Innere Bilder werden Wirklichkeit (Teil 1) - Der Engel des Herrn (Apg 12,7)
Da schuf Gott den Menschen nach seinem Bild, als sein Ebenbild schuf er ihn. (1.Mose 1,27)
Hallo Du,
der Mensch ist ein soziales und empfindendes Wesen, dessen Denken geprägt ist von dem,
was ihn umgab und umgibt, von dem, was andere ihm vorlebten und beibrachten sowie
von den, von ihm erfassten und verinnerlichten Bildern von Situationen und Erlebnissen
und Geschichten.
Er lebt aus dem, was er wahrnahm, erlebte und abspeicherte. Dazu gehört auch Vieles, was
ihm unbewusst, unklar und unerklärlich war, was sein Verstehen, seine Denklogik überstieg.
Er lebt aus dem, was er richtig fand, akzeptierte und glaubte. Dem vertraut er solange, bis
es Schwierigkeiten gibt, bis es nicht mehr stimmt.
Dann wird es mit dem neuesten Kenntnisstand hinterfragt. Die Wissbegier wird geweckt.
Das Gespeicherte wir an der Realität gemessen. Aktuelles wird hinzugefügt. Veraltetes
entfernt. Die Bild- und Handlungsvorlagen werden auf den jeweilig neusten Stand gebracht,
damit die Innenwelt und die Außenwelt wieder (einigermaßen) stimmig sind, damit der
Mensch Unklares klarer sieht und Unverständliches besser versteht, damit er ein Stückchen
weiter hinter seinen Horizont blicken kann, damit er etwas mehr von der unbegreiflichen
und vielschichtigen Wirklichkeit erfasst. Er möchte Zusammenhänge verstehen von denen
er glaubt, dass sie für ihn wichtig, vielleicht sogar lebenswichtig sind. Und indem er den
Dingen immer wieder auf den Grund geht, findet er immer wieder etwas, was noch
verborgen war, was ihm hilfreich und nützlich ist. Er möchte verstehen!
Genauso möchte er auch Gott verstehen, bevor er im vertraut, sich ihm anvertraut und ihn
als Helfer und Lenker in sein Leben einlädt. Doch, wie kann er etwas verstehen, das seinen
Verstand übersteigt? Und wie kann man jemandem begegnen, der nicht körperlich ist? Die
Antwort ist: Nur in der Vorstellung. Im Glauben!
Deshalb stellt der Mensch sich vor, dass Gott, der ja allmächtig ist, sich seinen Geschöpfen
zeigt, indem er verschieden Formen annimmt oder indem er sein Wollen durch Boten
kundtut, z.B. durch Engel oder durch Propheten oder durch Gläubige zu ihm spricht, die mit
Gott im Geist fest und intensiv und eng verbunden sind.
Fest und intensiv und eng mit Gott verbunden ist ein Mensch dann,
wenn er mit Gott eine vertrauensvolle Beziehung hat,
wenn er Gottes Nähe spürt und sich seiner Güte und Liebe gewiss ist,
wenn er aus eigener Erfahrung weiß, dass Gott hilft, unterstützt, bewahrt und führt,
wenn er in allem versucht, Gott zu erkennen,
wenn er die Absichten und den Willen Gottes kennt und für sich angenommen hat,
sie für richtig hält und sich mit seinem Denken und Handeln daran ausrichtet,
wenn er im ständigen Gebet, in Gedanken oder Worten, mit ihm spricht,
wenn er in ständiger Beziehung und Gemeinschaft mit Gott lebt.
Das sind viele Wenn‘s. Etliche sind den, noch im Irdischen gebundenen Menschen nur
teilweise möglich. Und weil das so ist, hilft Gott dabei. Er führt und Schritt für Schritt in die
enge und vertrauensvolle Verbindung mit ihm. Er erhellt unser Dunkel. Er spricht in unseren
Geist. Er sagt uns Dinge, die wir noch nicht wissen, die wir aber für unser weiteres
Wachstum brauchen. Was ich schreibe, ist keine esoterische Phantasie, sondern für die, die
das regelmäßig erleben, eine Tatsache.
Im Geist hören wir das Unhörbare und sehen das Unsichtbare. Im Geist erkennen und
wissen wir. Im Geist schauen wir weit voraus. Der Verstand ist dabei untergeordnet. Das
Herz sieht. Die Seele hört. Der Bauch ahnt. Die Liebe führt. Das Gewissen leitet. Gott gibt
und belebt. Und manchmal, besonders in Grenzsituationen, können wir sogar seine Stimme
hören oder Engel sehen, die uns lebensecht erscheinen. Solche übernatürlichen und
äußerst eindringlichen Visionen sind zukunftsbestimmend, weil sie unverhofft und
ungewöhnlich und machtvoll Antworten auf elementare und aktuelle Fragen geben, die
man bisher nicht einmal fragen konnte. Man hört im Kopf, im Gehirn, umfassend gesagt:
Im Geist, der die Verbindung zwischen Gott und Mensch ist.
Als soziale Gruppenwesen wissen wir, dass ein gutes und reibungsarmes Miteinander nur
durch bindende Strukturen, nur mit Hilfe von Regeln möglich ist, denen sich alle
gleichermaßen unterordnen, zum Wohle aller.
Menschen stellen sich bildhaft vor, dass Gott der oberste Chef über Himmel und Erde ist,
dass er König über alle und alles ist und seine Welt, das gesamte Universum, mit einem
Hofstaat von dienenden Engeln regiert. Sie beaufsichtigen und verwalten die vielen
Bereiche seines Staatswesens. Etliche sind für jede Gemeinde oder jeden Menschen
zuständig.
Und weil wir Menschen nicht immer rechtschaffen sind denken wir, dass auch Engel nicht
immer gut sind, dass es auch unter ihnen schwarze Schafe gibt, gefallene Engel, die sich
gegen Gott stellen und als Dämonen gegen ihn arbeiten, die nur darauf aus sind, Gottes
Macht und Einfluss und Liebe im Bewusstsein der Menschen zu schwächen. Sie von Gott
fernzuhalten oder wegzuziehen, sie unter die Herrschaft des Bösen zu bringen und sie da
gefangen zu halten.
Diese erlernte menschliche Betrachtung ist ein Bild, das unseren Denkhorizont bestimmt.
Was wir immer wieder denken, wird für uns gedanklich vertraut und real. Wir sehen es
dann tatsächlich auch im wirklichen Leben.
Übrigens: Engel sehen so aus, wie Künstler sie mit Phantasie gemalt oder modelliert haben
oder wie Schriftsteller sie einprägsam beschrieben haben oder wie wir sie vermenschlicht
denken. Der Engelglaube entstand aus biblischen Berichten, kultiviert in vielen, vielen
Engelsgeschichten. Und je mehr Engelgeschichten wir gehört oder gelesen haben, desto
realer sind sie uns geworden. Für manche sogar als Kindergestalten mit Flügelchen, wie sie
verspielte Rokoko-Putten darstellen.
Ich glaube, dass es tatsächlich Engel gibt, dass sie aber anders sind, als wir sie uns
vorstellen. Die Bibel spricht von unsichtbaren Mächten und Gewalten, von Engeln und von
Dämonen und explizit auch vom Engel des Herrn.
Vor etlichen Jahren habe ich auch von Engeln geträumt. An ihr Aussehen kann ich mich
nicht erinnern, aber an das, was sie gesagt haben und wie sie es gesagt haben. Es war
deutlich, klar, eindrücklich und wegweisend.
Mein Bild vom Himmel ist:
Über allen Himmeln und Erden ist Gott. Er ist allgegenwärtig und allmächtig. Er ist
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er übersieht alle Zeit und gestaltet sie. Er kann sich
in allem ausdrücken und sich jedem und jeder auf die individuell beste Art verständlich
machen. Damit er uns erreicht, benutzt er unterschiedlichste Erscheinungsformen, Formen,
denen wir vertrauen und vor denen wir uns nicht fürchten.
In biblischer Vorstellung ist der Engel des Herrn ein persönlicher Bote Gottes mit einem
ganz bestimmten Auftrag. Er erscheint Menschen stellvertretend für Gott, weil sie dessen
Strahlkraft aus Reinheit, Herrlichkeit und Helligkeit nicht überleben würden. Gott spricht
durch Engel als Medium und verkündet Menschen seine Absichten, seine Vorhaben,
Weisungen und Aufträge. Er sieht die Menschen als sein Gegenüber, als seine Mitwesen
und Gesprächspartner (1.Mose 1,27). Und indem er mit ihnen, mit uns, spricht, bindet er
sie in sein Wirken und Planen ein, beteiligt er sie. Das ist eine hohe Auszeichnung, die uns
ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.
In Jesus Christus begegnet uns Gott in Menschengestalt. Er stellt sich uns gleich. Er versteht
uns. Dieses Bild sagt uns viel. Jesus wurde von einer Mutter geboren, wie wir. Er ist, wie wir,
den Widrigkeiten des Lebens und den Anfeindungen seiner Mitmenschen ausgesetzt. Er
muss, wie wir, Situationen, Herausforderungen und Niederlagen meistern. Er erlebt die
Niedertracht von anderen am eigenen Leib, wie wir. Doch gleichzeitig ist er auch Gottes
Sohn, ihm gleich, im Wesen und im Geist mit dessen Kraft und Weisheit erfüllt, wie auch wir
es sein können. Jesus ist das Ebenbild Gottes. Er ist die Verkörperung all dessen, was wir
uns von einem Boten Gottes erhoffen. Jesus ist als Mensch real, unmittelbar, erlebbar und
anfassbares, ein vertrauenswürdiges Vorbild. Er ist immer mit Gott, seinem Vater, im Geist
verbunden und er lebt ganz nach dessen Willen. Daraus schöpft er seine Kraft. Gott ist auch
unser himmlischen Vater. Auch wir dürfen aus seiner Kraft schöpfen.
Die Bibel zeigt uns in Hebr 1, 1-4 anschaulich, dass Jesus als der 'Engel des Herrn' den
übrigen Engeln weit überlegen ist:
‚Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch
die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er
eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat. Er ist der
Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem
kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur
Rechten der Majestät in der Höhe und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der
Name, den er ererbt hat, höher ist als ihr Name.‘
'Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum
hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in
dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter
der Erde sind.' (Phil 2,8-10)
'Wir bitten Gott um ein gutes Gewissen, durch die Auferstehung Jesu Christi, welcher ist zur
Rechten Gottes, aufgefahren gen Himmel, und es sind ihm untertan die Engel und die
Gewaltigen und die Mächte.' (1.Petr 3, 21b-22)
Jesus, Mensch und Gott, hat die Kluft zwischen sündhaftem Mensch und reinem Gott
beseitigt. Durch sein selbstloses Sühneopfer am Kreuz kann Gott den Menschen den Abfall
von ihm, ihrem Schöpfer, vergeben, und auch all die Sünden, die sich daraus ergeben.
Jesus macht Sünder zu Rehabilitierten. Gott macht sie zu seinen geliebten Kindern. Und wie
Kinder ihren Eltern vertrauen, weil sie von ihnen geliebt, geführt und umsorgt werden, so
können auch wir dann Gott als himmlischen Vater lieben und ihm ganz vertrauen. Er ist
gerne unser Abba, unser Papa, denn er ist immer für uns da. Er führt uns weise und
weitsichtig und sorgt liebevoll und umfassend für uns. Er gibt dem Mensch Heil und Leben.
Er macht aus Sündern Heilige. Er formt unser Wesen um, nach seinem Bilde, macht uns
Jesus immer ähnlicher. Die, die in seinem Licht und aus seiner Liebe und seiner Kraft leben,
werden zu seinen Stellvertreter*innen auf Erden. Wir sind Gottessöhne und Gottestöchter,
die, wie Jesus, Gottes Willen und Auftrag ausführen, zum Wohle aller, zum Wohl der
ganzen Schöpfung. Davon sind wir noch weit entfernt. Zu wenige unterstützen das aktiv.
Es gibt leider noch zu viele Ausbeuter, Sünder, die sich gegen Gott und sein Wollen
auflehnen, um sie sich dadurch persönliche Vorteile zu schaffen.
Als Christen sind auch wir zu Boten Gottes berufen und ausgesandt, die gute Botschaft von
Gottes Liebe, Güte, Gnade, Rettung und Vergebung an andere weiterzugeben. Dabei hilft
uns der Heilige Geist, der sich im Glauben mit unserem Geist verbindet und uns mit Mut
und Kraft ausstattet. Jesus bindet uns Menschen in sein Planen und Wirken ein, weil jetzt
wir für andere unmittelbar und anfassbar sind. Weil jetzt wir ihnen ein sichtbares Beispiel
sein können, an dem sie das liebevolle Wirken Gottes erkennen und mit dem sie leibhaftig
reden können. In der Liebe sind wir denen ganz nahe, die Gott suchen, die ihn brauchen
und die auf ihn hoffen. Gott wirkt durch uns durch zu ihnen.
Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich
selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für
sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins
seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt
glaube, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien,
wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt
erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. (Joh 17, 18-23)
Unser Herr und Vorbild gibt uns Beispiel und lässt uns unseren Lebenssinn erkennen,
nämlich den, seine und unsere Liebe weiterzugeben, mit ihm in enger Verbundenheit, im
Eins- und Einig sein mit ihm. Für ihn sind jetzt auch wir für die Zukunft verantwortlich,
damit sie zum Wohle aller gestaltet wird.
Diese Vision, diese bildhafte Vorstellung kann keine Einzelaufgabe sein. Sie ist eine schöne
und gute und erhabene Weisung, die nur in Gemeinschaft mit vielen anderen und mit Gott
Erfolg haben kann. Wir sind mitverantwortlich für das, was in der Zukunft passiert. Das ist
Auftrag und Mahnung zugleich.
Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er
stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen
ihm von seinen Händen. (Apg 12,7; L)
Der Engel des HERRN sprach zu ihm: Zieh hin mit den Männern, aber nichts Anderes, als
was ich zu dir sagen werde, sollst du reden. (4.Mo 22,35; L)

