Ein Brief vom Nikolaus
Hallo Du,
ich höre Dich schon sagen,
was ist denn das für eine komische Nummer?
Den Nikolaus gibt es doch gar nicht,
der ist doch nur eine Erfindung für Kinder!
Und ich sehe Dein Misstrauen und Deine Vorsicht,
Deinen Argwohn, dass da jemand etwas von Dir will
und seine wahre Absicht originell versteckt.
Beide Vorbehalte sind unbegründet:
Es gibt mich wirklich, allerdings nicht so,
wie Du Dir das vielleicht vorstellst;
und verkaufen möchte ich Dir auch nichts;
vielmehr schenke ich Dir die Zeit,
die Du für das Lesen meines Briefes brauchst.
Lieber Mensch,
ich sehe, wie Du Dich täglich abmühst,
immer wieder von neuem Dein Tagwerk vollbringst;
ich sehe Deine Unzufriedenheit darüber,
dass es nicht immer so gelingt, wie Du es Dir vorstellst;
ich sehe Deine Freude,
wenn es doch gelingt,
wenn Du über Dich hinauswächst
oder wenn Dir etwas unerwartet Angenehmes widerfährt;
ich sehe Deine Furcht und Unsicherheit,
wenn Du nicht weißt,
wie es weitergehen soll
oder was Du tun oder besser nicht tun solltest;
ich sehe Deinen Unmut,
der Dich immer wieder überkommt,
wenn etwas
mit dem Freund oder der Freundin,
mit dem Partner oder der Partnerin,
mit dem Kind oder den Kindern,
mit den Eltern,
mit den Arbeitskollegen und –kolleginnen,
oder in der Gemeinschaft, in der Du lebst,
nicht richtig funktioniert;
ich sehe Deine Enttäuschung darüber,
dass alle Menschen
Deinen hohen Vorstellungen und Erwartungen nicht gerecht werden,
weil sie eben nur Menschen und menschlich sind,
selbst Du nicht Deinen Eigenen gegenüber.
Aber,
ich sehe auch Deine Sehnsucht
und Deine beiden Wünsche, nämlich:
Gut zu sein,
gütig, mild und freundlich,
wohlwollend, nachsichtig und liebevoll zu sein,
und Gutes zu tun,
selbstlos, aufrichtig und herzlich,
entgegenkommend und sanftmütig
anderen Freude zu bereiten.
Ja, dass sind Eigenschaften,
die Ihr Menschen in mir, dem Nikolaus seht.
Und weil ihr sie in mir sehen könnt und kennt,
sind sie auch in Euch und ein Teil von Euch.
Immer, wenn ihr anderen
Eure Aufmerksamkeit und Zuneigung,
Eure Herzenswärme und Liebe schenkt,
werden sie freigesetzt, Gutes zu bewirken,
rückwirkend auch für Euch selbst.
Ich finde es sehr schön,
dass auch Du diese Eigenschaften besitzt
und dass auch Deine Herzensgüte Dich drängt,
gut zu sein und Gutes zu tun;
dass auch Deine Seelengüte Dich veranlasst,
egoistisches Denken und Handeln zu überwinden
und anderen verständnisvoll zu begegnen;
dass auch in Dir ein gütiger, liebevoller Nikolaus steckt,
ein helfender Engel, der unerkannt Gutes tut.
Ich danke Dir für Deine Aufmerksamkeit,
dafür, dass Du meinen Brief gelesen hast
und auch dafür, dass Du wieder an mich,
aber besonders auch wieder an Dich selbst glaubst.
Auch wenn Du nur am 6. Dezember an mich denkst,
so begleite ich Dich doch durch jeden Tag,
damit Du täglich jemanden mit Deiner Güte beschenken kannst.
Dein Nikolaus

