Der Mutsprung (Ps 57,8)
Gott, jetzt habe ich neuen Mut gefasst, voller Vertrauen blicke ich in die Zukunft.
Darum will ich singen und dir danken, Herr. (Ps 57,8)
Hallo Du,
heute ist ein besonderer Tag! Eine Last ist von mir abgefallen. Es ist fast vollbracht.
Ich habe nach langer Zeit mal wieder gut durchgeschlafen.
Zur Feier des Tages schreibe ich euch, was geschehen ist.
Ich beginne mit einer alten, eindrücklichen Vertrauenserfahrung.
Während des Studiums zum Lehrer für Physik und Sport mussten viele kleine und
größere, äußere und innere Hindernisse übersprungen werden. Eine der großen
Herausforderungen war der Mutsprung. Zur Sportausbildung gehörte auch eine
praktische Ausbildung im Wasserspringen. Eine Disziplin, mit der ich nach einem
misslungenen Köpper (Kopfsprung) vom Einer im Freibad, eigentlich nichts
mehr zu tun haben wollte.
Als Erstsprung verlangte unser Ausbilder den Abfaller vorwärts vom 5m-Turm. Und seine knappe
Handlungsanweisung dazu war: „Stellt euch ganz vorne hin, streckt die Arme über den Kopf, macht
euch ganz steif und lasst euch fallen!“ Und als Motivation fügte er dazu: „Ohne den Sprung, könnt
ihr kein Examen machen.“
‚Mutig‘ stellte ich mich ganz hinten an und da war ich unter anderen Angsthasen nicht alleine.
Ganz hinten, da hat man Zeit, zuzusehen wie die anderen die Aufgabe lösen und von ihnen zu
lernen aber auch, um zu sehen, ob das wirklich gutgeht aber auch, um eigene Zweifel zu nähren
und einen Rückzieher zu machen. Das aber hieße, das Sportstudium aufgeben zu müssen.
Es schien, ganz leicht zu sein. Die ersten Springer kamen prustend, cool und stolz wie Oskar aus
dem Wasser. Einer, den ich nach dem Trick dabei fragte, sagte in seiner Euphorie freundlich:
„Einfach fallen lassen!“ Das aber konnte meine Angst nicht besänftigen.
Irgendwann war ich an der Reihe. Ich kletterte den Turm hoch und wunderte mich, wie hoooch das
da oben ist. Dann ging ich vorsichtig nach vorne zur Kante. In mir tobte es. Eine Stimme schrie:
„Nein! Geh zurück! Das ist zu gefährlich. Du kannst dir das Genick brechen.“ Und eine leise
flüsterte: „Du musst! Egal, was passiert! Blamier dich nicht.“ Und eine Dritte sagte: „ Die anderen
haben es auch geschafft. Es ist nichts passiert. Mach‘s einfach!“
Ich musste mich schnell entscheiden. Ich entschied mich fürs nicht umdrehen, nicht zurück gehen,
nicht wieder runter klettern, für‘s ‚Nicht aufgeben‘.
Ich machte einfach, was der Ausbilder sagte: „Stellt euch ganz vorne hin, streckt die Arme über den
Kopf, macht euch ganz steif und lasst euch fallen!“
Als ich beim ‚Macht euch ganz steif‘ war, musste ich lächeln. Ich war schon aus Angst ganz steif.
Und dann fiel ich. Es kam mir lange vor. Irgendwann fühlte ich das Wasser um mich herum und
wunderte mich, dass ich noch lebe. Auch ich hatte einen Schutzengel. Beim Schwimmen zur Leiter
stellte ich fest, dass alles heil geblieben war. Prustend, cool, dankbar und stolz wie Oskar stieg ich
aus dem Wasser.
Dieser Mutsprung hat meine Angst besiegt und mir Mut gegeben für viele gewagte Kunstsprünge
vorwärts oder rückwärts vom Ein- und Dreimeterbrett und auch für viele andere Gottvertrauens-
sprünge im Leben, nach denen ich Freude und Weitung erlebt habe.
Und die harte Motivation des Ausbilders: „Ohne den Sprung, könnt ihr kein Examen machen“, hat
für mich eine neue Bedeutung bekommen: ‚Ohne den immer wieder neuen Glaubenssprung in die
Hand Gottes kann dessen Güte und Gnade nicht an mir wirken.“
Weshalb ist heute ein besonderer Tag? Weshalb ist eine Last von mir abgefallen? Welcher
Glaubenssprung ist fast vollbracht?
Gestern haben der Verlag und ich die letzten Arbeitsschritte an meinem ersten Buch
‚Der DU in mir‘ erledigt. In ihm habe ich viel über mich preisgegeben. Ich habe mich fallen lassen.
Was noch ansteht, ist eine Textprüfung am Null-Exemplar. Es ist bestellt. Gott sei Dank.
Nun baue ich auf Gott und sein Gelingen, ihm zur Ehre. Und ich baue auf euch, denn die Gute
Nachricht verbreitet sich nur durch Weitersagen.
Einer hilft nun dem anderen, gegenseitig sprechen sie sich Mut zu. (Jes 41,6)

