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Tiefe Trauer (Joh 16,4-6)

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Buch: Der Du in mir

 

Haben Sie auch Interesse an

meinem Buch?

 

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes

Tempel seid und der Geist

Gottes in euch wohnt?

(1.Kor 3,16)

In einem abenteuerlichen

Traum erkunde ich mein

Inneres auf der Suche nach

Gott und finde ihn tief in mir.


Der DU in mir

Laudatio Verlag,

Frankfurt am Main

ISBN 9783946590798



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Verzweifelt, Traurig, Deprimiert, Füße

 

Tiefe Trauer   (Joh 16,4-6)

 

Bisher habe ich nicht mit euch darüber gesprochen, weil ich ja bei euch war.

Aber jetzt gehe ich zu dem, der mich gesandt hat. Und keiner von euch fragt mich:

›Wohin gehst du?‹ Denn ihr seid erfüllt von tiefer Traurigkeit über das, was ich

euch sage. Doch glaubt mir: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. (Joh16,4-6)

 

Hallo Du,

eine Binsenwahrheit besagt: ‚Das Leben beinhaltet Höhen und Tiefen‘. Das ist nun mal so.

Auf die schmerzenden und verunsichernden Tiefen würden wir gerne verzichten, doch gerade

sie brechen etwas in uns auf. Sie führen uns in mehr oder weniger starkes Trauern.

 

Sie führen aber auch zur Besinnung und Überprüfung des Seins und Geschehens, des eigenen

Verhaltens, der eigenen Wünsche und Hoffnungen, der eigenen Einstellungen, Erwartungen,

Ansprüche und Ziele, der gemachten Fehler und deren vermutlichen Ursachen und

Auswirkungen, dem möglichen Anteil, den wir bewusst oder unbewusst daran hatten. Daraus

lernen wir. Daraus entstehen einprägsame, verändernde Lebenserfahrungen.

Sie ermöglichen, Altes loszulassen und Neues anzunehmen. Sie führen zu Veränderung im

Gewohnten oder Festgefahrenen. Sie bewirken Wachsen und Reifen. Sie sind nötig um das

Weiterleben, das Überleben zu garantieren. Sie stellen uns vor die Wahl, entweder zu hoffen

und die Zukunft klüger mitzugestalten oder aber zu resignieren und in Selbstmitleid zu

versinken.

 

Ich erkenne drei Ursachen fürs Trauern:

  1. Wir erleben einen plötzlichen, einschneidenden und unverständlichen Verlust an Sicherheit

        und Geborgenheit, oder an Heimat und Eigentum, oder an Ehre, Ansehen und Prestige und

        reagieren emotional darauf.

  1. Wir selbst oder ein uns vertrauter Mensch werden plötzlich sehr krank und es drohen

        Siechtum oder gar Tod.

  1. Wir haben einen vertrauten und geliebten Menschen durch Tod oder Trennung verlorenen.

 

Wir hadern dann mit dem eigenen Schicksal oder mit dem uns nahestehender Menschen.

Wir trauern aus Anteilnahme und Verbundenheit und zeigen darin Liebe und Treue.

Wir trauern aber auch wegen der schicksalhaft erzwungenen Veränderung des uns Gewohnten

und Bequemen, des Liebgewonnen, des mühsam Erreichten. Wir leiden unter dem plötzlichen

Zwang zur eigenen Umstellung.

 

Da das Leben aus Werden und Vergehen besteht, aus ständiger Anpassung und Weiter-

entwicklung, aus stetiger Veränderung und Erneuerung, sind für mitfühlende Menschen

Freude und Trauer ständige Begleiter.

 

Wie erleben wir Trauer? Was geschieht dabei mit uns? Zunächst sind wir schockiert. Wir wollen

nicht wahrhaben, was geschehen ist. Dem Schock folgen Traurigkeit und Schmerz, emotionale

Niedergeschlagenheit und mangelnde Lebensfreude. Irgendwie fühlen wir uns gekränkt oder

verletzt und leer. Wir Hadern mit dem Schicksal, entwickeln Zukunftsängste und reagieren mit

seelischem Rückzug. Wir leiden unter Desorientierung, Schlafstörung, Vergesslichkeit,

Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Konzentrationsmangel und Lethargie. Wir fühlen uns unwohl

und müde, niedergeschlagen, verlassen und irgendwie schuldig.

 

Und all das ist völlig normal. Es gehört zum Trauern, zum Prozess von Verarbeiten, Bewältigen

und Überwinden des Verlustes. Traurigkeit dient dem Ablösen, dem ‚Sich neu finden‘, dem

‚Wieder zu sich finden‘, dem Weiterleben.

Unsere Wunden brauche Zeit zum Heilen, zum ‚Sich damit abzufinden‘, ‚Sich mit dem Verlust zu

versöhnen‘. Zeit, sich wieder dem Hier und Jetzt zuzuwenden und den Blick darüber hinaus in

die Zukunft zu richten, um sie mit dem wiedergefundenen, seelischen Gleichgewicht und mit

Vertrauen, Freude und Lebensmut anzugehen.

 

Wie reagierst du auf Verlust?

Stürzt du dich in Aktivitäten, um dich abzulenken, um den Schmerz zu verdrängen und um zu

vergessen?

Oder ziehst du dich zurück? Kreiseln Erinnerungen in deinem Kopf, die das Verlorene oder die

Verlorenen in Gedanken, Bildern und Gefühlen aus Verbundenheit zurückholen?

Das tun viele. Das ist vorübergehend Balsam für die geschundene Seele. Doch darin wird auch

bewusst, dass das Geschehene endgültig ist, dass die Realität anders ist, dass eine Verbindung

zerschnitten wurde. Und diese Erkenntnis löst Bedrückung, Ohnmachtsgefühle, Depression und

Wut aus und kann zu Suche nach Schuldigen, zu Klage, Anklage und Selbstbeschuldigung

führen.

Oder willst du dir deinen Kummer von der Leber reden? Suchst du das Gespräch mit

Familienmitgliedern, mit Freundinnen und Freunden oder mit anderen Menschen deines

Vertrauens, bei denen du vorübergehend Verständnis, Zuwendung und Halt findest, bei denen

du in deinem Schmerz und mit deiner Gram nicht alleine bist, bei denen du dein Leid teilen

kannst.

 

Traurigkeit und Trauern sind ein innerer Prozess, der im Kopf beginnt, sich im Gefühl ausweitet

und bis in jede Körperzelle wirkt. Traurigkeit ist Inventur und Standortbestimmung. Sie erfasst

und prüft, verwirft oder ergänzt, ordnet neu.

Der Verstand will den Verlust nicht Wahrhaben und verleugnet ihn. Er reagiert mit: „Es darf

nicht wahr sein.“ oder mit: „Das ist nur ein böser Traum!“ Doch die Realität lässt sich nicht

täuschen. Sie ist ernüchternd und macht empfindungslos und starr vor Entsetzen.

 

Danach, in Erkenntnis der eigenen Ohnmacht, brechen heftige Emotionen auf. Trauer, Wut,

Freude Zorn, Angst und Ruhelosigkeit beherrschen die Trauernden und rauben ihnen die Ruhe

und den Schlaf. Es werden Auswege gesucht, auch Schuldige. Im Hadern mit dem Schicksal

treten auch Schuldgefühle auf. Habe ich vielleicht dazu beigetragen? Was hätte ich dagegen tun

können oder tun müssen? Gab es vielleicht noch Probleme oder Streitigkeiten, die hätten

geklärt und beigelegt werden müssen?

 

Gräme dich nicht. Das hilft nicht weiter. Bereinige, was noch zu bereinigen ist. Spreche

nachträglich mit der/dem Verstorbenen und erzähle ihr/ihm, was dich bedrückt oder quält,

was dir leidtut, was du nun anders machen würdest.

Unterdrücke deine Gefühle nicht. Weine über den Verlust. Freue dich über gemeinsam geteilte

Wonne. Erlebe deinen Schmerz und deine Aggressivität, damit du nicht in Depression versinkst.

Deine Mitmenschen werden dich verstehen und darin deine Ohnmacht, aber auch deine Liebe

und Suche erkennen und dir beistehen, sofern du es zulässt.

 

Diese perspektivlose Aufgewühltheit ist die unangenehmste Phase des Trauerns. Im Rückzug

und in mühsam aufrechterhaltener Selbstkontrolle gleitet man allzu leicht in Hilflosigkeit und

Isolation ab, denn allzu schnell werden Entgegenkommen und Hilfe von Freunden oder

Verwandten abgewiesen, obwohl man sich die gerade wünscht.

Diese anstrengende Phase führt aber auch dazu, dass man in ihr nach Klärung und

Orientierung sucht, nach seelischem Gleichgewicht und anhaltendem Frieden.

Das führt allmählich in stillere Fahrwasser. Die Auseinandersetzung mit dem ‚Schlimmen‘ ist

nun nicht mehr chaotisch. Das ‚Ereignis‘ wird in Träumen und/oder in Gesprächen, in

wiederholt durchlebten Situationen oder Gefühlen anhand von Bildern und Erinnerungen

abgearbeitet und dann als neue Lebenserfahrung für künftige Probleme abgespeichert.

Damit löst man sich von den aktuellen Bedrängnissen und wird wieder offener.

Gestorbene oder getrennte Partner bzw. Partnerinnen werden zu inneren Begleitern, mit

denen eine neue, andere Beziehung entsteht, mit denen man nun vertrauensvoll spricht und

sich berät. Die Zurückgebliebenen erkennen, dass Liebe nicht vergeht, dass es andere Formen

dafür gibt, dass sie auch in treuem Andenken zum Ausdruck kommt.

Und sie erkennen auch, dass der/die Gegangene immer noch das Beste für die Trauernden

möchte, nämlich dass sie aus der Krise lernen und darin reifen, dass sie wieder leben, erleben

und lieben und sich darin weiterentwickeln. Weiterleben erfordert Teilnahme am Leben!

Auch wenn das Leben weitergeht, wird man geliebte Menschen nicht vergessen. Die

erworbene neue freundschaftliche Verbindung ermöglicht ein Loslassen. Das Vergangene

schmerzt nicht mehr und beherrscht nicht mehr das Denken. Gereift wird der Verlust

akzeptiert. Das Leben geht wieder weiter. Langsam kehrt man zurück ins Leben und ist bereit,

neue Aufgaben anzunehmen, neue Beziehungen einzugehen, neue Verhaltensweisen zu

erproben und neue Lebensziele zu finden.

In dem Bewusstsein, dass jede Beziehung vergänglich ist, dass Leben auch Sterben einschließt,

dass Verlust zwar schwer zu ertragen, aber überwindbar ist und dass er Neues ermöglicht, wird

Weiterleben möglich, wird Hoffen wieder wach, wird erkannt, dass das Hier und Jetzt wichtig

ist und ausgekostet werden sollte. Carpe Diem, nutze den Tag.

Für Christen ist der Tod nur der Übergang aus dem weltlichen in das ewige Leben, in ein Leben

bei und mit Gott. In seinem Reich, sind wir wieder vereint mit denen, die von uns gegangen

sind. In diesem Reich ohne Mühsal und Schmerz, leben wir geborgen in Gottes Liebe.

Barmherzigkeit, Güte, Vergebung und Gnade sind uns zu eigen geworden. Wir glauben das

nicht nur, sondern wir sind uns dessen sicher, weil es bereits im Diesseits, im hiesigen Leben

begonnen hat.

Der Psalm 30 greift die Auseinandersetzung in einer Krise und die Rückkehr zum erneuerten

Leben auf. In den Versen 2 bis 13 heißt es in der NGÜ:

Ich will dich preisen, Herr, denn du hast mich aus einem tiefen Abgrund heraufgezogen und

meinen Feinden keinen Triumph über mich gegönnt. Herr, mein Gott, im Gebet schrie ich zu dir,

und du hast mich geheilt. Herr, du hast mich aus dem Totenreich zurückgeholt und mir das

Leben wieder neu geschenkt. Vor dem sicheren Tod hast du mich bewahrt. Singt und musiziert

für den Herrn, alle, die ihr ihm die Treue haltet! Preist ihn, den ihr als den heiligen Gott kennt.

Denn nur einen Augenblick dauert sein Zorn, aber ein Leben lang seine Güte. Noch am Abend

weinen wir – doch am Morgen kehrt wieder Jubel ein. Als es mir gut ging, war ich sorglos und

dachte: »Niemals werde ich zu Fall kommen!« Herr, du warst sehr gnädig zu mir. Du gabst mir

Schutz wie eine sichere Festung auf einem hohen Berg. Doch als du dich vor mir verbargst, da

war ich ohne jeden Halt. In meiner Not schrie ich zu dir, Herr, ich rief zu dir um Hilfe: »Willst du,

dass mein Leben zu Ende geht und dass man mich zu Grabe trägt? Welchen Wert hätte das für

dich? Kann ein zu Staub zerfallener Mensch dich preisen und deine Treue verkünden? Höre mich

doch, Herr, und sei mir gnädig! Herr, sei mein Helfer!« Ja, du hast mein Klagelied in einen

Reigentanz verwandelt! Den Trauermantel hast du mir ausgezogen und mich in ein Festgewand

gekleidet. So singe ich von ganzem Herzen zu deiner Ehre – nie werde ich schweigen. Herr, mein

Gott, für immer und ewig will ich dich preisen!

 

Und in Joh 16,4b-14 bereitet Jesus die Jünger schonend auf seinen bevorstehenden Tod und

deren anschließende Trauer vor. Er möchte, dass sie über das Reale hinausblicken, dass sie in

seinem Tod auch das nachfolgende Gute erkennen, dass sie dafür offenbleiben, darauf hoffen,

nicht verzagen und es annehmen. Da heißt es:

»Bisher habe ich nicht mit euch darüber gesprochen, weil ich ja bei euch war. Aber jetzt gehe

ich zu dem, der mich gesandt hat. Und keiner von euch fragt mich: ›Wohin gehst du?‹ Denn ihr

seid erfüllt von tiefer Traurigkeit über das, was ich euch sage. Doch glaubt mir: Es ist gut für

euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht von euch wegginge, käme der Helfer nicht zu

euch; wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.

Und wenn er kommt, wird er der Welt zeigen, dass sie im Unrecht ist; er wird den Menschen die

Augen öffnen für die Sünde, für die Gerechtigkeit und für das Gericht. Er wird ihnen zeigen,

worin ihre Sünde besteht: darin, dass sie nicht an mich glauben. Er wird ihnen zeigen, worin

sich ´Gottes` Gerechtigkeit erweist: darin, dass ich zum Vater gehe, wenn ´ich euch verlasse

und` ihr mich nicht mehr seht. Und was das Gericht betrifft, wird er ihnen zeigen, dass der

Herrscher dieser Welt verurteilt ist.

Ich hätte euch noch viel zu sagen, aber ihr wärt jetzt überfordert. Doch wenn der ´Helfer`

kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zum vollen Verständnis der Wahrheit führen.

Denn was er sagen wird, wird er nicht aus sich selbst heraus sagen; er wird das sagen, was er

hört. Und er wird euch die zukünftigen Dinge verkünden. Er wird meine Herrlichkeit offenbaren.

(NGÜ)