Was Gott aus Liebe fordert (nach Mi 6,8; NL)
Hallo Du,
mit welchen Recht kann Gott etwas von uns fordern? Er ist der Schöpfer
von allem. Alles ist sein. Er gibt, leiht oder überlässt etwas zeitweise und
nimmt es irgendwann wieder zurück. Er ist das mächtigste Wesen, das es
überhaupt gibt. Als höchste Instanz gibt er seinen Geschöpfen Gebote,
also Anordnungen, Vorschriften, Weisungen, Gesetze, und Befehle, um
sie zu schützen, um ihr Zusammenleben zu regeln und um ihnen das
Leben zu erleichtern.
Wir neigen dazu, diese Gebote nur als Angebote oder Hinweise zu
betrachten, weil wir uns (besonders als Erwachsene) nicht gerne in
unser Verhalten und in unsere Lebensführung reinreden lassen.
Doch das ist ein Fehler. Gott gibt seiner Schöpfung und seinen
Geschöpfen seinen Willen kund, für ihr Verhalten, für ihr Leben
und für ihre Rolle und Aufgabe darin. Er weiß, was für jedes
Lebewesen das Beste ist und wofür er es erschaffen hat.
Sein Wille entspricht seinem alles überragenden Wesen und
seinen einmaligen Eigenschaften. Ihn kennzeichnen: Leben
gebende Liebe, Gnade und Güte, Reinheit, Weisheit und
Wahrhaftigkeit, Unabhängigkeit, Unveränderlichkeit und
Vollkommenheit, Allmacht, Allgegenwart, Allwissenheit und
Ewigkeit und damit verbunden, Unendlichkeit, Unermesslichkeit
und Unbegreiflichkeit.
Er ist der und das alleinige Gute. Er alleine weiß, was war, was ist
und was wird, denn durch ihn geschieht alles.
Er verbindet die Ursachen mit den Auswirkungen, die Vergangenheit
mit der Zukunft, unsere Vergangenheit mit unserer Zukunft. Er formt
die Zukunft. Er rät oder bittet also nicht nur, sondern er fordert zu
Recht. Seine Liebe fordert uns zum Lieben auf, zu dem, was
niemandem schadet und jedem hilft, zu dem, was jede/r braucht.
Und weil unser Wahrnehmungs-, Erfahrungs- und Wissenshorizont
sehr beschränkt ist, brauchen wir seine helfende, unterstützende
und führende Zuwendung, seine Macht, Weisheit und Weitsicht,
die uns zuteilwerden durch Gottvertrauen und Glauben sowie
durch seinen Geist, durch sein biblisches Wort und das Vorbild
in Jesus Christus.
Was fordert Gott von uns?
Er fordert die strikte Einhaltung seiner Gebote und Gesetze!
Aber: Das war den Menschen damals nicht möglich und ist auch
uns heute nicht möglich, besonders dann, wenn wir sie nicht
oder nur teilweise kennen, wenn sie uns nicht bewusst sind
oder wir sie bewusst ablehnen oder, wenn wir sie aus eigener
Not bzw. Unfähigkeit nicht halten können. Wir sind als
Menschen nicht unfehlbar. Aber, wir können dazulernen.
Die zehn Gebote des Alten Testaments (2.Mose 20, 1-17) sind
Verhaltensregeln für das mitmenschliche Zusammensein. Das
erste Gebot ‚Ich bin der HERR, dein Gott … Du sollst keine
anderen Götter haben neben mir‘. Stellt klar, dass Menschen
eine zentrale Obrigkeit brauchen. Eine, die sich für die
Menschen einsetzt und liebt, die anzuerkennen ist und die
berechtigt ist, jedem und jeder von uns Vorschriften zu
machen, zum Wohl aller.
In 5.Mose 6,5; 3.Mose 19,18 und Lukas 10,27 werden die
zehn Gebote zu einer verkürzten Handlungsanweisung
zusammengefasst:
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem
Herzen, mit ganzer Hingabe, mit all deiner Kraft und mit
deinem ganzen Verstand. Und auch deinen Mitmenschen
sollst du so lieben wie dich selbst.« (HfA)
In Micha 6,8 finden wir eine verkürzte, ergänzende
Zusammenfassung (NL):
Es wurde dir, Mensch, [in der Thora, Heiligen Schrift, Bibel]
längst gesagt, was gut ist und wie Gott möchte, dass du
leben sollst. Er fordert von euch nichts anderes, als dass ihr
euch an sein Wort haltet, liebevoll und barmherzig
miteinander umgeht und demütig vor Gott euer Leben führt.
Es geht Gott um 3 zentrale Punkte:
1. Sein Wort einzuhalten.
2. Liebevoll und barmherzig miteinander umzugehen.
3. Demütig vor Gott sein Leben zu führen.
- Um Gottes Wort einhalten zu können, muss man es gut kennen und verinnerlicht
haben. Man muss es ‚gegessen‘ haben, aufgenommen, durchgekaut, geschluckt und
verdaut haben, es also gehört, gelesen, verstanden und sich gemerkt haben, damit
dessen Nahrungsteile, also Inhalt, Bedeutung und Geist, im Körper, also im Gehirn,
im Herzen, in jeder Faser des Seins, aufgenommen werden, damit es das eigene
Wesen befruchtet, verändert und erweitert.
- Um liebevoll und barmherzig miteinander umzugehen, muss man das zunächst
für gut, richtig und sinnvoll halten und dann intensiv einüben, also die Vorteile dieses
Verhaltens erkennen und immer wieder anwenden. Oft ist es so, dass man
zurückbekommt, was man gibt.
- Um sein Leben vor Gott demütig zu führen, muss man auch bereit sein, sich
von ihm etwas sagen zu lassen. Das beinhaltet auch, seine Größe, Weisheit und Güte
anzuerkennen, das eigene, übergroßes Ego auch vor Mitmenschen zu zügeln und
den unbändigen, freien Willen Gott gegenüber vertrauensvoll aufzugeben.
Wie kann das geschehen?
Je mehr wir uns mit einem Text oder einer Sache bzw. einer Person beschäftigen, sie gut
und interessant finden und bewundern, sie vielleicht sogar mögen oder lieben und
Gedanken, Kraft und Zeit in sie investieren, desto mehr übernehmen wir Inhalte davon
bzw. desto ähnlicher werden wir ihr!
Das ist wie bei einem alten Ehepaar, das sich im Laufe der vielen gemeinsamen Jahre sehr
gut kennengelernt hat, sich gegenseitig geschätzt hat, aufeinander eingegangen ist und
die jeweils guten Seiten des/der Anderen nach und nach übernommen hat. Sie haben sich
einander angepasst. Sie sind in Vielem eins geworden.
In Bezug auf Gott geht das auch schneller, denn er hat uns einen starken Helfer geschenkt,
seinen Heiligen Geist, der diese Angleichung an sein Wesen bewirkt.
Die Früchte und Kennzeichen von Gottes Geist sind Liebe, Freude, Frieden, Geduld,
Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung. Sie wachsen und
gedeihen in uns in gemeinsam verbrachter Zeit mit Gott/Jesus und durch gute Erfahrung.
Dadurch werden wir Jesus immer ähnlicher, ihm wesensgleich. Auch wir werden ruhig,
menschennah, vergebungsbereit, liebevoll und einfühlsam, demütig, entschlossen und
vorbildhaft.
Fazit
Indem der Mensch die Gebote, die Forderungen Gottes, als gut und richtig und wertvoll
akzeptiert, erkennt er ihren Wert und auch Gott und sein Wesen an, und damit auch
seine lebengebenden Eigenschaften.
Er erkennt sie als Vorzüge, die ihn auszeichnen und für andere angenehm machen.
Er versteht sie als wohlwollende Einladung Gottes, es ihm gleichzutun.
Er sieht sie als die offenen und wartenden Arme seiner Liebe. Und er versteht, dass
nicht sein eigener Wille, nicht sein Wissen und Können, sein Wohlstand, sein
Durchsetzungsvermögen, seine Cleverness, sein Erfolg oder sein Rang ihn wertvoll
machen, sondern nur seine innige Gottbezogenheit und seine gelebte, liebevolle
Mitmenschlichkeit.
*Siehe dazu auch den Beitrag: Was Gott gefällt (Röm 12,2)

