Verändernde Wünsche
Hallo Du,
bald ist Weihnachten
und ich erinnere mich daran,
dass ich als Kind in der Adventszeit
einen Wunschbrief schreiben durfte,
einen Brief an den Weihnachtsmann,
der meine Wünsche verstand
und der mich glücklich machen wollte.
In diesen Briefen standen viele Wünsche,
wichtige und unwichtige,
kurzfristige und langfristige,
nächstliegende,
machbare und unmachbare.
Und zum Glück gab es ja noch Mama,
die Ordnung in meine Wünsche brachte
und dafür sorgte, dass z.B.
Nüsse, Obst und Plätzchen zum sofortigen Genuss,
ungewünschte Schuhe, zum notwendigen Gebrauch,
und der sehnsüchtig erhofften Roller
oder das intensiv ersehnte Fahrrad
bei den Geschenken waren
und auch dafür,
dass viele Wünsche unerfüllt blieben,
die ich mir wieder wünschen konnte
und die mein Sehnen
und meine Vorstellungskraft wachsen ließen.
Was wäre, wenn der Wunsch erfüllt wäre?.
Was hätte sich verändert?
Ja, was brauche ich wirklich?
Was bedrückt mich,
was weckt und verfolgt mich,
was lähmt mich,
was treibt mich um und macht mich unruhig,
was lässt mich aufleben, aktiv werden, reifen und wachsen?
In meinen Wünschen erkenne ich
meinen Mangel und meine Unerfülltheit,
das, was mir fehlt,
das, wonach ich mich intensiv sehne,
das, woran ich meine Schritte ausrichten kann und muss.
Meine Wünsche verstärken
meine Sehnsucht nach Veränderung;
sie setzen Kräfte frei,
die mich unruhig machen,
umtreiben und aktiv werden lassen,
antreiben endlich aufzubrechen und zu handeln;
sie geben mir Orientierung,
um endlich das unbefriedigende Bekannte zu verlassen
und mutig im Neuen und Ungewissen zu suchen.
Aus der Spannung zwischen
erbärmlicher Realität
und verbessernder Vision
will und kann neues Leben wachsen.
Aus ihr entsteht die unbändige Kraft,
die Resignation und Trägheit überwindet.
Meine Wünsche haben sich verändert,
aber ich bin froh, dass ich noch Wünsche habe,
denn hätte ich keine mehr,
hätte ich resigniert
und mich vom Leben zurückgezogen.
Mir würde das Feuer des Lebens fehlen
und ich würde an mir vorbeileben.
Ich wünsche mir immer das,
von dem ich glaube, dass es gut für mich ist
und was gut für mich ist,
dass ist auch gut für die anderen.
Heute habe ich erkannt, dass es gut ist,
wenn nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen
und,
dass ich bei den erfüllungswürdigen Wünschen
kräftig mithelfen muss,
dass ich meinen Teil dazu beitragen
und mich dafür vorbereiten und verändern muss.
Ich wünsche mir nicht mehr das oberflächliche Glück,
sondern ich möchte glücklich sein.
Ich möchte ein besseres, lebendigeres
und schöneres Leben führen,
ein Leben,
das meinen Veranlagungen und Fähigkeiten entspricht,
sie zur Geltung kommen lässt,
sie sinnvoll nutzt,
meinem Sein einen Sinn gibt
und das mich erfüllt.
Ich stelle mir vor,
wie ein besseres Leben aussehen könnte,
was sich ändern müsste,
was ich ändern müsste und muss
und erlebe,
wie bereits meine Wünsche
die Wirklichkeit beeinflussen und gestalten.
Meine Wünsche lassen mich erkennen,
ob das, was ich tue,
zielfördernd oder zielhemmend ist
und ich lerne,
meine Schritte auf meine Wünsche hin auszurichten.
Ich lerne, meine Kräfte zu bündeln,
und mich nicht mit Unwichtigem zu verzetteln.
Ich lerne, auf spontane,
vorübergehende Bedürfnisbefriedigung zu verzichten,
weil das meinen Leidensdruck unterbricht und hinauszögert
und weil es mir die Kraft zum nachhaltigen Handeln raubt.
Ich lerne, dass nur die Wünsche,
die ich mit ganzem Herzen
und mit voller Leidenschaft wünschen kann,
sinnvolle Wünsche sind.
Ich lerne, dass ich meine Wünsche
aussprechen und bekannt geben muss,
um zu zeigen, dass sie mir sehr wichtig sind
und dass ich voll und ganz dahinterstehe
und dass sie nur dann Wirklichkeit werden können,
wenn sie ausgesprochen werden.
Ganz unbescheiden habe ich sechs Wünsche:
-
- Mich selbst zu kennen,
- eine gelingende Beziehung zu haben,
- in lebendiger Gemeinschaft zu leben,
- sinnerfüllende Arbeit zu tun und
- mit Gott zu sein.
Das ist für mich wirklicher Reichtum
und das würde mich
zu einem glücklichen Menschen machen.
Deshalb wünsche ich mir abschließend,
dass diese Wünsche
für alle Menschen Wirklichkeit werden.

