Du bist wichtig! (1.Kor 12,12-22)
Hallo Du, ja dich meine ich,
die du gerade diese Zeilen liest,
der du gerade diese ersten Zeilen gelesen hast.
Du, das ist für mich nicht dein Aussehen oder dein Outfit, nicht dein Rang, deine Position oder dein Verhalten, nicht dein Haus, dein Auto oder deine Intelligenz und auch nicht das, was sie aus dir machen könnten oder gemacht haben.
Du bist für mich ein Unikat, ein ganz besonderes menschliches Wesen, eine einmalige Person mit ganz eigenen Veranlagungen und Lebenserfahrungen, ein Schatz, den das Leben uns anderen zur Verfügung gestellt hat. Du bist für mich ein notwendiges Puzzleteilchchen, ohne das ich meinen Sinn nicht erkennen kann.
Was wäre ich ohne dich, ohne ein Gegenüber? Was wäre ein Prediger ohne Zuhörer, ein Mann ohne Frau, eine Frau ohne Mann, ein Kind ohne Eltern, ein Mensch ohne Freund oder Freundin? Du bist mein Gegenüber! Nur mit dir kann ich mein Ich überwinden und zum Wir finden.
Es gibt zwar viele Milliarden Menschen auf dieser Erde und die sind alle genauso wichtig, aber die sind mir im Moment fern. Du aber bist mir gerade jetzt nahe, da ich etwas mit dir teilen kann, meine Gedanken und mich, mein Wesen, das dahinter steckt. Wie gerne würde ich mehr von dir erfahren, mehr von dir lernen, um zu wissen, wie du bist, was wir uns gegenseitig zu geben haben und wie wir uns ergänzen können. Wir könnten unsere Freude miteinander teilen – und auch, was uns betrübt.
Du bist doch meine Herausforderung. Du forderst mich aus mir heraus, damit ich mich mit dir auseinandersetze und prüfe, wie du dein Leben gestaltest und es meisterst, welche Gaben und Neigungen du hast, wo wir uns fremd sind.
Wäre ich alleine auf dieser Welt, wäre mein Leben arm, denn es gäbe ja nur mich. Laut oder still vor mich hin zu leben, die Tage oder Jahre abzuhaken und auf das Ende zu warten ist öde, auch wenn ich es mir gut gehen ließe. Wem könnte ich zuhören, wem meine Aufmerksamkeit und Liebe schenken, wem Freude bereiten oder beistehen? Mein Leben hätte keinen Sinn. Ohne dich hätte ich kein Ziel, keine Aufgabe und keine Funktion.
Oh, ich höre schon deinen Einwand: Es gibt doch noch so viele andere Menschen, da brauchst du mich doch nicht. Nein, du irrst! Ich brauche jeden, wirklich jeden, der mir auf meinem Lebensweg begegnet. Wo soll das aufhören, wenn ich anfange zu selektieren, wenn ich mir nur die Angenehmen, Nützlichen, Geschmeidigen aussuche? Ich würde mich nach und nach isolieren. Nein, jeder hat seinen Platz im Leben, auch in meinem. Wir sind Teile dieses Lebens und damit sind wir auch Teile voneinander. Das haben viele vergessen oder noch nicht darüber nachgedacht.
Du bist!
Wahrscheinlich hast auch du dir dein Leben nicht selbst gegeben und dir die Lebensumstände nicht selbst ausgesucht. Du wurdest, wie auch ich, in diese Welt und in deine Familie geboren, an den Platz, an dem wir sind. Da du geboren wurdest, hast du ein Lebensrecht zu sein. Niemand kann und darf dir diesen Platz streitig machen, auch wenn viele es immer wieder versuchen. Sie hätten lieber deinen Platz, deine Gaben, Fähigkeiten und Neigungen, deine Lebensumstände, dein Einkommen, deine Intelligenz, deinen Verstand, dein Wissen oder deine Gefühle. Sie sind mit sich selbst unzufrieden und deshalb voller Neid. Sie vergleichen sich mit dir, anstatt sich zu freuen, dass es dich gibt und sie dich kennen. Da du bist, bist du auch O.K. so, wie du bist und auch so, wie du wirst! Es ist dein Recht, dich zu orientieren, zu entwickeln, zu erproben und dabei zu wachsen, deinen Fuß auf den Lebensplatz zu setzen, der für dich bestimmt ist. Das hat nichts mit Wegnehmen zu tun, nichts mit Wettbewerb, mit gewinnen oder verlieren, mit einordnen oder ausschließen, mit gesteckten und gefährdeten Zielen, sondern mit alleine Akzeptanz, Toleranz und Würdigung des anderen; damit, das Lebensrecht der Nächsten anzuerkennen und mit ihnen das Leben zu teilen und gemeinsam zu tragen.
Wem gehört das Leben, eine Firma, eine Gemeinschaft? Wer darf darin bestimmen?
Wir leben (leider) in einer leistungsbetonten (unmenschlichen) Gesellschaft mit festen Normen, Zielvorgaben und Zielvereinbarungen, die uns aufgezwungen werden, weil andere sie (zum eigenen Vorteil oder die eigene Vision) für gut und richtig halten. Hier geht es um Management, nicht mehr um die Menschen, sondern darum, möglichst viel aus ihnen herauszuholen.
Ergebnisse ergeben sich aus gemeinsamem, freiwilligem Tun, Ziele aus Integration und Gemein-schaft. Die Summe des Ganzen ergibt sich aus den einzelnen Teilen und wenn es gut geht, ist die Gesamtsumme größer als die Summe aller Teile. Die Menschen stehen im Mittelpunkt, sie sind das Kapital. Die Menschen stehen im Mittelpunkt, nicht das geplante Produkt oder das für die Produktion benötigte Geld. Weil du bist, hast du ein anrecht angenommen zu werden und zu sein!
Du bist wichtig!
Jeder möchte wichtig sein, deshalb rangeln viele Menschen miteinander.
Jeder möchte einen Platz an der Sonne haben, dabei übersehen viele aber, dass die Sonne überall scheint und dass genügend Platz für alle ist. Die Sonne ist kein Scheinwerfer und das Leben keine Bühne. Es ist nicht wichtig oben oder im Vordergrund zu stehen, sich zu beweisen, mehr oder besser zu sein als andere, sondern jeder ist wichtig, weil er einzigartig ist, weil er anders ist. Wichtig ist, sich einzubringen, teilzuhaben, mitzugestalten und für andere vielfältig nützlich zu sein. Wichtig ist, mutig vorwärts zu gehen, Anfeindungen zu widerstehen, das Gute in sich groß werden und aus sich herausfließen zu lassen. Wichtig ist, andere anzunehmen, sie auf ihrem Lebensweg zu ermutigen und ihnen die eigene Form der Liebe und Zuneigung zu schenken.
Du bist schon deswegen wichtig, weil du du bist, weil du anders bist, weil du mein Gegenüber bist. Du bist deswegen wichtig, weil Gott dich so haben wollte, wie er dich gemacht hat. Du bist deswegen wichtig, weil du mein regulativ sein kannst und meine Ergänzung; weil wir aneinander erproben können, was uns schwerfällt; weil wir einander brauchen, um uns zu vervollkommnen.
Gefangen in mir, bleibe ich klein und unscheinbar; gemeinsam sind wir wichtig und bedeutsam.
1.Kor 12, 12 -22 Jeder wird gebraucht. So wie unser Leib aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen Leib bilden, so besteht auch die Gemeinde Christi aus vielen Gliedern und ist doch ein einziger Leib. Wir haben alle denselben Geist empfangen und gehören darum durch die Taufe zu dem einen Leib Christi, ganz gleich, ob wir nun Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie sind; alle sind wir mit demselben Geist erfüllt. Nun besteht aber ein Körper aus vielen einzelnen Gliedern und Organen, nicht nur aus einem einzigen. Selbst wenn der Fuß behaupten würde: «Ich gehöre nicht zum Leib, weil ich keine Hand bin!», er bliebe trotzdem ein Teil des Körpers. Und wenn das Ohr erklären würde: «Ich bin kein Auge, darum gehöre ich nicht zum Leib!», es gehörte dennoch dazu. Angenommen, der ganze Körper bestünde nur aus Augen, wie könnten wir dann hören? Oder der ganze Leib bestünde nur aus Ohren; wie könnten wir dann riechen? Deshalb hat Gott jedem einzelnen Organ des Körpers seine besondere Funktion gegeben, so wie er es wollte. Was für ein sonderbarer Leib wäre das, der nur ein Körperteil hätte! Aber so ist es ja auch nicht, sondern viele einzelne Organe bilden gemeinsam den einen Leib. Darum kann das Auge nicht zur Hand sagen: «Ich brauche dich nicht!» Und der Kopf nicht zu den Füßen: «Ihr seid überflüssig!» Vielmehr sind gerade die Teile des Körpers, die schwach und unbedeutend erscheinen, besonders wichtig.

