Liebe freut sich nicht am Unrecht
Hallo Du,
wie schön ist es, sich zu freuen,
sich für und mit anderen zu freuen,
einen guten Grund zur Freude zu haben,
frei zu sein und ein Recht auf Freude zu haben
und diese Freude mit anderen zu teilen.
Doch es gibt leider auch die Schadenfreude,
die Freude daran, dass andere den Schaden haben,
dass sie Pech haben,
dass ihnen Unrecht widerfährt,
dass sie geschädigt oder verletzt werden,
dass sich jemand ihnen gegenüber
ungerecht und verwerflich verhält
und ihnen damit Leid, Schmerz und Schaden zufügt.
Es mag ja sein, dass ein anderer ein schlechter Mensch ist,
doch warum sollte ich ihm auch noch Schlechtes wünschen
oder mich an dem ihm zugefügten Unrecht freuen?
Er ist doch ohnehin arm dran.
Er hat doch eine genauso zarte Seele wie ich.
Er ist doch auch von Gott erschaffen.
Er ist doch mein Nächster, mein Bruder oder meine Schwester.
Ich wäre doch nicht besser als der, der das Unrecht begeht.
Wie wäre es, wenn mir das Unrecht widerführe,
wenn ich darunter leiden müsste,
wenn ich kein Mitgefühl und keinen Beistand finden würde,
sondern nur hämische, verachtende Blicke
und verstecktes oder gar offenes, gemeines Grinsen?
Oh nein, der Schmerz und das Leid des anderen schmerzt auch uns.
Das Unrecht berührt auch uns,
die Lieblosigkeit verletzt auch uns,
und eine Häme würde uns selbst beschmutzen.
Liebe liebt den anderen immer,
besonders dann,
wenn es ihm nicht gut geht,
wenn er unsere Liebe und Unterstützung braucht,
wenn er schwach und gebrochen ist.
Nur Liebe kann den teuflischen Kreislauf
von ‚verletzt werden’ und ‚andere verletzen’ unterbrechen;
nur die Liebe hat die Macht, zu überwinden und neu zu beginnen,
nur die Liebe setzt das Gute in uns frei und macht uns frei.
Nur die Liebe macht uns zu mitfühlenden Gemeinschaftswesen,
die die anderen so annehmen können, wie das Leben sie geformt hat
und die das verstärken, was an Gutem und Besonderem in ihnen ist.

