Macher und Lasser
Hallo Du,
unsere Gesellschaft ist darauf eingestellt, dass alle im Leben und im Beruf aktiv zupacken und gestalten. Im Beruf am besten so, wie der Arbeitgeber es verlangt, im Privaten so, wie es für die Familie, die Umstände und die Erfordernisse angemessen ist. Ohne Bewertung der jeweiligen Situation und ohne den Filter des Wollens oder Müssens gibt es keine Entscheidung und ohne Entscheidung kein Tun und keine Problemlösung. Dann wachsen uns irgendwann unsere Probleme über den Kopf. Um nicht überrollt zu werden, müssen wir funktionieren, sofort, möglichst perfekt und fehlerfrei. Wer nicht (mehr) funktioniert wird ausgesondert. Wir befinden uns in einer gewollten und instrumentalisierten Abhängigkeit. Der Rubel muss rollen und Steuern müssen fließen. Ansprüche müssen erfüllt werden. Und schließlich: Gute Werke erhöhen das Ansehen. Verlierer fallen durchs Netz und werden vergessen. Sie sind ja selbst schuld.
Wir werden am Machen und unserem Tun gemessen. Manche reden viel und lassen machen, manche reden viel und machen wenig und manche machen viel (vielleicht auch zu viel) und reden wenig. Bedenklich dabei ist, dass wir glauben wir müssten ständig etwas machen; dass wir denken, dass wir etwas bewirken müssen. Wir fühlen uns schlecht, wenn wir nichts machen. Und da machen wir lieber etwas zur eigenen Spannungsreduktion ohne Rücksicht darauf, ob das was wir dann tun sinnvoll, erwünscht oder liebevoll ist. Und oft drängen wir uns dabei auf, übergehen wir andere oder bevormunden sie. Wir sehen und behandeln sie wie unmündige Objekte. Hauptsache wir fühlen uns gut; Hauptsache wir haben etwas gemacht. Unser verfestigter Wille führt uns dabei leicht in hektische Umtriebigkeit und blinden Aktionismus, in selbstgefällige Überschätzung unserer Möglichkeiten und Zuständigkeiten sowie in eine ehrlose Betrachtung von anderen und anderem als unfähig. Die Macher sind erfolgreiche Entscheider, Beurteiler, Siegertypen- jedenfalls glauben sie das gerne.
Eine solche Sicht- und Handlungsweise ist unwürdig, intolerant und unsozial, auch wenn viele das anders sehen. Blinde Macher haben die Welt an den Rand des Ruins geführt. Sie dachten, sie wüssten mehr und alles besser - wenn sie überhaupt dachten.
Dieser zunächst einseitigen Betrachtung stelle ich den Lasser gegenüber; den, der den Dingen ihren Lauf lässt, der Raum lässt, der zulässt und gelassen bleibt. Ein Lasser vertraut Gott mehr als sich selbst. Ein Lasser erkennt die Bedeutung von allem und dessen Sinn. Er sieht sich als Teil vom Ganzen und auch seine Beschränktheit. Er beschränkt sein Tun auf seine Fähigkeiten und Begabungen und vertraut auf die Stärken der anderen. Ein Lasser ist kein bequemer oder gleichgültiger Faulenzer und Drückeberger, sondern jemand, der seine Stärken und Grenzen kennt und auf die Weisheit, Güte, Gnade und Barmherzigkeit Gottes vertraut. Er erkennt Fügung und Führung an und will nicht mit dem Kopf durch die Wand.
Nun wäre es kurzsichtig, den Macher zu verteufeln und den Lasser zu verherrlichen. Beide Seiten unseres Wesens haben ihre Berechtigung. Für die Pflichten sind wir Macher, für die Kür aber besser Lasser. Erfreuen wir uns lieber an der Freundlichkeit Gottes und an dem was er uns täglich zur Freude gibt. Vertrauen wir doch mehr auf seine Güte und Liebe. Setzen wir auf seinen Geist, der uns verändern wird, wenn er es für nötig hält. Lassen wir ihn an uns Wirken und Bewirken. Lassen wir Gott in unserem Leben zu. Aus Dankbarkeit werden wir zu anderen Menschen.

