Eschborn, den 18.11.2017
Wie kann ich gestärkt aus Katastrophen gehen? (Mt 24,45-47)
Was ist eine Katastrophe?
Dass das Essen angebrannt ist? Dass das Knie schmerzt?
Dass man immer mehr vergisst? Dass man nicht weiterweiß?
Nein, das sind keine Katastrophen.
Eine Katastrophe ist normalerweise ein unerwartet eintretendes, verhängnisvolles
Geschehen, das viele Menschen gleichzeitig betrifft. Wenn sie uns selbst trifft,
empfinden wir das als katastrophal, als ein einschneidendes Erlebnis, als schlimm
und mit unheilvollen Folgen verbunden, als ein Ereignis mit entsetzlichen,
fürchterlichen und schrecklichen Auswirkungen. Manche sehen darin auch einen
bewussten Schicksalsschlag einer höheren Macht.
Katastrophen sind wie furchtbare Hurrikane in unserem Leben, in denen wir stark
gebeutelt werden, uns als ohnmächtig erkennen und unser Weiterleben als
aussichtslos sehen. Katastrophen sind Tiefpunkte, auf die wir gerne verzichten
würden.
Naturkatastrophen, wie verheerende Stürme, Erdbeben, Vulkanausbrüche,
Flutwellen oder Überschwemmung mit Verlust von Haus und Hof und Gefährdung
des eigenen Lebens habe ich, Gott sei Dank, noch nicht erlebt, aber doch schon so
manch andere, kleinere Katastrophen wie Unwetter oder Schwierigkeiten, die
ausweglos erschienen. Z.B.:
- Aus Unwissenheit habe ich Fehler gemacht und falsche Ziele verfolgt.
- Kindheitserlebnisse haben mich zu falschem Denken und Handeln geführt.
- Überhöhte Ansprüche hatten falschen Entscheidungen zur Folge.
- Eine schmerzhafte und quälende Krankheit hat mich viele Jahre gebeutelt.
- Immer wieder sind geliebte Menschen gestorben.
- Manche habe ich aus den Augen verloren, weil sie in Neid, Gier, Ehrgeiz oder
überstarken Selbstbezug abgeglitten sind, andere in anhaltenden Hochmut, in
Stolz und Besserwisserei, oder auch in Sucht und zersetzendes Selbstmitleid.
Andere sind aus eigener oder fremder Unaufmerksamkeit oder Bequemlichkeit in
fatale Situationen geraten, auch durch Intrigen und Raffinesse. Sie haben dabei
die Arbeitsstelle, die Familie und Freunde, ihren guten Ruf und ihr Vermögen
auch ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude verloren. - Meine schlimmste Katastrophe war, dass ich mich irgendwann selbst verloren
hatte, ohne es zu bemerken.
Es gibt wohl keine Erwachsenen, die nicht Ähnliches erlebt haben.
Aus meinen Katastrophenerfahrungen habe ich gelernt:
Es kommt nicht darauf an, welcher Katastrophe wir ausgesetzt sind, sondern viel
mehr darauf, wie wir uns darin verhalten und was wir aus ihr lernen.
Katastrophen sind schmerzhafte Wendemöglichkeiten. Sie sind markante
Wegkreuze, die zur Umkehr mahnen.
In meinem Leben habe ich vier Möglichkeiten zu deren Überwindung gefunden:
- Ich haderte mit meinem Schicksal und bin dabei immer tiefer ins Lamentieren
gefallen, in bejammerndes Selbstmitleid, in Ausweglosigkeit und Selbstaufgabe.
Das Leben mied mich. Das lasse ich nicht mehr zu! Das schadet nur!
- Ich ließ das Geschehen nicht an mich heran, verdrängte und überspielte es, setzte
mich damit nicht auseinander, lief davon und malte mir mein Leben schön. Weil sich
die Realität nicht änderte, lebte ich dauerhaft in einem eingebildeten, trügerischen
Luftschloss am Leben vorbei. Ich träumte von einer prächtigen Kutsche, die mich ins
Leben zurückbringen würde, die aber nie kam. Das lasse ich nicht mehr zu!
- Ich hinterfragte das Geschehen. Ich machte Inventur, durchstand sie und hake die
Vergangenheit ab. Ich stand wieder auf und begann neu. Immer wieder.
Doch diese drei Einsichten führten nicht dauerhaft zu Entlastung, Wohlbefinden und
innerem Frieden. Die Dritte, war noch die Beste.
Ich lernte: Wenn ich beim Neubeginn nur auf mich selbst baue, bin ich bald wieder in
Schwierigkeiten.
Das führt mich zur 4. Möglichkeit. Dazu ein persönliches Erlebnis:
Kurz vor meiner Umkehr zu Gott, in einer dieser schmerzlichen Lebenskatastrophen,
hatte ich eine kurze Vision, einen hellen Moment der Erkenntnis.
Ganz plötzlich erfasste ich meine üble Lage glasklar und sah meine traurige Zukunft.
Mir wurde deutlich, was ich zu verändert hatte, um nicht endgültig unterzugehen.
Geführt von einer unsichtbaren Kraft, handelte ich entschieden und entschlossen.
Diese unübliche Methode skizziere ich in 3 Punkten:
- Wo stehe ich?
- Ich höre in mich, besinne und hinterfrage mich und meine Situation.
- Ich mache Inventur und bedenke, was mir geblieben ist.
- Ich ergründe, was mir innerlich fehlt und was mich glücklich machen würde.
- Nun mit Gott
- Ich unterstelle mich und mein Leben ganz Gott.
- Ich bete und durchstehe jede Situation mit Gottes Hilfe und Unterstützung.
- Mit Jesus überwinde ich alte Bindungen und Abhängigkeiten.
- Mit ihm stehe ich aus dem Elend auf und beginne neu. Angeleitet durch sein Wort,
geführt von seinem Geist, gehalten in seiner Liebe und ermutigt durch seine
Vergebung.
- In Gottvertrauen
- Demütig suche ich das Wollen Gottes und richte ich mich danach.
- Ich freue mich über mein neues Leben und bin dankbar für jede neue Chance.
- Ich lasse mich im Denken, Fühlen, Verhalten und Tun von Jesus erneuern, um
Gott mit meinen Gaben liebevoll dienen zu können.
Bei dieser 4. Möglichkeit habe ich durch Gottvertrauen in allen Nöten einen festen
Halt gefunden und habe gelernt, all das an Gott abzugeben, was mich überfordert.
In den Tiefen hatte ich mir gewünscht, mein Leben möge doch nur aus Höhen
bestehen. Aber: Jedes Leben beinhaltet Beides. Das muss so sein, denn:
- Ohne Tiefen gäbe es kein Besinnen und kein Reifen, ohne Höhen keine Freude
und keine Ermutigung und kein Danken. - Nur Tiefen, das würde uns zerstören. Nur Höhen, das würde uns überheblich
machen. - Die individuelle Mischung machts. Sie zeigt uns unsere Ohnmacht und
Hilfsbedürftigkeit, unsere Abhängigkeit vom Schöpfer und seine gebende Liebe.
Gott sei Dank für diese Weisheit, für seine Gnade, für jede prüfende Fügung
und für sein lehrendes und erhellendes Wort in der Bibel.
In Mt 24,45-47 gibt Jesus uns in einem Beispiel einen Hinweis, wie wir gestärkt aus
Katastrophen gehen werden:
Woran erkennt man denn einen treuen und klugen Diener? Angenommen, ein Herr
hat einem seiner Diener die Verantwortung übertragen, der ganzen Dienerschaft
(Gemeinde) zur gegebenen Zeit das Essen (seine Worte) auszuteilen.
Wenn nun sein Herr kommt und ihn bei der Arbeit findet – wie glücklich ist da der
Diener zu preisen! Ich sage euch: Der Herr wird ihm die Verantwortung für seinen
ganzen Besitz übertragen.
Anfangsgebet
Barmherziger Vater und Schöpfer,
wir fürchten uns vor Katastrophen,
die unser Leben gefährden und die die Lebensfreude trüben,
die uns verunsichern und uns aus dem Gleichgewicht bringen,
die uns die Hoffnung rauben und an dir zweifeln lassen.
Und Herr, ich habe die leise Ahnung, dass du gerade das bezweckst,
damit wir geläutert und gestärkt aus ihnen hervorgehen,
mit deiner Unterstützung.
Herr, in allem brauchen wir dich,
deine Liebe und Führung,
deine Hilfe und Unterstützung,
deine Vergebung und deine Kraft,
deinen Segen.
Herr, du tust uns kund den Weg zum Leben
mit deinem Wort und deinem Sohn.
Erinnre uns immer wieder daran!
In den Psalmen lesen wir:
Vor dir ist Freude die Fülle
und Wonne zu deiner Rechten ewiglich. (Ps 16,11)
Das gefällt uns und darauf hoffen wir.
Fülle uns frühe mit deiner Gnade,
so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang. (Ps 90,14)
Herr,
gebe uns auch in Katastrophen in dir Halt
und lasse uns erkennen, wozu sie dienen können,
z.B. ob unsere Treue und unser Vertrauen in dich, echt sind.
Herr, segne unser Bitten.
Amen.
Fürbittgebet
Barmherziger Jesus,
wir wünschen uns ein Leben in Glück und Fülle,
ein erfülltes und zufriedenes Leben,
und vergessen dabei,
dass es im Leben keine Freiheit von Leid gibt,
dass Freude und Leid zusammengehören.
Herr, helfe uns,
im Einklang mit unserem Gewissen zu leben,
im Einklang mit deinem Wort zu leben
und damit auch mit dir, unserem himmlischen Vater.
Sei du der gute Hirte für alle,
die in ihren Katastrophen blind sind,
nicht mehr ein und aus wissen,
Orientierung und Führung suchen
und ohne Hilfe untergehen würden.
Wir bauen auf dein Erbarmen und deine Liebe.
Wir vertrauen auf dein Eingreifen.
Wir hoffen auf Rettung aus unseren Nöten.
Deine Liebe umhülle uns.
Deine Güte und Gnade stärke uns.
Deine Geduld und Treu ermutige uns.
Dein Geist leite uns.
Herr,
führe uns zurück zu Freude und Frieden.
Lehre uns, in allem auf dich zu schauen,
uns nie von dir abzuwenden,
immer auf deine Worte zu hören.
Helfe uns,
anderen in ihren Katastrophenliebevoll beizustehen
damit auch sie deinen Frieden finden.
Amen.

