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Multitasking (Pred 3,1)

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Buch: Der Du in mir

 

Haben Sie auch Interesse an

meinem Buch?

 

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes

Tempel seid und der Geist

Gottes in euch wohnt?

(1.Kor 3,16)

In einem abenteuerlichen

Traum erkunde ich mein

Inneres auf der Suche nach

Gott und finde ihn tief in mir.


Der DU in mir

Laudatio Verlag,

Frankfurt am Main

ISBN 9783946590798



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Multitasking  (Pred 3,1)

 

Alles hat seine bestimmte Stunde, und jedes Vorhaben (Tun) unter dem Himmel hat (braucht)

seine (zugemessene) Zeit. (Pred 3,1)

 

Hallo Du,

es gibt Menschen, die haben so viel zu tun, dass ihre Zeit nicht reicht, alles zu erledigen. Einige lassen

sich helfen, reduzieren ihren Einsatz oder entziehen sich überfordernden Ansprüchen. Einige werden

durch die Arbeitsmenge krank (z.B. Burnout). Einige finden heraus, dass sie schwierige Probleme auch

im Schlaf lösen können. Einige entdecken in sich die Fähigkeit zum Multitasking, mehrere Tätigkeiten

gleichzeitig zu tun, z.B. Telefonieren und Autofahren oder Radio, Arbeit am Laptop, Telefonieren, Hausarbeit

und Kinderbetreuung.

 

Multitasker/innen sind oft stolz auf ihr Können, darauf, ihre Leistungsfähigkeit und Effektivität auf diese Weise

zu steigern und nun mehr zu erledigen, als ihnen vorher möglich war.

 

Multi hört sich in der heutigen Zeit mit ihrer Informationsflut und Angebotsvielfalt auch gut an und bedeutet viel,

viele, vieles. Wir wollen viel und vieles möglichst bald, am besten alles gleich.

 

Diese Vorsilbe findet sich z.B. auch in 'multifunktional' (viele Funktionen erfüllend), in multibel bzw. multiplex

(vielfältig) oder in multiplizieren (vervielfachen, zunehmen lassen, vermehren).

 

Task aus dem Englischen übersetzt, ist die ‚Aufgabe‘, die ‚aufgegebene Arbeit‘, das ‚Tagewerk‘ oder das

Geschäft‘ oder bedeutet als Verb ‚beschäftigen, in Anspruch nehmen‘.

 

Multitasker und Multitaskerinnen haben für sich kreativ eine neue Arbeitsform entdeckt.

Sie beschäftigen sich mit vielem, nehmen sich viel vor und wollen viel erledigen. Vieles gleichzeitig zu tun,

hilft ihnen (vorübergehend), ihre Leistung zu vervielfachen, ihren Erfolg zu vermehren sowie ihre Arbeitszeit

zu optimieren. Sie packen viel in ihr Tagewerk und nehmen dabei ihre Kräfte stark in Anspruch. Viele haben

das euphorische Gefühl, mehr zu können als andere, mehr zu erledigen und erfolgreicher zu sein. Ihre neu

entdeckte Fähigkeit führt aber auch dazu, dass sie sich immer mehr Aufgaben aufladen.

 

Tatsächlich aber ist echtes Multitasking, also gleichzeitiges, paralleles Tun, nur möglich, wenn man eine der

Tätigkeiten so gut beherrscht, dass man dabei nicht mehr nachdenken muss.

Beispielsweise Essen und Lesen, Gitarre spielen und singen oder Spazieren gehen und die Landschaft betrachten.

Werden die Tätigkeiten komplexer, schaltet/switcht das Gehirn sehr schnell zwischen ihnen hin und her. Das heißt,

die Aufmerksamkeit wird kurzzeitig von dem einen weggenommen und auf das andere gerichtet. Das heißt auch,

dass man in diesen Momenten in einem Bereich nichts mitbekommt, Lücken hat, die das Verständnis beeinträchtigen.

 

Diese bisher eher ungewöhnliche Arbeitsform des Multitasking hat Vorteile und Nachteile.

Der Vorteil ist, dass man sofort auf Dinge eingeht. Der Nachteil ist, dass man sie aus Zeitmangel oft nicht abschließend

bearbeiten kann.

 

Multitasker/innen beginnen viele Aufgaben, um sie später, wenn sie mal mehr Zeit haben, zu erledigen. Diese Arbeitsform

hat drei Schwächen:

1. Wann hat man mal mehr Zeit? Meist nur in Überstunden oder am Feierabend.

2. Das Gehirn kann Unerledigtes nicht einfach ablegen oder vergessen. Es erinnert uns immer wieder daran, dass da

    und da und da noch etwas zu tun ist.

3. Nach und nach entsteht ein Erledigungsstau, begleitet von quälenden Erinnerungen an all das noch Unerledigte.

    Das ist bedrückend, demoralisierend, stressig und nervend. Das ist beängstigend, es verunsichert und signalisiert

    Unfähigkeit.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Effizienz von Multitasking deutlich schlechter ist als bei nacheinander

erfolgender Erledigung. Der ständige Wechsel zwischen den Aufgaben führt zur Vermischung und bewirkt ein gedankliches

Durcheinander. Außerdem erfordert er ein kraftaufwendiges, immer wieder neues Eindenken in die Einzelbereiche. Das führt

zu schneller Ermüdung, zu eingeschränkter Aufmerksamkeit, zu vermehrten Fehlern, zu verstärktem Stress und zunehmender

Vergesslichkeit. Multitasking erfordert eine höhere Konzentration und einen größeren Kraftaufwand. Dauerhaftes Multitasking

ist frustrierend, enttäuschend und demotivierend. Es führt zu Unerfülltheit, Freudlosigkeit und Überforderung.

 

Autofahren und Telefonieren oder an einer Besprechung teilnehmen und dabei Zeitung lesen oder Fernsehen und gleichzeitig

mit den Kindern spielen, passen eben nicht zusammen.

 

Wir können uns nur auf eins wirklich konzentrieren und es genießen. Wenn ich bei der Beschäftigung mit dem einen schon

gedanklich beim Nächsten bin, ist das oberflächlich und ich bin nur halbherzig dabei. Dann kann man sich nicht mehr an

Details erinnern, ist sich im Gesamtverständnis unsicher und verliert die befriedigende Tiefenerfahrung.

 

Dazu habe ich ein Experiment gemacht. Gerne höre ich beim Frühstücken Radio. Nun beobachte

ich mich dabei:

1. Ich bekomme beides mit, aber ich schmecke die Feinheiten der Speise nicht und das Gesprochene bekomme ich nur mit,

    wenn es mich gerade interessiert und ich bewusst hinhöre, ansonsten bleibt es nur Hintergrundgeplätscher.

2. Nun konzentriere ich mich ganz aufs Frühstück. Ich bemerke die köstlichen Geschmacksnuancen des Brotes, unterstützt und

    verstärkt durch die Butter und abgerundet durch den Honig. Dazu die erfrischende Kühle und den Eigengeschmack der Milch.

    In der Achtsamkeit kann ich das alles genießen und dafür dankbar sein. Sich dafür Zeit zu nehmen ist nicht selbstverständlich

    und ich bemerke, was mir beim Nebenbei essen entgangen ist.

 3. Nun konzentriere ich mich ganz aufs Radio, auf das gerade laufende Lied, auf dessen ruhige Melodie und seinen

    wunderschönen, ermutigenden Text und bemerke, dass der mir etwas sagen möchte, was ich bisher beim Nebenbei hören

    nicht so richtig wahrnehmen konnte. Klar, die Melodie kenne ich schon lange und wenn ich mal nicht so genau hinhöre, ertönt

    sie in mir weiter, aber den Text habe ich bisher nur oberflächlich und halbherzig mitgenommen, noch nie so deutlich und

    ergreifend wahrgenommen.

 

Das Ergebnis dieses Selbstversuches ist eindeutig: Halbherzigkeit entwürdigt die Bedeutung meines Tuns, mich selbst und

auch die von mir investierten Kraft. Jede Aufgabe, jede Tätigkeit, jedes Tun, hat ein Anrecht auf volle Konzentration, auf ganze

Hingabe und uneingeschränkte Aufmerksamkeit, darauf, dass ich mir Zeit dafür nehme und es bewusst tue. Nur das gibt dem

Tun Sinn, Erfüllung, Befriedigung und Bedeutung. Nur das ist ermutigend, stärkend und förderlich. Nur das taucht in die Tiefe

und lässt dankbar genießen.

 

Multitasking sollte ursprünglich die Effizienz und Produktivität steigern und tat es anfänglich auch.

Längerfristig führt parallele Beschäftigung mit mehreren Aufgaben jedoch zu deutlichem Konzentrations- und Leistungsverlust,

ja sogar zu Erkrankung.

In Tests stellte sich heraus, dass Telefonieren beim Autofahren die Leistungsfähigkeit um über 40 Prozent absenkt, den

Stresspegel erhöht und die Fehlerquote auf die eines betrunkenen Fahrers ansteigt, der 0,8 Promille im Blut hat. Eine Studie

fand heraus, dass beim Multitasking die Gedächtnisleistung teilweise auf die von achtjährigen Kindern absinkt.

Geteilte Aufmerksamkeit ist keine Aufmerksamkeit. Sie erzeugt ein schlechtes Gewissen, verspannt die Muskulatur, nimmt die

Gelassenheit und macht unproduktiv und unzufrieden.

Dauerhaftes Multitasking ist ausbeuterisch und vergiftend, ist selbstverletzend und inhuman, ist unwürdig und wider die

menschliche Natur. Es verunsichert und nimmt die Freude am Tun.

Kurzzeitig kann es hilfreich, nützlich und entlastend sein, langfristig aber hat es fatale Auswirkungen.

 

Der Bibeltext in Prediger 3, 1- 13 erinnert uns daran, dass alles seine eigene Zeit und Bedeutung hat und braucht.

Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit: Geboren werden und Sterben, Pflanzen und Ausreißen, Töten und Heilen,

Niederreißen und Aufbauen, Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen, Steine werfen und Steine sammeln, Umarmen und

Loslassen, Suchen und Finden, Aufbewahren und Wegwerfen, Zerreißen und Zusammennähen, Reden und Schweigen,

Lieben und Hassen, Krieg und Frieden.

Was also hat der Mensch davon, dass er sich abmüht? Ich habe erkannt: Gott legt ihm diese Last auf, damit er schwer daran

zu tragen hat. Für alles auf der Welt hat Gott schon vorher die rechte Zeit bestimmt. In das Herz des Menschen hat er den

Wunsch gelegt, nach dem zu fragen, was ewig ist. Aber der Mensch kann Gottes Werke nie voll und ganz begreifen.

So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als sich zu freuen und das Leben zu genießen.

Wenn er zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann, ist das allein Gottes Geschenk.

 

 

Die folgende Geschichte bringt das Falsche am Multitasking auf den Punkt:

„Ein Rabbi wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so gelassen sein könne. Er antwortete:

Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich esse, dann esse ich;

wenn ich spreche, dann spreche ich… Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort. Das tun wir auch, aber was machst du noch

darüber hinaus?

Er sagte wiederum: Wenn ich stehe, dann stehe ich; wenn ich gehe, dann gehe ich; wenn ich sitze, dann sitze ich; wenn ich

esse, dann esse ich; wenn ich spreche, dann spreche ich ... Wieder sagten die Leute: Das tun wir doch auch. Er aber sagte

zu ihnen: Nein, wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon; wenn ihr steht, dann lauft ihr schon; wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel.“

Ich habe noch niemanden getroffen, der mit gesagt hat, dass Multitasking ihm einen Zeitgewinn schenkt, dass es ihm die

Möglichkeit gibt, sein Leben zu genießen. Ganz im Gegenteil, die meisten sind davon gestresst und mit ihrem Leben unzufrieden.

Ich rate zu Entschleunigung und Hingabebereitschaft. Vieles ist tatsächlich nicht so wichtig wie es erscheint oder von anderen

gemacht wird. Stehen wir doch zu unserer zeitlichen Beschränktheit und auch dazu, dass wir nicht alles schaffen, was wir oder

andere uns auferlegen.

Ein Psychotherapeut hat mir einmal gesagt: „Der Tag hat 24 Stunden, 8 zum Schlafen, 8 zum Arbeiten und 8 zum Entspannen

in der Natur, in der Familie, mit Freunden oder im Hobby.“

 

Es gibt für den Menschen nichts Besseres, als sich zu freuen und das Leben zu genießen!

Genießen und Glücklich sein kann aber nur, wer sich Zeit für etwas nimmt, wer sich auf etwas einlässt, es mit allen Sinnen

wahrnimmt, die Schönheit darin erkennt, sich dem ganz hingibt, es sein und geschehen lässt, es in sich aufnimmt, es auf

sich wirken lässt, sich darin wohlfühlt und darin zufrieden und geborgen ist.

 

So will ich denn beten für alle Betroffenen:

 

Barmherziger Vater im Himmel,

wir könnten es im Leben leicht haben,

aber wir machen es uns selbst schwer.

Wir verkomplizieren es, verlangen zu viel von uns,

wollen alles richtig machen oder den Ansprüchen anderer genügen.

Wir nehmen vieles zu ernst und lassen uns zu leicht von außen bestimmen.

 

Manche stürzen sich in die Arbeit,

um abgelenkt zu sein,

um zu verdrängen oder zu vergessen,

um wichtig oder unentbehrlich zu sein.

 

Wir versagen uns Schönes und Gutes,

Erfrischendes und Wohltuendes,

Pause, Erholung und Besinnung,

die Gemeinschaft mit dir, Herr.

 

Allzu oft sind wir gefangen in selbstauferlegten Aufgaben und Pflichten,

in eigenen Vorstellungen, Erwartungen, Ansprüchen und Zielen.

Die aber machen uns unzufrieden, ärgerlich, ungeduldig oder gar verbittert.

Wir sind zu kritisch mit unserem Aussehen, unserem Denken, Fühlen oder Tun

und geraten dabei leicht in den Sog der Sünde und meiden dich.

 

Wir nehmen uns keine Zeit für dich, für dein Wort und für unser Gebet.

Wir vergessen, dass wir als Erwachsene auch noch Kinder sind,

Lernende, immer auf deine Unterstützung und Gnade angewiesen.

 

Herr, wir bitten dich,

heile in Körper, Seele und Geist.

Lasse uns wieder sein wie Kinder,

natürlich, spontan und vertrauensvoll,

offen, aufmerksam und verspielt,

lernwillig, gehorsam und dankbar,

staunend, phantasievoll und kreativ,

hingebungsbereit ins Tun.

 

Mache uns zu deinen Kindern,

zu Kindern, die dich brauchen, die dich bitten, die auf dich bauen,

die sich auf deine Fügungen einlassen, sie akzeptieren und nutzen,

zu Kindern, denen dein Wille Orientierung und Richtung gibt,

die sich an deinen Gaben erfreuen und darin aufgehen,

die das Schöne, Wahre und Gute, dich und dein Geben genießen.

 

Herr, dies bitten wir im Namen Jesu,

für Bedürftige, für Geschäftige, Beflissene und Pflichtbewusste,

für Ernste und Humorlose,

für Verantwortungsbewusste und für Perfektionisten,

für Workaholics, Beladene und Überforderte.

 

Dies bitten wir für Menschen in Regierungen und Verwaltungen,

für Vorgesetzte und für Arbeitskolleginnen und -kollegen,

für Pfarrerinnen, Pfarrer und geistige Leiter,

für Lehrerinnen und Lehrer, für Eltern, Großeltern und Erzieher,

für Fremde, Bekannte, Nachbarn und Freunde,

ja selbst für unsere Feinde -

und ganz besonders für uns selbst.

 

Herr, dein Wille geschehe in unserem Leben,

damit wir uns daran erfreuen und es in vollen Zügen genießen.

Die Gemeinschaft mit dir gibt uns die Freiheit dazu.

 

Amen.