Gegensätze verbinden
Hallo Du,
immer nur Regen, das drückt aufs Gemüt
und immer nur Sonne, das macht träge.
Glücklich aber bin ich,
wenn ich sein kann, wie der Tag,
Morgen, Mittag, Abend und Nacht.
Ausgeruht, erholt, mutig und energiegeladen, wie am Morgen;
lebhaft, fröhlich, hungrig, bewegt und bewegend, wie am Mittag;
Abstand nehmend, gesellig und schläfrig, wie am Abend;
entspannt, gelöst, ruhig und voller Träume, wie in der Nacht.
Am glücklichsten aber bin ich dann,
wenn ich diese unterschiedlichen Teile lebe
und sie durch mich verbinde,
wenn ich sie mit mir verbinde,
wenn ich sie in mir verbinde zu etwas Neuem,
Einmaligen, für mich Weltbewegendem,
wenn ich sie mit mir fülle,
mit dem, was mich ausmacht,
mit dem, was ich habe und bin,
mich darin erfülle.
Aber ich weiß erst,
was Fülle bedeutet, wenn ich arm war;
was Glück bedeutet, wenn ich unglücklich war;
was Nähe bedeutet, wenn ich alleine war;
was Freude bedeutet, wenn ich Leid getragen habe;
was Frieden bedeutet, wenn ich mit mir in Unfrieden war;
was Erfüllung bedeutet, wenn ich Leere erlebt habe.
Gegensätze leben aus der Verschiedenheit,
aus der scheinbaren Unvereinbarkeit,
aus dem Unterschied und ihrem Kontrast.
Sie erzeugen
ein Spannungsgefälle zwischen sich
und ein emotionales Gefälle in mir.
Weil ich die Spannung empfinde, ahne ich,
dass ich im Inneren etwas damit zu tun habe.
Der Gegensatz macht mich unruhig, betroffen,
vielleicht sogar unglücklich.
Die Situation stößt mich ab und macht mich doch neugierig.
Sie zieht mich magisch an,
sie beschäftigt mich,
weil sie für mich da,
weil ich daraus etwas lernen kann,
über mich, über andere und das Leben.
Sie ist eine Aufforderung und Herausforderung für mich,
verstanden, verbunden und überwunden,
oder zunächst einfach akzeptiert zu werden.
Meine Lebensaufgabe ist es,
mich selbst immer wieder zu überwinden
und die Gegensätze (in mir) zu verbinden.
Die schlimmsten Gegensätze sind die,
denen ich mich entgegensetze
oder denen ich mich entziehen möchte.
Eine Unvereinbarkeit entsteht nur aus mir heraus,
aus irrigen Annahmen, Vorstellungen, Meinungen und Setzungen.
Wenn ich mich bewege,
bewegen sich auch die Gegensätze.
Damit ich meinen Blick weiten kann
Und einig mit mir und der Welt werde,
brauche ich Gegensätze wie mein tägliches Brot,
brauche ich Impulse, die mich immer weiter verändern.
Und der interessanteste Widerspruch dabei ist:
Ich selbst bin der Gegensatz;
Logisch und unlogisch,
lustig und unlustig,
freudig und traurig,
vielfältig und einfältig,
liebevoll und hasserfüllt,
gläubig, ungläubig, gutgläubig,
aktiv, reaktiv oder passiv,
nichts ohne Grund
und alles zu seiner Zeit.

