Auf der Suche Mt 7,7-8)
Hallo Du,
wir alle sind Suchende,
wenn es uns schlecht geht mehr,
wenn es uns gut geht weniger.
Wir suchen, ohne zu wissen wonach,
aber wir haben die berechtigte Hoffnung und die ungewisse Ahnung,
dass wir tatsächlich etwas finden werden,
auch wenn wir noch nicht wissen, was es sein wird.
Im Grunde suchen wir uns selbst,
unsere Wurzeln, unser Wesen, unsere Bestimmung.
Wir suchen unseren Platz im Leben.
Wir suchen Antworten auf unsere Grundfragen:
Woher komme ich?
Wer bin ich?
Wozu lebe ich?
Und wenn wir uns selbst suchen,
dann suchen wir zwangsläufig auch nach Gott,
nach dem, aus dem wir sind,
nach dem, der größer ist als wir selbst,
nach dem, der uns Fundament, Vermögen und Richtung gibt,
nach dem, der uns Antworten auf unsere vielen Fragen gibt.
Die Bibel ist eine Sammlung von menschlichen Fragen und Erkenntnissen.
Sie lässt uns unsere Ecken, Kanten und Grenzen erkennen,
aber auch unsere Tugenden und Möglichkeiten.
Sie macht uns bewusst, dass wir mehr sind, als wir zu sein glauben.
Sie weitet unsere Sichtweise und ermutigt uns, über unsere Grenzen hinauszuwachsen.
Sie verbindet uns mit unserer Ursprünglichkeit,
aus der wir Kraft zum liebevollen Tun und Gestalten schöpfen.
Je mehr ich mich selbst suche und hinterfrage,
je mehr ich mich selbst in Tun erprobe,
desto mehr finde ich mich, desto mehr erkenne ich mich,
desto mehr Antworten finde ich zu meinen Grundfragen.
Und je mehr ich mich kennenlerne, mein wunderbares Wesen,
desto mehr lerne ich Gott kennen und desto mehr finde ich ihn in mir selbst.
Woher weiß ich, dass ich Gott in mir und in meinem Wesen gefunden habe?
Ich weiß es von Jesus,
der mir gezeigt hat, wer und wie Gott ist,
der mir vorgelebt hat, was Gott in mir ausmacht,
der mich zu Gott geführt hat.
Ich erkenne es aber auch an den Veränderungen in mir,
an anderen Werten und Zielen, an anderen Einstellungen,
an zunehmender Erkenntnis und liebevollem Verständnis,
an der fortschreitenden Ausprägung meiner Gaben und Fähigkeiten,
an Standfestigkeit, Klarheit, Umsicht und Weitblick.
Wir suchen intensiv nach unseren Wurzeln und übersehen dabei,
dass wir bereits ein lebender Baum mit Stamm, Ästen, Blattwerk und Krone sind.
Wir suchen nach unserer Erdverbundenheit und Menschlichkeit und übersehen dabei,
dass wir auf dem Boden unserer Tatsachen stehen und Mensch sind.
Wir suchen nach unseren individuellen Zielen und übersehen dabei,
dass wir bereits auf unserem Weg sind, der uns zum Ziel führen wird.
Wir suchen nach Verwurzelung, nach festem Halt, und übersehen dabei,
dass Gott uns seit Langem nährt und hält,
ja dass er uns sogar bereits bei unserem Namen gerufen hat,
denn sonst würden wir ja nicht suchen.
Wir stehen dort, wo wir uns hinstellen.
Wir halten uns an dem fest, womit wir uns umgeben.
Wir verwurzeln uns dort, womit wir uns beschäftigen.
Wir wachsen dorthin, wohin wir streben.
Deshalb hat unsere Suche eine Schwachstelle:
Oft suchen wir etwas ganz Bestimmtes und übersehen dabei,
was uns an „Nebensächlichem“ begegnet.
Wir halten es für Unwichtig, vielleicht sogar als störend.
Wir sind so auf das Suchen fixiert,
dass wir das Andere, das Ergänzende, dabei nicht mehr finden.
Wir sind auf eine spezielle Antwort fixiert
und lassen die vielen nichtgesuchten Antworten unbeachtet.
Dabei hat alles was uns begegnet einen Sinn.
Die Begegnung verbindet uns damit
und wir können darin etwas über uns selbst herausfinden,
z.B. über unsere Einstellung dazu,
über unseren Umgang damit oder über unser Verhältnis dazu.
Ich finde mich durch uneingeschränkte Aufmerksamkeit.
Ich finde mich in meinem Verhältnis und Verhalten zu etwas oder zu jemandem.
Ich finde mich hinter meinem „Ich“.
Ich finde mich durch „hoffendes darauf einlassen“,
durch „vertrauensvolles loslassen“ und durch „beherztes anfassen“.
Ich finde Gott,
wenn ich mich von ihm finden lasse,
wenn ich mich auf ihn einlasse,
wenn ich ihm die Führung überlasse
und in „seinem Geist“, also liebevoll, agiere.
Ich erlebe Gott,
wenn ich mich ihm gegenüber öffne, ihn in mir zulasse
und ihn konkret bitte, zu geben, was andere und ich brauchen.
Ich erkenne Gott und sein Wirken,
wenn ich mich mit seinen Augen betrachte und Jesus zum Beispiel nehme.
Jesus sagt: „Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden!
Klopft an, dann wird euch die Tür geöffnet!
Denn wer bittet, der wird bekommen. Wer sucht, der findet.
Und wer anklopft, dem wird geöffnet.“ (Mt 7,7- 8)
Zu Beginn der Suche habe ich viele Fragen und nur wenige Antworten.
Auf dem Weg mit Gott zu Gott nehmen die Fragen ab und die Antworten zu.
Am Ende der Suche habe ich dann ganz viele Antworten und suche die Fragen dazu.
GsJC.

