die ich nicht kenne.
Sicher, gemocht zu werden, ist immer schön. Aber wenn man jemanden mag, möchte man
den auch besser kennenlernen und auch mehr von sich selbst zeigen. Sich mögen ist doch
nur der Anfang von mehr.
Wir sind doch viel mehr als das wenige, was Fremde von uns zu wissen glauben. Wer mich
oder dich genauer kennt, der weiß das. Und je besser wir uns gegenseitig kennen und
schätzen (nicht nur die Stärken, sondern auch die Eigenarten und Schwächen), desto
intensiver wird die Freundschaft und desto wertvoller werden wir uns, besonders, wenn
der Freund/die Freundin gerade in Schwierigkeiten ist.
Ich möchte Freunde haben, die mir nahe sind, die mich wirklich kennen, mit denen mich
viel verbindet, mit denen ich in gegenseitiger Zuneigung und Wertschätzung und in
gegenseitigem Vertrauen eng verbunden bin, von denen ich mehr kenne als ihren Like-Klick.
Petrus schreibt in seinem 2. Brief:
In seiner göttlichen Macht hat Jesus uns alles geschenkt, was zu einem Leben in der
Ehrfurcht vor ihm nötig ist. Wir haben es dadurch bekommen, dass wir ihn kennen gelernt
haben – ihn, der uns in seiner wunderbaren Güte zum Glauben gerufen hat. In seiner Güte
hat er uns auch die größten und kostbarsten Zusagen gegeben. Gestützt auf sie, könnt ihr
dem Verderben entfliehen, dem diese Welt aufgrund ihrer Begierden ausgeliefert ist, und
könnt Anteil an seiner göttlichen Natur bekommen. (2.Petr 1,3-4;NGÜ)
Mich spricht der Satzteil: „Wir haben es dadurch bekommen, dass wir ihn kennen gelernt
haben“ an. Jesus hat seinen Jüngern kein abstraktes Lehrbuch in die Hand gedrückt,
sondern er war mit ihnen einige Jahre auf gemeinsamer Wanderschaft, hat sein Leben mit
ihnen geteilt. Sie haben ihn kennen und schätzen gelernt, haben seine himmlischen Schätze
in ihm entdeckt, sich an ihnen erfreut, sich an ihm Beispiel genommen, sind seinem Beispiel
gefolgt und sind zum Vorbild für andere geworden. Durch ihn hatten sie einen großen
persönlichen Gewinn. In der Gemeinschaft mit ihm sind sie gereift. In der Gemeinschaft mit
ihm haben sie seine Ansichten und Absichten kennengelernt, die sie später aus
Überzeugung gerne weitergaben.
Andere sind für uns ein Geschenk und Gewinn, weil sie anders sind, weil sie etwas haben
und sind was wir nicht kennen, weil sie uns ergänzen können, weil wir von ihnen lernen
können. Andere haben andere Lebensstrategien, Lebenseinstellungen oder Lebenswerte,
an denen wir die Eigenen messen können. Andere habe andere Lebenserfahrungen, die uns
weiterhelfen könnten. Andere haben andere Sichtweisen, die unseren Horizont weiten
könnten. Andere schenken uns ‚sich‘ alleine durch ihr Sein, durch die Gemeinschaft mit
ihnen. Und auch wir schenken uns anderen, ihnen unser ‚Da sein‘. Wir beschenken uns
gegenseitig und erfreuen uns daran.
Die Jünger damals (und auch viele Christen heute), waren/sind echte Follower, echte
Nachfolger von Jesus. Sie kannten/kennen sich gegenseitig gut. Sie folgten und folgen
seinen Worten, seiner Lehre. Sie orientierten und orientieren sich an seinem Vorbild. Sie
waren und sind seine Nachfolger und geben ihre Erfahrungen mit ihm weiter und helfen
anderen, ihn besser kennenzulernen. Ohne sie gäbe es das Christentum heute nicht mehr
und ohne unser Weitergeben in Zukunft wahrscheinlich auch nicht mehr.
Um Christus allein geht es mir. Ihn will ich immer besser kennen lernen: Ich will die Kraft
seiner Auferstehung erfahren, aber auch seine Leiden möchte ich mit ihm teilen und mein
Leben ganz für Gott aufgeben, so wie es Jesus am Kreuz getan hat. (Phil 3,10; HfA)
Viele sogenannte Freunde schaden dir nur, aber ein echter Freund steht mehr zu dir als ein
Bruder. (Spr 18,24; HfA)

