Die verbindende Kraft der Frage
Hallo Du,
was machst Du, wenn Dir eine Frage gestellt wird?
So eine dumme Frage, Du antwortest.
Aber es gibt keine dumme Fragen,
Fragen haben immer ihre Bedeutung
und meistens geht es dabei nicht
um Informations- oder Wissensabfragen.
Zunächst wirst Du zuhören,
denn mit der Frage
kannst Du etwas über die fragende Person erfahren.
Außerdem ist es eine Ehre, gefragt zu werden,
denn es zeigt Dir, dass Dir jemand vertraut,
dass jemand den natürlichen Abstand zwischen Menschen überwindet
und gerade an Deiner Auskunft,
an Deiner Antwort oder Meinung interessiert ist.
Mit einer Frage wird höflich an Deine Tür geklopft,
in der Hoffnung, dass geöffnet, dass geantwortet wird,
in der Hoffnung, dass Du Dich öffnest und Dich zeigst.
Dann wirst Du antworten,
weil Du es so gelernt hast,
weil Du nicht unhöflich sein möchtest,
weil auch in Dir Interesse geweckt wurde,
weil Du die verbindende Brücke der Frage erkennst,
weil Du helfen darfst
und weil Du etwas von Dir zeigen und geben kannst.
Aber wie wirst Du antworten ...:
distanziert, sachlich, freundlich, offen, ehrlich, direkt, einfühlsam, ...?
... Und was wirst Du sagen?
Deine Antwort ist zunächst unabhängig von Deinem Wissen.
Gehst Du auf den anderen Menschen ein?
Erkennst Du seine Motive und Gefühle, sein Dahinter, sein Wesen?
Nimmst Du ihn als Mensch an?
Wenn Du die Frage nicht beantworten kannst,
weil Dir das Wissen dazu fehlt,
kannst Du dennoch verständnisvoll und menschlich antworten
und die Frage als Anlass nehmen
in ein Gespräch einzusteigen.
Wenn Du aber das Wissen hast,
stehen dem Gespräch Tor und Tür offen.
Es liegt bei Dir,
ob Du den anderen mit Deiner Antwort überschüttest,
oder ob Du Dein Wissen im Gespräch,
im Wort- und Meinungswechsel,
im Gedankenaustausch,
im aufeinander eingehen,
im Wechselspiel von Frage und Antwort
nach und nach eingibst.
Und es liegt an Dir,
ob Du nach Deiner Antwort oder im Gespräch
die Ausgangsfrage höflich zurückgibst,
das Gleiche zurückfragst,
um die Hintergründe der Frage zu erfragen,
und deren oder dessen Meinung dazu zu erfahren.
Dies setzt aber immer voraus,
dass Du den anderen Menschen wirklich kennenlernen möchtest,
dass Du wirklich an ihm und seinen Aussagen interessiert bist,
dass Du Dir Zeit für ihn nimmst,
dass Du ihm zuhörst,
ihn aussprechen lässt,
nachfragst,
mitfühlst,
ihn ernst nimmst,
ihn nicht in eine Schublade steckst,
ihn im Zuhören anerkennst und würdigst.
Wie schön,
dass es in allen Sprachen dieser Welt Fragen gibt,
Fragen,
die Türen öffnen und Verbindung herstellen,
die Gespräche eröffnen und Begegnung ermöglichen,
die den Kräften und Fähigkeiten in uns
Gelegenheit geben, sich zu zeigen
und die uns befähigen,
auf andere vertrauensvoll zuzugehen,
um sie kennenzulernen.

