Ver-Leitende Vorstellungen
Hallo Du,
in unserer Zeit werden zielstrebige, kreative Menschen
mit Vorstellungskraft und Durchsetzungsvermögen
als Führungspersönlichkeiten gesucht.
Menschen ohne Träume, Visionen und Ziele
werden als arme, orientierungslose Herdenmenschen bezeichnet.
Ist das aber wirklich so?
Eine Vorstellung ist ein Bild,
das sich jemand in seinen Gedanken von etwas oder von jemandem macht.
Dieses geistige Bild kann vage oder konkret sein
und wird gerne auf die Realität übertragen,
obwohl es nur ein im Bewusstsein auftretendes,
nicht auf unmittelbarer Wahrnehmung beruhendes Abbild der Wirklichkeit ist.
Es ist ein persönlich gefärbter Eindruck,
eine individuell bewertende Ideal- oder Wunschvorstellung,
eine subjektive Moral-, Ziel-, Zukunfts- oder Zwangsvorstellung,
die unseren Willen in gedankliche Bilder spiegelt,
die wir uns ausdenken, ausmalen, vergegenwärtigen,
an unserem geistigen Auge vorüberziehen lassen
oder uns vor Augen führen.
Weil diese Wunschvorstellungen so schön sind
und weil wir darin eine tolle Rolle spielen,
sehen wir sie gerne als Wahrheit und Wirklichkeit
oder versuchen, sie zu verwirklichen.
Das ist grundsätzlich nicht verkehrt,
denn dadurch können wir verändern,
uns, unsere Umgebung und unsere Welt.
Widersinnig werden unsere Vorstellungen erst,
wenn wir davon ausgehen,
dass sie auch für andere richtig und wünschenswert sind,
wenn wir sie in andere hineinspiegeln und konkrete Erwartungen an sie haben,
wenn wir anderen dadurch ihre Meinungs- und Handlungsfreiheit nehmen,
wenn wir unsere egoistischen Interessen und Zwecke nicht mehr erkennen,
wenn wir die Vorstellungen für Wahr halten oder als Maßstab nehmen,
wenn wir unsere Hoffnungen und Ängste darauf aufbauen.
Wer sich etwas vor-stellt, stellt sich selbst dahinter,
d.h. er läuft immer hinter seinen Vorstellungen her!
Er denkt sich etwas aus,
und macht sich eine möglichst genaue Vorstellung davon;
er bewegt sie in seinen Gedanken
und verankert sie in seinem Bewusstsein;
er strebt sie an und verwirklicht sie,
auch gegen Widerstände.
Er sieht nur das, was er sehen will!
Mit seinen Vorstellungen baut er sich eine eigene Welt,
in der er der Held und Bestimmer ist.
Was den eigenen Vorstellungen nicht entspricht,
ist nicht in Ordnung und muss verändert werden, -
auch wenn es anderen gefällt.
Wenn es dabei Schwierigkeiten gibt,
ärgert er sich und schafft sich Gegner, die er bekämpft.
Erfolgreich und zufrieden ist er erst,
wenn die anderen sich fügen
und die eigenen Vorstellungen verwirklicht werden.
Diese Menschen haben eine große Veränderungskraft
die andere einschränkt und zurücksetzt.
Jeder subjektive Erfolg verstärkt ihr Ego und ihren Siegeswillen,
doch als Menschen verlieren sie sich immer mehr.
Sie werden unabhängiger, mutiger, rücksichtsloser und kopflastiger.
Sie verlieren nach und nach die Realität und ihre Beziehungen,
weil sie in ihrer Überheblichkeit,
vom eigenen Recht
und von der eigenen Richtigkeit und Unfehlbarkeit überzeugt sind.
Sie erkennen nicht mehr, wo ihre eigenen Grenzen erreicht sind
und wo die Rechte, Möglichkeiten und Chancen der anderen beginnen.
Sie bewirken oft Reibereien, Streit und Machtkämpfe
und erkennen nicht, warum andere sie nicht mehr mögen.
Wertvoll sind Vorstellungen immer dann,
wenn sie dort kreativ und schöpferisch eingesetzt und genutzt werden,
wo sie von vielen gewünscht und gebraucht werden,
wo sie für andere und die Gemeinschaft von Nutzen sind
und wo sie mit anderen gemeinsam verwirklicht werden können.

