Gott spricht nicht mit mir!
"Mit Gehör werdet ihr hören und doch nicht verstehen,
und sehend werdet ihr sehen und doch nicht wahrnehmen;
denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den
Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie
geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und
mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und
sich bekehren und ich sie heile." (Mt 13,14-15)
Hallo Du,
immer mal wieder höre ich von (ver)zeifelnden Menschen die Aussage:
'Gott spricht nicht mit mir!' oder 'Gott spricht nicht mehr mit mir!'
Das gibt zu denken.
Hat Gott keine Zeit oder keine Lust, zu reden?
Oder sind ihm die Sorgen und Nöte dieser Menschen gleichgültig?
Oder hat er etwa genug von ihnen, die Nase voll?
Gott ist Liebe und Liebe hat und nimmt sich immer Zeit für den anderen.
Gott ist Liebe und für die Liebe ist es eine große Freude, für andere da zu sein.
Gottes Name ist: 'Ich bin da!' Jederzeit und überall, unabhängig von unserem Befinden.
Und wer liebt, der hat nie genug vom Geliebten.
Und, da Gott allgegenwärtig ist, kann er nicht körperlich sein. Also hat er keine Nase,
und schon gar nicht die Nase voll.
Woran zweifeln, verzweifeln diese Menschen?
Lassen ihre Sorgen sie vergessen, wer das Sagen hat, wer das Universum lenkt?
Erwarten sie zu viel?
Sind sie so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie sonst nichts mehr sehen oder hören?
Sieht ihr Kopf sich so sehr im Mittelpunkt, dass ihr Herz für Gott verschlossen ist?
Reden sie so viel, dass sie nicht zuhören können?
Wer sich zu viel um sich selbst sorgt, ist voller Sorgen.
Und Sorgen sind Ängste. Sie machen blind und taub und verloren.
Gott spricht ständig mit denen, die ihn suchen.
Nur mit dem Herzen hört man ihn.
Er spricht zu uns im Gewissen, in der Intuition und der Inspiration,
in Gefühlen und Empfindungen, in der Angst und auch in der Freude.
Und er spricht zu uns mit seinem biblischen Wort.
Wir müssen es nur lesen und dafür offen sein.
Und wenn er tatsächlich mal nichts zu sagen hat, dann liegt das wohl eher an uns,
weil wir uns nicht so gerne etwas sagen lassen, egal von wem.
Dann hören wir lieber weg und überhören unangenehme Wahrheiten.
Richtig ist wohl, dass Gott nicht mit tobendem Brausen, mit übertönender Stimme
oder aufdringlichem Zureden mit uns spricht, sondern mit leisem Säuseln, mit
flüsternden Worten, mit unaufdringlichen Hinweisen, die man nur wahrnimmt,
wenn man sich Zeit nimmt, zur Ruhe kommt und zur Besinnung.
Wer Gott sucht, der wird ihn finden.
Wer sich ihm zuwendet, für den ist er da.
Wer bei ihm mit Bitten anklopft, der erhält.
Der erhält, was ihm zugedacht ist, was gut für ihn ist.
Andere Bitten erfüllt Gott nicht.
Und wer trotzdem darauf besteht, kann lange warten,
auch wenn er sich bei anderen darüber beschwert,
dass Gott nicht mit ihm spricht.
Gott drängt sich nicht auf.
Liebe drängt sich nicht auf.
Liebe lässt eine lange Leine und vertraut.
Liebe respektiert den freien Willen des anderen, auch wenn es schmerzt.
Nur wer freiwillig zu Gott kommt, akzeptiert ihn und traut ihm etwas zu.
Nur wer freiwillig zu Gott kommt, kommt gerne und immer wieder zu ihm.
Nur wer freiwillig zu Gott kommt, will hören und lässt sich etwas sagen.
Nur wer freiwillig zu Gott kommt, vertraut ihm und dem was er gibt.
Und Gott muss sich nicht ständig bestätigen und auch nicht mich oder dich.
Wir sind nach seinem Bilde, nach seinem Wesen gemacht, liebevoll.
Sei, wie du bist. Tue mit Anstand, was zu tun ist. Benutze deine Begabungen.
Verharre nicht, sondern gehe vorwärts - mit Gottvertrauen.
Er ist da. Er ist mit dir. In deiner Liebe zeigt er sich.

