Die Weitsicht des Alters (Ps 32,8)
Hallo Du,
jedes Kind kommt mit einer Lebensaufgabe zur Welt. Es soll leben, durch ‚Sich‘ dem Leben
hingeben! Zum Glück kann es noch nicht denken und reden, denn es würde wahrscheinlich
sagen: Das schaffe ich nicht. Diese Aufgabe ist für mich zu groß!
Und so wächst das Kind an jedem weiteren Tag und lernt immer mehr dazu. Auch, weil
andere ihm dabei helfen. Auch, weil Gott es zu seiner Bestimmung führt. Tag für Tag und
Schritt für Schritt.
Das Kind fragt sich nicht, ob und wie es lebt. Es lebt einfach. Es handelt und erlebt, es wird
geliebt und liebt. Es lebt aus sich heraus - im vorgegebene Rahmen, aus dem heraus, was
in es gelegt wurde und was es gelernt hat.
Sein Tun wird stimmig durch den Aufgabengeber, der das Kind in seinen Plan einfügt und
zu seinem Ziel hinführt.
Wir sind seine Helfer, jede und jeder auf seine ganz eigene Weise, alle mit ihrem
unterschiedlichen Wirken. Wir wissen nicht, wie die Kathedrale einmal aussehen wird,
an der wir mit bauen. Und wir wissen auch nicht, was in ihr einmal geschehen wird. Aber
wir wissen: Unser Leben einer der Bausteine, aus denen sie errichtet wird, aus denen das
Reich Gottes gebaut wird. Dank sei dem Baumeister, der den Bau plant und unser Tun
begleitet und der uns in dieser Lebensaufgabe formt. Ihm setzen wir ein Denkmal –
und er uns!
Im Rückblick erkenne ich, dass ich früher, aus eigenem Streben, viele Aufgaben
angenommen habe, die für mich viel zu schwer waren. Sie zu erledigen, war deswegen
anstrengend und mühsam. Aber, ich bin in ihnen schneller gewachsen. Ich habe mein
Bestes gegeben. Den großen Rest zum Gelingen hat aber immer der Schöpfer erledigt.
Es gibt Menschen die sagen, ich sei im Leben sehr mutig gewesen. Andere sagen, ich sei
sehr eher dumm gewesen, mich auf solche Herausforderungen einzulassen.
Beides stimmt nicht. Ich bin nur meinen Weg gegangen. Er ging durch tiefe Täler, aber auch
auf Hügel und Höhen. Immer war ich begleitet und geführt.
Mein Lebensrückblick ist wie der Blick von einem hohen Berg. Ich überblicke und schaue
mit Weitsicht auf mein Lebenspanorama. Und ich erkenne erfreut in allem Gewesenen
die Größe und Kraft Gottes und seine weise Führung und Fügung darin.
Höhen und Tiefen, Gut und Schlecht, haben ihre Bedeutung. Ebenso Freude und Leid.
In Grunde sind das alles Wegweiser zum Ziel hin.
Letztlich wachsen wir aus Liebe, hin zur Liebe. Wir wachsen hinein in den Wechsel von
Nehmen und Geben. Wir wachsen über unser kleines Ich hinaus, hin zu Gott. Unser Leben
ist gespeist aus seiner Gnade und Güte und dient zu seiner Herrlichkeit und Ehre, an denen
wir Anteil bekommen.
Amen.
´Du hast zu mir gesagt:` »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen
sollst. Ich will dich beraten und immer meinen Blick auf dich richten.« (Ps 32,8; NGÜ)

