Ordnung ins Tohuwabohu (1.Mose 1,1-2-4)
Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und die Erde war ungeformt, wüst und
lebensfeindlich (hebr. 'tohu wa bohu') und Finsternis war über den ungestümen Fluten;
doch der Geist Gottes schwebte über den Wassern. (1.Mo 1,1-2)
Hallo Du,
kennst du die Schöpfungsgeschichte? "Na klar", wirst du sagen, "die steht in der Bibel ganz
am Anfang. Damit fing doch alles an."
Richtig! Die Bibel behandelt die Erschaffung unseres Planeten ganz am Anfang, in den beiden
ersten Versen. So stellte man sich das vor. Wichtig ist dabei der Gottbezug. 'Im Anfang schuf
Gott' und 'der Geist Gottes schwebte über den Wassern'. Geologen sehen das vieleicht
anders.
Heute könnte man die beiden Eingangsverse auch so formulieren:
1. Am Anfang, als alles noch bei Gott war, suchte er ein Wesen als sein Gegenüber. Dafür
schuf er das Universum und darin die Galaxien mit den Sternen und Planeten, darunter auch
die Erde als Heim für Menschen nach seinem Bilde.
2. In der Anfangszeit herrschte auf der Erde das Tohuwabohu. Sie war 'tohu' (ungeformt und
wüst) und 'bohu' (geistig leer, ohne Lebewesen). Sie war lebensfeindlich, ungeordnet und
zerstörerisch. Auf ihr gab es ein heilloses Durcheinander, chaotische Zustände, ein Wirrwarr
von wilden Gewalten und formenden Kräften, ein Zustand geistiger Wüste und Leere.
Doch über allem war Gottes Geist, seine Liebe, sein Wille und Plan, den Urzustand so zu
ordnen, damit sein Gegenüber einen wohnlichen Lebensraum habe, in dem es im Geist mit
ihm verbunden ist und er schließlich als Herr erkannt wird, der durch alles und in allem wirkt.
Ein solches Durcheinander bzw. Chaos ist für Leben ungeeignet. Sollte es durch eine
Katastrophe in geordnete Verhältnisse eintreten, ist das schlimm, übel, bedrohlich,
gefährlich, zerstörerisch oder gar vernichtend. Die Folgen sind dann neben Verwüstung auch
Not, Leid, Elend oder Tod. Das bezeichnen wir allgemein als 'das Böse'. Wir nennen böse,
was unser Leben bedroht, beeinträchtigt, vergiftet, zersetzt oder beendet, alles was
lebensfeindlich ist. Wie auch der Begriff 'das Gute' ordnet und kategorisiert er unser Denken
und hilft, uns im Leben zurechtzufinden.
Diese Einstiegsverse sind aber nur Grundlage und für das, was danach folgt. Was folgt?
Gott ordnet das Chaos. Er spricht sein Wort und seinen Geist in die Unordnung und sie
ordnet sich. Er spricht in die Gottleere, über die er schwebt und füllt und formt sie mit sich.
Er schafft die Voraussetzungen für Lebensqualität und Verlässlichkeit, für Sicherheit und
Geborgenheit, für Heimat und Gemeinschaft, für das Gute. Einen solchen Zustand der
Vollkommenheit nennen wir paradiesisch.
Wie ordnet Gott das finstere Chaos?
Er bringt systematisch Ordnung und Struktur in das heillose Durcheinander. Er bringt es
Schritt für Schritt in eine wohlbedachte und geregelte Reihenfolge und in einen
vorbestimmten Zusammenhang. Er spricht in die Unordnung. Er ordnet nach und nach an. Er
gibt allem Geordneten Namen und festen Platz, Zustand und Bestimmung, Aufgabe und Zeit.
Dadurch wird es unterscheidbar, benennbar und denkbar, verwendbar.
Und so spricht Gott dann Ordnung ins Wirrwarr:
1. "In der Finsternis werde Licht!" Das Licht nannte Gott Tag, die restliche Finsternis Nacht.
So geschah es. Und Gott sah, dass es gut war.
2. "Aus den alles bedeckenden Wassern rage ein luftgefülltes Gewölbe!"
Dieses Gewölbe nannte er Himmel. So geschah es. Und Gott sah, dass es gut war.
3. "Das Wasser sammle sich unter dem Himmel in Vertiefungen, damit trockenes Land
herausrage!" Die Bereiche des Trockenen nannte er Erde, die des Wassers Meer.
"Die Erde bringe vielfältige Pflanzen mit Samen oder Früchten für ihren Fortbestand hervor,
jede nach ihrer Art!" So geschah es. Und Gott sah, dass es gut war.
4. "Über dem Himmelsgewölbe sollen Sterne stehen, die überall erkennbar sind. Sie dienen
als Zeichen, damit nach ihnen der Lebensrhythmus: die Jahreszeiten, Tage und Jahre
bestimmt sind! Dazu sollen zwei große Lichter die Erde erhellen, die Sonne am Tag und der
Mond bei Nacht." So geschah es. Und Gott sah, dass es gut war.
5. "Im Meer soll es von Meerestieren wimmeln und Vögel sollen über dem Land
dahinfliegen." Und so ließ Gott alle Meerestiere, große und kleine, und alle Arten von Vögeln
entstehen, damit sie sich vermehren und zahlreich werden. So geschah es. Und Gott sah, dass
es gut war.
6. "Die Erde soll Leben hervorbringen: alle Arten von Vieh und wilden Tieren und alles, was
auf der Erde kriecht. Sie sollen sich vermehren." Und Gott sah, dass es gut war.
"Nun sollen Menschen werden, ein Bild, das uns gleich sei." Er machte sie als Mann und als
Frau, damit sie sich vermehren. Ihnen gab er den Auftrag: "Seid fruchtbar und mehret euch.
Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel
in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.
Als Nahrung gebe ich euch die Samen der Pflanzen und die Früchte, die an den Bäumen
wachsen. Den Landtieren aber und den Vögeln und allem, was auf dem Boden kriecht, allen
Geschöpfen, die den Lebenshauch in sich tragen, weise ich Gräser und Blätter zur Nahrung
zu." So geschah es. Und Gott sah, dass es gut war.
7. So wurden Himmel und Erde vollendet und nichts fehlte mehr in ihrem Gefüge.
Nachdem er sein großes Werk vollbracht hatte, ruhte Gott am siebten Tag. Diesen Tag
segnete er und erklärte ihn für heilig. Die Arbeit sollte ruhen.
Gott in allem und allen
Weshalb gehe ich so ausführlich auf die biblische Schöpfungsgeschichte ein?
Sie zeigt, wie viel Mühe Gott sich machte, die Erde so zu gestalten, dass sie für Menschen
paradiesisch wird. In Jes 45,18 heißt es: Der Herr ist der einzige Gott. Er ist es, der den
Himmel geschaffen hat. Er gab der Erde ihre Form und legte ihre Fundamente. Nicht als
einsame Wüste hat er sie gebildet, sondern als Wohnraum für seine Geschöpfe.
Sie zeigt auch, wie abgestuft, wohlbedacht und systematisch Gott lebensnotwendige
Ordnung und Form in das ursprüngliche Chaos bringt.
Genauso planvoll ordnet er auch das Durcheinander, die Unordnung, die geistliche Leere in
uns Menschen, damit wir in geistlicher Leere oder Verwirrung, in lebensfeindlicher Wüste,
Verirrung, Wildnis und Ausweglosigkeit, ihn kennenlernen, damit unsere 'Innenwelt' wieder
geordnet wird und wir wieder gesund, lebensfroh und liebesfähig werden.
Gott gibt uns Menschen Naturgesetze, Ordnungen, Lebensregeln und Gebote. Sie sollen uns
orientieren, unser Leben bewahren und ein friedliches Zusammenleben ermöglichen.
Er will uns einen Geist der Liebe, Fürsorge und des Wohlergehens geben,
einen der Gottverbundenheit und des Gottvertrauen;
einen Geist für Vorbild, Verlässlichkeit und Treue, für Bestimmung, Ziel und Bestätigung,
für Besinnung, Freude, Treue, Dank und Hoffnung,
einen für geordnetes Zusammensein und darin Friede und Vergebung.
Das sind seine Ordnungsmerkmale, seine Wegweiser, seine Lebenshilfen für uns.
Deswegen sollen wir uns nach dem Willen Gottes richten und ihn einhalten. Dazu gibt er uns
seinen heiligen Geist, der uns berät, im Glauben kräftigt, durchs Leben begleitet und auf dem
rechten Weg hält. Kurz gesagt: Gottes Ordnung ist lebensbewahrend, sie räumt auf, gibt
Lebensraum, gewährt Sicherheit, bewahrt Leben und sorgt mit Regeln für Disziplin.
Die Gottesbeziehung ist Zentrum seiner Ordnung für Menschen. Sie gibt Halt und Sicherheit,
Führung und Orientierung. In ihr ordnet Gott. Er ist auch unser Gegenüber. Er gibt
Antworten, hilft Gepeinigten, ermöglicht Glauben, vergibt Schuld und stiftet Gerechtigkeit.
Er schenkt das erlösende Wort, die befreiende Erkenntnis. Er löst aus schlechten
Abhängigkeiten und Bindungen. Er ist der Gute und das Gute. Er gibt Aufgabe, Sinn und
Erfüllung. Er alleine kann das Böse, das Destruktive und Zerstörerische um uns und in uns
überwinden.
Nur in der Gottesbeziehung wissen wir uns geliebt und angenommen. Nur in ihr erleben wir
Gottes liebevolles und selbstloses Entgegenkommen, sein gnädiges, gütiges, treues,
barmherziges, aber auch richtendes und allmächtiges Wesen.
Nur aus ihr entstehen in uns tiefe Liebe und Freude, Vertrauen und anhaltender Frieden,
Geduld und Verständnis, Freundlichkeit, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung,
all das ist Grundlagen für eine gelingende Gemeinschaft. Leider geht diese Gottesbeziehung
immer mehr verloren. Sie erstickt in Wohlstand oder Hochmut, in Gleichgültigkeit oder
Interesselosigkeit, in Selbstverherrlichung oder Überheblichkeit. Leider ist Jesus nicht bei
jedem Menschen 'Herr seines Lebens'.
In Kol 1,19-21a heißt es:
Ja, Gott hat beschlossen, mit der ganzen Fülle seines Wesens in ihm (in Jesus)zu wohnen und
durch ihn das ganze Universum mit sich zu versöhnen. Dadurch, dass Christus am Kreuz sein
Blut vergoss, hat Gott Frieden geschaffen. Die Versöhnung durch Christus umfasst alles, was
auf der Erde, und alles, was im Himmel ist. Auch ihr (Christen) seid darin eingeschlossen.
Am Anfang war Gott nur in sich. Dann formte er die Welt, die Erde mit der Natur, mit Leben
und dem Menschen als sein Gegenüber. Am Ende wird er alles in allen sein.
In 1. Kor 15,8 heißt es:
Wenn dann alles unter die Herrschaft von Christus gestellt ist, wird er selbst, der Sohn, sich
dem unterstellen, der ihn zum Herrn über alles gemacht hat. Und dann ist Gott alles in allen.
Damit ist Anfang und Ziel von Gottes Wirken zusammengefasst.

