Aufmerksam Gott bemerken (Joh 3,8)
Es ist damit wie beim Wind: Er weht, wo er will. Du hörst ihn,
aber du kannst nicht erklären, woher er kommt und wohin er geht.
(Joh 3,8, HfA)
Hallo Du,
Gott ist da, ob du es willst oder nicht, ob du es bemerkst oder nicht.
Ist dir das bewusst? Lebst du bewusst? Siehst und hörst und fühlst du bewusst?
Rechnest du mit ihm? Erkennst du sein Wirken um dich herum und an dir?
Er leitet uns mit leichten Impulsen, mit leisen Eingebungen, mit aufkeimenden Ideen, mit
vorsichtigem Antrieb zu etwas hin, von dem wir noch nicht wissen, dass es wichtig ist.
Er möchte, dass wir durch sachte Anstöße und in seine Richtung gehen, damit wir unsere
vorgezeichnete Lebensaufgabe und Bestimmung finden, mit ihm gemeinsam.
Doch, meist sind wir dafür uneinsichtig und schwerhörig, weil wir in einer Höhle des
Selbstbezugs leben, darin stark auf eigene Ziele, Gedanken und Gefühle ausgerichtet sind.
Nur wollen, was gerade reizvoll ist, was wir erwarten und was unseren Vorstellungen
entspricht oder, in die wir uns überfordert, verängstigt und schutzsuchend zurückgezogen
haben.
Was da nicht reinpasst, wird überhört, übersehen, ignoriert und weggefiltert. Leichte und
leise und sachte Impulse erscheinen uns nebensächlich und unwichtig. Stattdessen zieht uns
das Überdeutliche und Laute und Mächtige in seinen Bann. Es drängt sich auf. Es fasziniert
und beeindruckt. Es nimmt für sich ein und lenkt vom Wesentlichen ab. Es verhindert
Besinnung.
In 1. Könige 19 wird von dem großen Propheten Elia Folgendes erzählt:
Da antwortete ihm der HERR: »Komm aus deiner Höhle heraus und tritt vor mich hin!
Denn ich will an dir vorübergehen (mich dir zeigen).« Auf einmal zog ein heftiger Sturm auf,
riss ganze Felsbrocken aus den Bergen heraus und zerschmetterte sie. Doch der HERR war
nicht in dem Sturm. Als Nächstes bebte die Erde, aber auch im Erdbeben war der HERR
nicht.
Dann kam ein Feuer, doch der HERR war nicht darin. Danach hörte Elia ein leises Säuseln
(und darin erkannte er ihn). (1.Könige 19,11-12; HfA)
Aber: Wozu sollte es gut sein, das Sanfte und Leise und Rücksichtsvolle zu beachten?
Und: Wozu brauchen wir Gott, wenn es uns doch einigermaßen gut geht und wir ihn auch
gar nicht vermissen?
Was wir nicht kennen, vermissen wir auch nicht. Was wir nicht sehen wollen, übersehen wir.
Neues, Fremdes, hat oft etwas Bedrohliches und Verunsicherndes. Es erscheint uns
herausfordernd und anstrengend. Es ist ungewohnt. Es fühlt sich falsch an. Wir bleiben
lieber im alten, vertrauten Trott (Elend), den wir kennen und versuchen, alles
Verändernde und noch Unbekannte zu meiden.
Neues, kann aber auch notwendige Ergänzung und Weitung sein, eine Chance zur Abkehr
von Schlechtem und Hinwendung zum Besseren. Es darf behutsam geprüft werden. Es darf
vorsichtig ausprobiert werden. Es darf aufmerksam erkundet werden. Und wenn es gut ist
und guttut, heilsam und hilfreich und förderlich ist, nicht aber schädlich beherrschend, dann
darf es auch weitend übernommen werden.
Gott drängt sich nicht auf. Liebe drängt sich nicht auf. Ein Wegweiser drängt sich nicht auf.
Jesus als Vorbild drängt sich nicht auf. Sie sind einfach nur da. Wir können sie aufmerksam
bemerken.
Wir könnten vielleicht feststellen, dass es leichter ist, uns nicht nur auf uns selbst zu
verlassen, sondern einen starken Beistand zu haben, der uns kennt. Der alle möglichen
Wege kennt und genau weiß, wohin sie führen. Der nur das Beste für uns will, weil er uns
liebt. Den es schmerzt, wenn wir uns unachtsam irgendwohin verrennen und deswegen die
erhebenden Freuden und Schönheiten des Lebens verpassen.

