Formen der Freundschaft
Hallo Du,
es gibt Freundschaften, die halten ewig
und andere, die zerbrechen sehr schnell wieder.
Jeder Mensch wünscht sich dauerhaft bleibende, stabile Beziehungen,
Freundschaften für’s Leben,
getragen von gegenseitiger Zuneigung,
bestimmt durch hohes Vertrauen,
gefestigt durch gemeinsame Erlebnisse,
bewährt in persönlichen Krisen,
begleitet durch Nähe und anregende Gemeinschaft
und ausgezeichnet durch
gegenseitige Akzeptanz
gegenseitiges Verständnis
gegenseitiges Wohlwollen,
gegenseitige Ermahnung und Ermutigung,
sowie
gegenseitige Unterstützung.
In guten Freundschaften
kann und darf jeder so sein, wie er wirklich ist;
er kann sich so geben, wie er es gerade empfindet;
und er kann über seine Gefühle,
über seine Ängste, Sorgen und Hoffnungen,
über seine Freude, seine Trauer, seinen Schmerz und sein Leid
bedenkenfrei und ungeschützt reden,
weil er sich von echten Freundinnen und Freunden
bedingungslos angenommen weiß,
weil er ihnen vollkommen vertrauen kann und vertraut,
weil er weiß, dass ihnen sein Seelenheil am Herzen liegt
und weil er sich sicher ist, dass sie nur das Beste für ihn wollen.
In guten Freundschaften gibt es nichts Egoistisches.
Die Freundschaft lebt von der beidseitigen Freundschaft,
von der Vertrautheit und dem Vertrauen
und von der Ehrlichkeit und Offenheit.
Man kennt sich gegenseitig so gut,
dass man echt sein kann, spontan, offen, ehrlich und direkt,
dass man angstfrei und ungezwungen sein darf,
natürlich und ohne Hemmungen und Verstellungen,
dass man unabhängig und selbständig bleiben kann
und dass dem anderen nichts nachgetragen wird.
Spätestens wenn man in einer Freundschaft enttäuscht wurde, merkt man,
dass es verschiedene Formen der Freundschaft gibt
und,
dass „Freunde“ dabei unterschiedliche Motive haben können.
Das heißt, dass es auch Freundschaften gibt,
die einige der genannten Kriterien und nicht erfüllen
und aufgrund einer damit verbundenen Absicht
auch nicht erfüllen können.
Deshalb sollte man sich früh bewusst werden,
was die Freundschaft auf beiden Seiten trägt.
Dabei gibt es drei Grundmuster:
1. Die Freundschaft zum einseitigen oder gegenseitigen Nutzen.
Sie ist zwangsläufig egoistisch,
weil sie an einen persönlichen Nutzen gekoppelt ist,
auch wenn beide Teile bereit sind, einen adäquaten Gegenwert zu geben.
Sie löst sich wieder auf oder wird beendet,
wenn der Zweck der Freundschaft erfüllt ist oder unerfüllt bleibt,
wenn der erwartete Nutzen eingetreten oder nicht eingetreten ist,
oder,
wenn einer der Partner sich ausgenutzt fühlt und zurückzieht.
2.Die Freundschaft zur eigenen oder gemeinsamen Lust.
Sie ist ebenfalls ein zielgerichtetes, egoistisches Zweckbündnis,
das vorübergehend schön sein kann,
das jedoch nur an das Erleben von Gefühlen der Lust gebunden ist.
Dabei wird dem anderen nicht wirklich etwas von sich gegeben,
sondern oft wird nur ein unausgesprochener Handel eingegangen,
der z.B. lauten kann: Lust gegen Lust oder Sex gegen Zärtlichkeit.
Kommen in einer solchen Beziehung einseitige Liebesgefühle auf,
oder bleibt die ersehnte Lustbefriedigung aus oder wird sie eintönig oder einseitig,
dann wird der Freund oder die Freundin schnell uninteressant
und man sucht nach einer anderen, besseren Alternative.
3. Die Freunschaft zum Guten des Freundes bzw. der Freundin.
Dauerhaft tragend sind nur die Freundschaften zum Guten,
Freundschaften, die nichts vom anderen erhoffen, erwarten oder verlangen,
in der aber beide Teile bereit sind,
ohne Gegenleistung vieles für den anderen zu tun, damit es ihm gut geht.
Das sind Freundschaften, die nichts vom anderen wollen, sondern die geben,
die ohne Zweck oder Absicht, die ohne Lust und Verlangen sind,
die nur auf Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe gegründet sind
und die sich alleine durch Zuneigung, ‚verstanden werden’, ‚geborgen sein’,
und ‚sich wohlfühlen’ ergeben und alleine dadurch tragend und erfüllend sind.

