Irgendetwas stimmt nicht
In der Stille finde ich Abstand zu mir selbst.
Ich betrachte mich und meine Situation.
Dabei werde ich neutral, unparteiisch und unvoreingenommen,
offen für Erkenntnis, bereit zum Schauen und zu lernen.
Meine Unruhe kommt aus einer Lüge.
Ich bin nicht stark.
Ich kompensiere meine Schwäche durch Überstärke.
Ich verstecke dahinter meine Hilflosigkeit und Ohnmacht,
meine Ängste vor Isolation und Verlassen sein.
Ich belüge mich selbst, unbewusst.
Allen mache ich etwas vor, selbst mir.
Ich möchte es glauben und glaube es.
Im Betrachten erkenne ich, dass Überstärke Überschwäche ist.
Es ist traurig, erbärmlich. Niemand lacht.
Weshalb kann ich nicht einfach schwach sein,
so schwach wie alle anderen auch,
meine Hilflosigkeit akzeptieren,
und mich ganz der fürsorgenden Liebe und Gnade Gottes hingeben,
um mich von ihm füllen zu lassen?
In den Momenten der Schwäche brauche ich Halt,
Verständnis, Geborgenheit, Nähe und Schutz,
keine Vorwürfe, Moralpredigten oder Besserwissereinen von anderen.
Auch keine gemeinsame Reflektion mit anderen.
Ich brauche nur schweigende Stille, innere Ruhe, Nähe zu dir, mein Gott,
damit du mich wieder stark machen kannst.
Bei dir bin ich liebevoll angenommen.
Du lässt mir Zeit zur inneren Klärung.
Der Nebel der Unruhe legt sich und es kommt Erkenntnis.
Du lässt mich sehen, was bei mir nicht stimmt.
Als Mensch möchte ich mich gegen andere behaupten und nicht schwach sein,
doch du zeigst mir, dass Gemeinschaft besonders dann gelingt,
wenn ich mich zu meiner Schwäche bekenne und bereit bin, Hilfe anzunehmen.
Nur wenn ich schwach bin, bin ich ehrlich und nicht selbstherrlich.
Nur wenn ich schwach bin, erkenne ich, dass ich Liebe brauche, obwohl ich sie gebe,
dass ich Zeit und Ruhe brauche, die andere mir aus selbstbezogenen Gründen
nicht geben oder lassen wollen.
Nur wenn ich schwach bin, bin ich bereit, dich an mir tun zu lassen.
Nur im Bekennen meiner Schwäche erkenne ich deine Stärke.
Nur im Bekennen meiner Schwäche bin ich zur Umkehr bereit.
Ich werde genügsam und strecke mich aus nach dem,
was du für mich vorgesehen hast,
was du mir mitgegeben und um mich gelegt hast.
In meiner ohnmächtigen Schwäche erkenne ich deine Güte,
die Güte anderer und mein Versagen.
In meiner ohnmächtigen Schwäche führst du mich zu Demut und zu den Stärken,
die du in mich gelegt hast, um damit mutig dir zu dienen.
In meiner ohnmächtigen Schwäche höre ich dich rufen:
„Ich berge dich in meinen Armen, solange du es brauchst.
Ich weide dich auf grünen Auen und führe dich zu stillen wassern.
Ich erquicke deine Seele und bin bei dir.“
Solange ich nach deinen Willen lebe und in deinem Geist wirke,
werden deine Güte und Gnade mich begleiten.
Nur so kann ich gesunden.
Nur so werde ich geduldig und verständnisvoll.
Nur so muss ich mich nicht mehr behaupten.
Nur so werden meine Schwächen zum Segen für andere.
Herr, du bist mein Hirte. Mit dir wird mir nicht mangeln.

