Den Geist mehren
Hallo Du,
schon früh wird uns beigebracht,
dass wir stark sein
und dafür fleißig lernen müssen;
je mehr, desto besser.
Und also lernen wir,
von unseren Eltern und Verwandten,
von unseren Freunden und Freundinnen,
von Bekannten und Fremden,
in der Schule und im Leben.
Wir lernen und lernen;
wir vermehren unser theoretisches Wissen
und lernen, unseren Verstand zu gebrauchen.
Wir lernen denken.
Wir werden kopf- und willensstark
und leben schließlich im Kopf
und aus dem Kopf heraus.
Unser Verstand dominiert, bestimmt und lenkt uns.
Die Wortbedeutungen
von Verstand und Geist vermischen sich.
Der menschliche Geist wird definiert
als geistige Eigenschaft
und intellektuellen Begabungen,
als denkendes Bewusstsein
und Fähigkeit, zu denken.
„Benutze Deinen Geist!“
wird häufig gleichgesetzt mit
„Benutze Deinen Verstand!“,
doch zwischen Geist und Verstand
besteht ein himmelweiter Unterschied.
Wir können unseren Geist anstrengen
und unseren Scharfsinn bemühen
und benutzen doch nur unseren Verstand.
Verstand kommt von verstehen,
und verstehen kann ich nur,
was mir verständlich ist oder wird,
was mir gut und zusammenhängend erklärt wird,
was ich logisch ableiten und nachvollziehen kann
oder was mir das Leben als Zusammenhang gezeigt hat.
Der Geist aber ist viel mehr!
Ihm kann man nicht verstehen,
denn er ist viel zu komplex.
Er ist Unterbewusstsein und Bewusstheit,
Wesen und Haltung,
Denkart und Denkweise,
Einstellung und Gesinnung,
Erfahrung und Charakter
und letztlich auch Verstand und Bildung.
Er ist
die abstrakte Verbindung,
der kreative Sprung,
Erklärung und Gehalt.
Er ist das, was alles verbindet,
das, was gemeint, aber nicht gesagt ist,
das, was mich göttlich füllt und erfüllt,
das, was mich ausmacht.
Er ist die Summe meines
Ursprungs, Wesens und Seins.
Mein Wissen und mein Verstand
sind nur ein kleiner Teil davon.
Es ist nicht der Verstand, der uns ausmacht,
sondern der Geist in dem wir leben,
von dem wir uns leiten lassen.
Unser Wunsch und unser Trachten ist es,
den Geist in uns zu mehren,
nicht,
ihn durch Wissen und Klugheit zu vermehren,
sondern unseren Verstand so weit zurückzunehmen,
damit unser göttliches Wesen,
der heilige und verbindende Geist,
zur Geltung und Bestimmung kommt.
Es ist wie mit dem Wort.
Das Wort ist nur Träger des Sinns,
der darin enthalten ist;
es ist Träger des Geistes,
des Gehaltes und der Bedeutung,
die darin verborgen sind
und die wir mit unserer Phantasie
und Vorstellungskraft beleben,
es ist aber nicht der Geist selbst.
Den eigenen Geist kann ich nicht vermehren,
er mehrt sich von alleine,
indem ich ihn zulasse und wirken lasse,
indem ich den Geist anderer
nicht ausschließe, sondern daran teilhabe,
indem ich meinen Geist mit dem von anderen verbinde
und mit ihnen im Geiste zusammenwachse,
indem wir unsere Fähigkeiten ergänzen
und an einem gemeinsamen Ziel zur Geltung bringen,
indem wir im gleichen Geist
denken, fühlen, handeln und wirken.
Dann werden Einfall und Eingebung,
Gedanke und Idee zur Inspiration,
zum göttlichen, schöpferischen, genialen Funken.
Dann ist Gott Geist und wirkt durch uns.

