Liebe ist neidlos
Hallo Du,
was ich anderen neide,
das gönne ich ihnen nicht.
Ich neide es ihnen,
weil ich es gerne hätte,
weil ich genau das haben möchte
- und noch vieles andere –
und weil ich der Meinung bin,
dass ich es viel mehr verdienen würde.
Ich gönne es ihnen nicht,
weil ich mich mit ihnen in einem Wettbewerb sehe,
weil ich mich für besser, schöner oder gescheiter halte
und mehr sein möchte, als ich in Wirklichkeit bin,
weil etwas in mir nicht richtig ist.
Warum nur?
Welcher Drang und welche Sucht bestimmen mich?
Welcher Teufel reitet mich?
Geht nicht jeder Mensch seinen eigenen Weg?
Ist nicht jeder Erfolg oder Besitz
eine ganz persönliche und individuelle Aufgabe und Herausforderung,
damit umzugehen und darüber hinauszuwachsen?
Ich bin doch nicht weniger wert,
wenn ich etwas nicht habe.
Dafür habe ich eben etwas anderes,
das besser zu mir und meinem Wesen passt.
In der Unterschiedlichkeit liegt doch
die Besonderheit und Persönlichkeit.
Das gilt auch für das Haben und Sein.
Ja, ich gönne den anderen ihr Leben,
Ihre Lebensumstände, ihren Besitz und ihren Erfolg.
Ich erkenne an, dass das zu ihrem Lebensweg
und zu ihrer Lebensaufgabe gehört
und dass wir letztlich den gleichen Weg der Erfahrung,
Selbstfindung und Selbstüberwindung gehen,
der uns unserer Bestimmung und Gott näher bringt.
Weil jeder ein Teil des Ganzen ist,
zu dem auch ich gehöre;
weil jeder einmalig und besonders ist;
weil jeder sein eigenes Ränzlein trägt,
angefüllt mit Gutem und Schlechtem,
gönne ich ihm alles und neide ich ihm nichts.
Damit zeige ich meine Liebe und Achtung.
Damit nehme ich mein eigenes Schicksal
und meine eigene Verantwortung an.
Damit zeige ich mein Vertrauen in Gott
und in seine weise Führung für jeden Menschen.
In meiner selbstlosen Liebe erkenne ich,
dass jeder genau das bekommt, was er braucht
und was ihm unter den gegebenen Umständen zusteht;
dass alles, was jemand hat, nur eine Leihgabe Gottes ist;
dass auch mein Leben, so wie es ist, einen höheren Sinn hat.
Die Art, wie jeder einzelne sein Leben sieht und gestaltet,
bestimmt sein Leben.
Deshalb kann ich staunend und bewundernd
anderen auf ihrem Entwicklungsweg zusehen
und dankbar dafür sein,
wenn ich dabei eine Aufgabe habe.

