Schmerzendes Liebesleid
Hallo Du,
himmlischer Vater,
eine Deiner größten Herausforderungen an uns ist,
dass wir dem einen Menschen, den wir ganz besonders lieben,
ganz nahe sein wollen und er uns doch fern und wesensfremd bleibt;
dass wir den Reichtum seines Herzens erkennen,
aber nicht nutzen oder besitzen können,
dass wir den, den wir ganz besonders lieben,
alleine schon durch unser ‚anders sein’ reizen und verletzen,
und durch seine Andersartigkeit gereizt und verletzt werden.
Je mehr wir lieben,
desto weiter öffnen wir uns
für den unausweichlichen Schmerz des ‚Getrennt-seins’ und ‚Getrennt-werdens’.
für den Schmerz, nicht genug lieben zu können
und aus Rücksicht auch nicht zu dürfen,
für den unauflösbaren Schmerz,
unsere Liebe nicht in dem Maße zeigen zu können, wie wir sie empfinden,
für den quälenden Schmerz, vielleicht nicht genung geliebt zu werden,
Ich danke Dir, Du weiser Vater,
dass Du uns mit der Liebe nicht nur das Liebesleid und den Liebesschmerz,
sondern besonders auch die Liebesfreude gegeben hast,
das Gefühl der Sinnhaftigkeit und Erfüllung,
nach der wir uns immer wieder sehnen.
Das macht es uns leichter, zu wachsen,
über uns hinauszuwachsen
und mit uns und dem anderen toleranter umzugehen,
mit dieser normalen Gegensätzlichkeit besser umzugehen
und sie als notwendige Herausforderung
für unser inneres Wachstum anzunehmen.
Das macht es uns leichter,
unsere versteckte Furcht vor dem anderen, dem Fremden zu verstehen
und ihn trotz dieser Angst so zu belassen und zu nehmen, wie er ist,
weil wir nur dann von ihm lernen und innerlich wachsen können,
weil wir nur dann das Geschenk seiner Liebe verstehen
und uns gerade wegen seiner Liebe nicht fürchten müssen,
weil wir ihm gerade wegen seiner Liebe vertrauen können.
Gerade weil wir lieben,
können und müssen wir unsere Abwehrreaktionen,
unser Unverständnis und unseren Ärger,
unsere Angst und unsere Aggressionen
immer wieder durch Aufmerksamkeit und Verständnis,
durch Geduld, Güte und Toleranz überwinden,
um uns so unsere Zuneigung und unser Vertrauen
immer wieder gegenseitig zu bestätigen,
denn nur die Liebe überwindet die Angst,
bei uns und bei den anderen.
Immer wieder wollen wir dem Liebesschmerz ausweichen,
vor ihm fliehen und uns zurückziehen,
doch gleichzeitig wissen wir, dass das keine Lösung ist
und dass wir dann auch auf die Freuden des Liebens
und des Geliebt-werdens verzichten müssen.
Damit dies nicht geschieht, himmlischer Vater,
damit unsere Liebe nie versiegt,
hast Du uns Hoffnung und Sehnsucht gegeben,
die uns antreiben
das Abenteuer der Liebe immer wieder neu zu wagen.
Wir brauchen die Bestätigung,
dass wir noch leben und lieben können
und dass wir noch liebenswert sind.
Zu lieben gibt uns die Gelegenheit,
das Schönste, was Du uns gegeben hast
und was wir zu verschenken haben,
immer wieder zu geben, -
nämlich uns selbst,
- auch wenn es manchmal weh tut.

