Traum der Befreiung
Hallo Du,
ich bin im Moment so richtig im Stress. Meine Nochfrau versucht mit allen rechtlichen Mitteln aus mir rauszuholen,
was immer geht. Das alleine könnte ich ja noch verstehen, doch die Begleitumstände, die Stimmung, die sie um
mich und in mir damit aufbaut und die meine innere Reinheit und meinen Anstand verletzen und die auch sie
selbst verunreinigen, machen mir zu schaffen. Ich fühle mich eingeengt, gejagt, gehetzt und gemobbt.
Dieser ganz private Einstieg ist jedoch nur die Erkenntnis, dass so etwas millionenfach vorkommt und es ist ein
Abbild dafür, dass die Umgangsformen in der Welt ziemlich verkommen sind. Viele Menschen fühlen sich
benachteiligt, zurückgewiesen, nicht genug beachtet oder sind enttäuscht und verbittert.
Sie sind gefangen in einem feingesponnenen System von Moral, Abhängigkeit und Beeinflussung, dem man
kaum entkommen kann. Das Geld ist zum allmächtigen Gott geworden und wir haben uns davon abhängig
gemacht. Diesem Götzen opfern wir unser Leben. Und wenn Gemeinschaft nicht mehr so gelingt, wie Mann
oder Frau sich das vorstellen, dass muss man eben zu stärkeren Mitteln greifen, um den Nächten gefügig zu
machen. Schließlich will man ja nur Gutes.
Und nun zu meinem Traum: Ich liege in meinem Bürozimmer im Ministerium auf der Couch, habe mich
zugedeckt und mache in der Mittagspause ein Schläfchen. Dazu habe ich mich leicht angezogen und den
Anzug in den Schrank gehängt. Ich gönne mir eine Auszeit.
Plötzlich werde ich durch das Hecheln und Winseln von Hunden wach. Blinzelnd erkenne ich zwei große
Kampf- und Schnüffelhunde, die mich entdeckt haben. Sie sind mit ihren Schnauzen dicht an meinem
Gesicht und saugen meinen Geruch ein, berühren mich aber nicht. So beängstigend das auch ist: ich
schließe meine Augen wieder und halte das aus; auch dass einer der Hunde die Decke auffordern wegzieht.
Dann höre ich wiederholtes Klicken. Wieder blinzele ich. Die Hunde sind zurückbeordert und hinter ihnen
sehe ich eine Fotografin mit kaltem, steinernem Gesicht. Sie schießt Beweisfotos und macht überheblich
abfällige Bemerkungen über unangemessenes Schlafen, über unpassende Bekleidung und verletzter
Dienstpflicht. Nach etlichen, nahezu identischen, Fotos rauscht sie hochnäsig aus dem Zimmer.
Sie tut mir leid in ihrer Kälte und Beflissenheit. Sie hat sich an ein System verkauft, von dem wir alle
umgeben sind und das versucht, uns zu manipulieren und zu beherrschen. Sie ist ein Abbild davon.
Sie kann wohl nicht anders. Sie ist eine Gefangene von sich selbst und ihren Erwartungen ans Leben.
Sie schwimmt mit im Strom der Vorteilnahme und ist dafür hörig und willfährig. Sie hat ihre Menschlichkeit
und die Achtung vor sich selbst schon vor langem für ihr Fortkommen weggegeben. Doch von sich selbst
kann man nicht fort kommen. Man ist immer mit sich selbst verbunden, auch dann, wenn man nicht mehr
man selbst ist.
Nun, geweckt, gefasst und immer noch bei mir, stehe ich auf und verlasse, so wie ich bin, mein Zimmer
und trete auf den Flur. Ich trete ein in ein fremdes, geschäftiges Treiben, in ein scheinbar planloses
Hin- und Hergerenne; zu versteinerten Gesichtern und verkrampften Körpern, Zu Marionetten in Hektik
und Kopflosigkeit. Ich wende mich dem Flurausgang zu und komme dahinter überraschend auf eine
Plattform im Freien. Dort befinde ich mich mit anderen in Höhe des dritten Stocks und erkenne, dass die
Plattform zu einem riesigen Kran gehört. Vor mir schwebt ein großer, offener Tragekorb aus Eisen ein,
der auf unserer Ebene hält. Nur wenige steigen mit mir ein. Und statt uns nach oben oder unten zu bringen,
schwenkt er zur Seite. Unter mir erkenne ich einen stark bewachten, abgesperrten und ummauerten
Hofbereich, der wie ein Gefängnishof aussieht. Da scheint es kein Entkommen zu geben. Und je weiter
der Kran seitwärts schwenkt, desto nervöser und betriebsamer werden die Wächter unten und die
Kranführer ganz oben. Ich spüre: Da läuft etwas aus dem Ruder. Das ist nicht gewollt. Und in mir keimt
eine unbestimmte Hoffnung.
Der Kranausleger dreht weiter über die stacheldrahtbewehrte Absperrungsmauer und dahinter über einen
stabilen, hohen Elefantenzaun aus Eisen und dabei er neigt sich dabei immer stärker zur Seite. Oben höre
ich hastige Befehle, Ballast abzuwerfen und ich sehe, wie Männer hektisch große Steine abwerfen. Es scheint
sie nicht zu kümmern, wer davon getroffen wird. Dabei achtet niemand auf mich. Ich überklettere die
Brüstung des eiserenen Tragekorbes, halte mich von außen fest und warte auf den besten Moment, um
abspringen zu können. Doch an der Mauer und dem Eisenzaun ist der Korb noch zu hoch. Habe ich jetzt
meine Chance verpasst? Seltsamerweise neigt sich der Kran immer weiter zur Seite und der Korb kommt
dadurch immer tiefer. Über einem nahen, verlassenen Baugelände hängt der Korb so tief, dass ich mich
ohne Mühe abrollen kann. Danach schwenkt der Korb weiter und steigt wieder.
Das Warten hat sich gelohnt: Ein Ausstieg ohne Mühe und Gefahr war möglich. Aus einem geschlossenen
System, aus einem beherrschten und beherrschenden Staat kann man entkommen. Ich bin davon
überzeugt, dass Gott diesen Kran gedreht und geneigt hat. Leider sind andere nicht mit ausgestiegen.
Sie brauchen vielleicht noch die scheinbare Sicherheit in der Hierarchie.
Nun werde ich wach und mir meines Traumes bewusst. Wozu wurde ich befreit und was fange ich nun
befreit an? Ich frage Gott und schlage irgendwo die Bibel auf, um eine Antwort zu finden. Und schon
wieder lande ich, wie bereits Björn mehrmals vor mir, bei 1. Makkabäer Kapitel 1.
Da war ich doch schon und die Verse 11- 15 erschienen mir auch irgendwie wichtig, doch ich hatte sie
noch nicht verstanden.
Nun fügten sich mehrere Hinweise und Erkenntnisse aus den letzten Tage und Wochen nahtlos zusammen
und ich las etwas abgewandelt:
Männer verraten ihr Wesen
Damals traten im Volk Israel Verräter auf und verführten viele dazu, sich vom Gesetz Gottes und dem Wesen,
das er ihnen gegeben hatte abzuwenden. Sie forderten ihre Mitbürger auf: »Wir wollen uns mit dem fremden
Wesen der Frauen verbrüdern, unter denen wir leben! Denn der ständige Kampf zwischen den Geschlechtern
zermürbt uns. Geben wir doch besser nach und lassen uns von ihnen verändern. Ihr Vorschlag fand Anklang
und einige aus dem Volk erklärten sich bereit, zum König zu gehen und seine Zustimmung einzuholen.
Der König gab seinen Männern schließlich die Erlaubnis, nach den Sitten der Frauen zu leben.
Darauf bauten sie in Jerusalem eine Wellness Anlage, wie sie bei den Frauen anderer Völker üblich war, und sie
ließen sich operieren, damit man den Unterschied zwischen den Geschlechtern nicht gleich erkannte. So
wurden sie zu Verrätern an dem Bund, den der Herr mit seinen Männern geschlossen und an der Aufgabe,
die er ihnen zugedacht hatte.
Wie die Bibel weiter erzählt, gingen die, die sich anpassen wollten, mit ihren Frauen und Kindern unter.
Weder Mann, noch Frau noch Kinder waren dafür geschaffen und niemand konnte aus seiner eigenen Haut
heraus. Andere Männer hatten sich jedoch entscheiden, sich für die eigenen Belange einzusetzen und dafür
einzustehen. Diese Männer haben damals gegen mordende und raubende Völker gekämpft, um wieder mit
Gott und ihren Familien in Frieden leben zu können. Ihre Gegner waren aber nicht nur Fremde, sondern
auch sie selbst. Und im Kampf haben sie viel über sich selbst erkannt.
Männer und Frauen sollten nicht gegeneinander kämpfen, sondern gemeinsam für bessere Rahmenbe-
dingungen, in denen Familie und Gemeinschaft gelingen. Das ist der Feind, der sich gut getarnt einschleicht,
um nicht erkannt zu werden. Solange Männer und Frauen sich gegeneinander befehden, vergiften und
schwächen, gewinnen die, die vom System profitieren. Durch Vereinzelung und Abhängigkeit können sie
besser über andere bestimmen und sie für ihre Interessen ausnutzen.

