Geiz
Hallo Du,
ich gebe nicht gerne ab.
Ich geize mit Worten und Taten,
mit Geschenken und Gesten,
mit allem, was ich habe.
Es war schwer genug,
das was ich habe, zusammenzubekommen.
Dabei hat mir keiner geholfen,
also ist auch alles mir.
Ich vertraue den anderen nicht,
selbst wenn sie mir etwas geben wollen,
ja gerade dann nicht,
denn sie könnten ja etwas zurückhaben wollen,
wahrscheinlich sogar mehr,
als sie selbst gegeben haben.
Ich brauche meinen Besitz zur eigenen Sicherheit,
um wer zu sein und
um sorglos leben zu können.
Ich möchte nie (wieder) arm oder abhängig sein.
Ich helfe mir selbst.
Die anderen brauche ich nicht; die mögen mich sowieso nicht.
Die sollen sehen, wie sie zurecht kommen und sich selbst helfen.
Außerdem sind sie an ihrer Situation selbst schuld.
Wenn man sein Geld so mit beiden Händen aus dem Fester wirft,
hat man halt irgendwann nichts mehr.
Ich selbst leiste mir ja auch kaum etwas.
So teure Sachen müssen nicht sein
und die sind auch nichts für mich.
Das bin ich mir nicht wert.
Hallo Du,
kennst Du mich?
Hast Du einige der Einstellungen und Aussagen wiedererkannt?
Komme ich Dir bekannst vor?
Wenn ja, dann bin ich, Dein Geiz, Deine Herausforderung.
Ich quäle Dich
und mache Dich einsam, freudlos, verbittert,
selbstgerecht und ungerecht.
Ich schränke Deinen Horizont ein
und mache Dein Denken kleinkariert,
so lange,
bis Du merkst, dass Geiz Dir schadet
und Du auf einem Irrweg bist.
Wer hat Dir wohl all das gegeben, was Du als Dein betrachtest?
Kannst Du es mit ins Grab nehmen?
Leben ist geben und nehmen.
Wenn Du nicht geben kannst, kannst Du auch nicht nehmen.
Wenn Du nicht geben kannst, lebst Du nur halb.
Ich, Dein Geiz, wünsche Dir,
dass Du die Güte und Barmherzigkeit des Gebens erkennst,
dass Du befreit wirst von Enge und Misstrauen,
dass Du Wohlwollen, Großzügigkeit und Liebe kennenlernst.
Es liegt so viel Gnade, Heilung und Stärke im Geben,
im Abgeben und Teilen,
im ‚Sich mitteilen’.
Ich rate Dir,
versuche es doch einmal,
Spende heimlich und erzähle niemandem davon !
Du wirst die Kraft dieser Spende, Deiner Großzügigkeit erkennen.
Du wirst stolz und glücklich sein.
Stolz auf Dich, weil Du Dein hartes Herz überwunden hast
und glücklich, weil Du anderen selbstlos helfen konntest,
ohne Verbindlichkeiten, aus freien Stücken, einfach so.
Wenn Du die Freude und Dankbarkeit der Beschenkten siehst,
wirst auch Du bereit sein, Dich zu freuen und dankbar zu sein,
wirst auch Du bereit sein, die bedingungslose Hilfe anderer anzunehmen;
wirst auch Du bereit sein, andere immer stärker an Deinem Glück
und an Deiner Stärke teilhaben zu lassen.

